Soziale Medien

Google, Facebook, Instagram & Co: Warum Kai aus Kollund darauf verzichtet

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Kai Steffens verzichtet schon immer auf die klassischen sozialen Medien wie Instagram und TikTok.

Falle soziale Medien: Aus der kurzen Rezeptsuche werden schnell Stunden vor dem Smartphone. Wie dem entgehen? Einer, der seinen eigenen Weg zwischen USA-Boykott und Konsumsucht gefunden hat, berichtet.

Gleich zu Anfang macht Kai Steffens klar: Als reinen „Boykottierer“ möchte er sich nicht bezeichnen: „Boykott sagt ja immer erst mal, ich bin gegen etwas. Ich bin viel mehr für etwas. Ich brenne für Demokratie, ich brenne für Europa und brenne wirklich für ein freiheitliches, faires Miteinander. Und wenn ich dafür brenne, dann ergibt sich daraus natürlich eine Reaktion, dass ich Dinge vermeide und auch versuche, damit was zu bewirken.“

Seit vier Jahren lebt Steffens mit seiner Familie in Kollund, er ist seit seinem 19. Lebensjahr im Journalismus tätig und hat vor zehn Jahren das Onlinemagazin „Weites.Land“ gegründet. Im Apenrader Medienhaus berichtet er, welchen Weg er in der digitalen Welt für sich gefunden hat.

Wenn man für etwas kämpft, kann man andere wirklich mit Freude überzeugen.

Kai Steffens

Lieber für als gegen etwas kämpfen

Nur zu boykottieren ist für Steffens schon mal nicht der richtige Weg: „Wenn man Boykott als erste Aktion nimmt, dann schränkt man sich ein, das ist immer eine Belastung. Man sollte für etwas sein. Dann tut eine Veränderung auch gar nicht mehr weh. Wenn man für etwas kämpft, kann man andere wirklich mit Freude überzeugen. Das ist mein Ansatz.“

Für die meisten sind der tägliche Scroll auf Facebook, der Post auf „X“ oder der Like auf Instagram aber einfach nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Auch Kai Steffens ist bewusst, dass so ein Verzicht von eben auf jetzt schwierig ist: „Ich würde auch nie einem Raucher sagen, wirf deine Zigaretten weg. Aber nimm vielleicht eine Zigarette mit weniger Schadstoffen.“ Steffens schwört auf Social-Media-Alternativen wie Mastodon.social oder Qwant.com als Google-Ersatz.

Der Fluch der sozialen Medien

Soziale Medien hat er noch nie genutzt, für ihn waren in dem Bereich schon immer Probleme absehbar: „Das Thema Social Media habe ich von Anfang an sehr kritisch gesehen, weil wir immer mehr verlernen, zu kommunizieren und zwischenmenschliche Beziehungen wahrzunehmen.“

Für ihn ist sein Verzicht also kein reines Phänomen der „USA-Boykotte“, die gerade, vor allem in der Wirtschaft, für Aufsehen sorgen.

In seinem Onlinemagazin macht Kai Steffens auch auf Themen wie Klimawandel und Umweltschutz aufmerksam.

USA-Boykott: Ein Grund mehr

Seine Entscheidung hat einen anderen Ursprung. Zu seiner Motivation trägt die aktuelle politische Lage aber dennoch bei: „Unsere Demokratie ist angreifbar, weil wir überhaupt keinen Überblick über die Algorithmen haben.“ Vor allem ein Aspekt macht ihm hier Sorgen: „Es wird auch nicht kontrolliert, wie politische Parteien in der Wahlwerbung unterstützt werden. Es gibt eben den aktuellen Wunsch der jetzigen US-Administration, Einfluss auf Europa und die Demokratien zu nehmen und eine ganz klare Ansage, auch die AfD in Deutschland zu unterstützen.“

Für Steffens ein Anlass mehr, auch andere zum Umdenken am Bildschirm zu motivieren.