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Knapper Wohnraum in Sonderburg: Wie es Studierenden geht und was die Kommune tut

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In Sonderburg landen? Gar nicht so einfach für Studierende. Sie sollten sich rechtzeitig auf die Suche nach einer Bleibe machen.

Einer Analyse von „Boligportal“ zufolge herrschen in Sonderburg inzwischen Kopenhagener Verhältnisse, was die Suche nach Einzimmerwohnungen für Studierende angeht. Was die Kommune dagegen unternimmt und welche Tipps Studierenden die Wohnungssuche erleichtern können.

Wer nach den Sommerferien nach Sonderburg ziehen und ein Studium an der SDU (Syddansk Universitet) aufnehmen will, muss sich bei der Wohnungssuche auf einen Wettstreit mit vielen anderen gefasst machen. Das legen zumindest neue Zahlen des Immobilienportals „Boligportal“ nahe. Seit 2020 sei die Nachfrage nach Einzimmerwohnungen in Sonderburg um 61 Prozent gestiegen.

Den Zahlen von „Boligportal“ zufolge heißt das: Auf eine freie Einzimmerwohnung in Sonderburg kämen inzwischen mehr als neun Suchende. Das seien Kopenhagenähnliche Zustände: Dort in der Innenstadt interessierten sich für eine freie Einzimmerwohnung sieben Studierende.

Das sieht die Kommune Sonderburg offenbar anders. In einer Pressemitteilung äußert sich Bürgermeister Erik Lauritzen (Sozialdemokratie, Soz.) dahingehend, dass zwar nicht alle neuen Studierenden ihre Wunschimmobilie bekämen, doch es gebe ein Dach über dem Kopf für alle Neuankömmlinge.

Übergangs-Wohnraum am Nørager

In der Kommune Sonderburg sind derzeit verschiedene Wohnprojekte in Arbeit. Sie sollen vor allem erst einmal kurzfristig die Wohnungssituation für Studierende an der SDU und junge Menschen, die eine Ausbildung in der Stadt machen, entschärfen, sagt Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei, SP), Vorsitzende des Technik-, Stadt- und Wohnungsausschusses. „Übergangsweise können Studierende zum Beispiel in Wohnungen am Nørager einziehen. Dort wird nur ein Teil der Häuser abgerissen“, so Bachmann.

Denn: Das Wohnviertel stehe jetzt nicht mehr auf der sogenannten Ghetto-Liste der Regierung. „Es leben jetzt weniger Menschen in dem Gebiet und die Zusammensetzung hat sich geändert“, erklärt Kirsten Bachmann. Dabei handelt es sich um 400 Wohnungen insgesamt.

Für Studierende heißt das: Sie können auf der Homepage von Studiebolig Syd, einem der Partner der Kommune, sehen, wie viele Wohnungen am Nørager und auch in anderen Wohnheimen gerade frei sind, und sich darum bewerben. Dass die jungen Menschen teils übergangsweise auf einer Baustelle mit Lärm und Staub leben müssen – darauf weist Studiebolig Syd hin.

Für die Übergangswohnungen stellt die Kommune dieses und im kommenden Jahr insgesamt je drei Millionen Kronen pro Jahr zur Verfügung, so Bachmann. Im Gebiet am Nørager sollen die Studierenden so lange wohnen können, bis zum Beispiel die Wohnungen auf dem Gelände des ehemaligen Materialhofs am Skovvej fertig sein könnten.

Kirsten Bachmann ist Stadtratspolitikerin im Sonderburger Kommunalparlament und Vorsitzende des Technik-, Stadt- und Wohnungsausschusses.

Wir wollen mehr Ausbildung nach Sonderburg holen, also brauchen wir den Wohnraum jetzt sofort.

Kirsten Bachmann

Kirsten Bachmann zufolge sollen dort insgesamt 550 neue Wohnungen für Studierende und 32 Wohnungen für Familien gebaut werden – sofern sich ein Käufer für die Fläche findet. Am Dienstagabend hat der Technik-, Stadt- und Wohnungsausschuss entschieden: Das alte Fachwerkhaus, das noch auf dem Gelände steht, darf abgerissen werden.

