Kommentar

„Wem gehört die Sonne?“

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Ein geplanter Solarpark in Kastvrå sorgt für Aufruhr in der Kommune Hadersleben. Die Energiewende braucht zwar mehr Strom, doch Anwohnende wollen die Sonnenpaneele nicht sehen. Ein Kommentar über Ängste, Verantwortung – und die Frage, was zumutbar ist.

Ein Landwirt plant in der Ortschaft Kastvrå einen Solarpark: 33 Hektar Fotovoltaik unweit einer Hochspannungsleitung. Die Kommune Hadersleben hat das Projekt in die Anhörung geschickt.

Der Widerstand vor Ort ist enorm: Bislang sind 122 Kommentare eingegangen. Die Betroffenen sorgen sich um ihre Landschaft, ihre Aussicht, den Wert ihrer Häuser. Das ist menschlich und verständlich.

Strom in Hülle und Fülle?

Dänemark deckt rund 88 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. An sonnigen oder stürmischen Tagen entsteht mehr Strom, als direkt verbraucht wird. Bei Dunkelflauten wiederum muss Dänemark zukaufen, auch fossile Energie. 

Zugleich ist die steile Kurve beim Strombedarf nicht zu stoppen: durch Wärmepumpen, E-Autos, Digitalisierung, Industrie – und Künstliche Intelligenz. KI-Systeme, wie sie Servicedienste, Medizin, Forschung und Industrie nutzen, laufen rund um die Uhr. Schon heute verbrauchen Rechenzentren so viel Energie wie ganze Wohnviertel. Auch in der Kommune Hadersleben wird der Bedarf steigen. Deshalb braucht es nicht nur grüne Energie, sondern auch genug davon. 

Der geplante Solarpark-Standort Kastvrå liegt gut: nahe an einer bestehenden 150-kV-Hochspannungsleitung, mit einem geplanten Stromspeicher in Containergröße. Dieser soll künftig Energie aus der Solaranlage zwischenspeichern, damit sie dann ins Netz fließt, wenn Flaute herrscht.

Wandel ja, doch lieber woanders

Laut dänischen Umfragen ist die Mehrheit der Bevölkerung für die Energiewende, aber „nicht bei mir vor der Tür“. „Not in my backyard“ heißt das Phänomen. Wir alle brauchen Strom, nur der Wandel soll woanders stattfinden. Doch wer den Strom will, der sollte auch Platz für die Sonne machen.

Der Widerstand vor Ort erinnert an Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen – nicht weil die Gegner Fantasiegestalten wären, sondern weil sie zu sehen sind – vor allem auf dem flachen Land. Dort leben auch Menschen, nicht wenige sind umgeben von Schweinefarmen. Sie riechen den Stall, sind vielleicht sogar gegen Massentierhaltung – und essen womöglich nicht einmal Fleisch. Rücksicht aufs Gemeinwohl ist selten bequem – und manchmal stinkt sie zum Himmel. 

Sowas nennt sich dann Kompromiss.