In ihrer Pressemitteilung nennt die Kommune bereits zwei Partner, die das Projekt umsetzen und die Wohnungen bauen wollen: „SALUS Boligadministration“ und die Sonderburger Wohnungsbaugenossenschaft, „Sønderborg Andelsboligforening“. Einen Zeitplan gibt es auch schon. In drei bis vier Jahren sollen die Wohnungen nach Angaben der Kommune bezugsfertig sein.

Wohnungen für Auszubildende

Auch für das Gelände auf dem ehemaligen ZOB liegen Pläne für Wohnungen vor. In diesem Fall hauptsächlich für junge Auszubildende. „Das sollte man trennen, weil die jungen Auszubildenden andere Gewohnheiten haben als die Studierenden, vor allem die internationalen“, sagt Kirsten Bachmann. Die 250 Wohnungen dort seien perfekt für junge Menschen, weil das Jugendhaus sowie das Konzerthaus für Jugendliche gleich um die Ecke seien.

Die Genehmigung für den Abriss liegt jetzt vor. Ob es tatsächlich so kommt oder das Fachwerkhaus am Ende doch umgebaut wird, entscheidet der Käufer oder die Käuferin des Geländes.

Doch Anwohnerinnen und Anwohner hätten gegen die Pläne geklagt und Recht bekommen. Es sei dabei um Lärm und um zu dichte Bebauung gegangen, so Bachmann. „Jetzt muss ein neuer Bebauungsplan erstellt werden.“

Projekte für den Übergang und auf Dauer

In einer Pressemitteilung verweist die Kommune außerdem auf neue Übergangswohnungen, die unter anderem in Absprache mit dem Hotel 6400 entstehen sollen. Dabei geht es, neben dem Gebiet am Nørager, auch um die frühere Jugendherberge am Kærvej. Insgesamt sollen statt 75 Prozent jetzt 80 Prozent der Übergangswohnungen neuen Studierenden zur Verfügung gestellt werden: laut Kommune eine Absprache zwischen Bitten & Mads Clausen Fond, Linak, SDU und Studiebolig Syd.

Bei den übrigen Studierenden gehe man davon aus, dass sie entweder schon in der Gegend leben oder sich eine private Unterkunft suchen müssten.

„Wir wollen mehr Ausbildung nach Sonderburg holen, also brauchen wir den Wohnraum jetzt sofort“, sagt Kirsten Bachmann. Es sei aber das Ziel, dass die jungen Menschen dauerhaft in Sonderburg bleiben. „Sie sollen sehen, dass es hier schön ist, und dass es Firmen gibt, für die sie arbeiten können.“

Außerdem soll dauerhafter Wohnraum auch auf dem früheren DSB-Gelände, in der Grundtvigs Allé und am Krankenhaus in Sonderburg entstehen, wie die Kommune in einer Pressemitteilung aufzählt.

Was wäre, wenn die Verteilung von Geldern kein Thema wäre – wie sähe die perfekte Wohnsituation für Studierende in Sonderburg aus?

„Ein Campus!“, antwortet Bachmann spontan. „Ein Gelände, wo man eben nicht nur die Gebäude hat, sondern Grünflächen, wo es schön ist, wo die Studierenden sich auch mal zum Grillen oder einfach zum Entspannen treffen und Freundschaften knüpfen können" – so schwebt es Kirsten Bachmann vor.

Tipps für Studierende

Ob das jemals kommt – ungewiss. Sicher aber ist nach Ansicht von Studiebolig Syd und Boligportal, dass sich Studierende die Suche nach einer Bleibe mit ein paar Tipps erleichtern können:

  • Rechtzeitig mit der Suche beginnen.
  • Nicht wählerisch sein – und nicht davon ausgehen, dass man seine Wunschimmobilie bekommt.
  • Offen sein für Wohngemeinschaften mit anderen Studierenden.
  • Sich gut präsentieren und die Wohnungssuche wie eine Jobsuche behandeln – also eine Bewerbung schreiben und deutlich machen, warum man der perfekte Mieter / die perfekte Mieterin ist.
  • Aufmerksam sein: Liest sich ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, kann Betrug dahinterstecken.