Energieversorgung

Preiserhöhung bei der Fernwärme: Betroffene fordern Antworten

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Sonfor produziert Fernwärme auf Nordalsen durch die Verbrennung von Stroh und seit Neuestem auch durch eine Wärmepumpe.

Heizkosten, die unvorhersehbar in die Höhe schnellen, und Investitionskosten, die an die Haushalte weitergegeben werden: Im Norden der Insel Alsen ist die Fernwärme in der Krise.

Die Preise für Fernwärme werden auf Nordalsen (Nordals) ab dem 1. Oktober deutlich ansteigen. Das hat vor Ort zu Protesten von Bürgerinnen und Bürgern geführt.

Die Versorgungsgesellschaft Sonfor begründet die Maßnahme in einer Pressemitteilung mit drei zentralen Faktoren: Der Preis für das als Brennstoff genutzte Stroh stieg seit 2020 um 70 Prozent. Gleichzeitig sorgten allgemeine Inflation und gestiegene Finanzierungskosten für höhere Ausgaben beim Ausbau der Wärmeproduktion und des Leitungsnetzes.

Søren Østergaard ist ein betroffener Bürger aus Schwenstrup (Svenstrup) und hat eine Facebook-Gruppe gegründet, über die Bürgerinnen und Bürger ihre Beschwerden sammeln – und Antworten fordern.

Er selbst ist als Mieter von den Preissteigerungen betroffen und zahlt jährlich etwa 3.000 Kronen mehr. Er kritisiert vor allem die Kommunikation des Versorgers: „Die einzige Botschaft war, dass die Preise steigen, ohne echte Erklärungen.“ Er hält die Begründung für unglaubwürdig. Stattdessen fordert er: „Man hätte die Nutzer besser informieren und zu Treffen einladen müssen.“ Zudem habe das Unternehmen im Dezember per Pressemitteilung versprochen: Die Preise werden nicht steigen.

Laut Sonfor-Geschäftsführer Christian Udby ist die Preiserhöhung unausweichlich: Nach mehrjährigen Investitionen sei nun die Endabrechnung erfolgt und gesetzlich vorgeschrieben, entstandene Verluste an die Kundschaft weiterzugeben.

Wir wurden mit günstigen Preisen angelockt, die später nicht gehalten wurden.

Søren Østergaard

Direktor Christian Udby erklärt dazu in einer Pressemitteilung: „Bei Sonfor sind wir gesetzlich verpflichtet, dass wir als Unternehmen weder Gewinn noch Verlust machen dürfen – die Tarife müssen ausschließlich die tatsächlichen Kosten für die Lieferung und Erzeugung der Fernwärme abdecken. Entsteht in einem Jahr ein Defizit oder Überschuss, sind wir verpflichtet, diesen Betrag im Folgejahr bei den Kunden zu erheben oder an sie zurückzuzahlen.“

Deutliche Mehrbelastung für Haushalte

Für ein Standardhaus mit 125 Quadratmetern und einem Jahresverbrauch von 13,4 Megawattstunden erhöht sich die Belastung künftig um 843,75 Kronen pro Quartal. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung steigen die Kosten auf 590,75 Kronen zusätzlich pro Quartal. Der variable Verbrauchspreis bleibt gleich, aber feste Beiträge und Abonnement-Gebühren steigen. Die betroffenen Haushalte wurden über e-Boks oder Brief informiert.

Sonfor ist das Versorgungsunternehmen der Kommune Sonderburg und ein Aktienunternehmen, das zu 100 Prozent der Kommune Sonderburg gehört. Die Organisation besteht aus einer Holdinggesellschaft und neun Betriebsgesellschaften, die alle der Kommune untergeordnet sind.

Zum Vorgehen des Versorgers sagt der ortsansässige Søren Østergaard: „Die Versprechen von billiger und grüner Fernwärme wurden nicht eingehalten. Wir wurden mit günstigen Preisen angelockt, die später nicht gehalten wurden.“ Er sagt: „Ein solide wirtschaftendes Unternehmen muss mögliche Preissteigerungen von vornherein einrechnen und realistische Preise erheben.“

In die neue Wärmepumpe auf Nordalsen wurden laut einem Bericht von „Dansk Fjernvarme“ 95 Millionen Kronen investiert. Die Pumpe versorgt vor allem das neue Ferienresort „Nordborg Resort“ mit Wärme.

Für die Zukunft wollen er und andere Betroffene wissen, „was genau hinter den Preiserhöhungen steckt“ – und er fordert eine professionelle Leitung statt kommunalpolitischer Mitglieder im Vorstand, die vom Betrieb einer Versorgungsgesellschaft wenig bis keine Ahnung haben.

Stadtratspolitikerin will Sorgen ernst nehmen

„Wir im Stadtrat nehmen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger rund um die Fernwärmepreise sehr ernst“, betont Stadtratspolitikerin Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei). „Viele Menschen sind verunsichert und haben den Eindruck, dass die jüngste Preiserhöhung der Fernwärme auf Nordals intransparent abgelaufen ist und zu einer deutlichen Mehrbelastung führt.“

Stadtratspolitikerin Bachmann stellt klar: „Uns ist bewusst, dass diese Situation für viele Haushalte eine große Herausforderung darstellt. Deshalb könnten wir im Stadtrat konkrete Maßnahmen diskutieren, um besonders belastete Bürgerinnen und Bürger zu entlasten. Eine Möglichkeit ist etwa eine Zwischenfinanzierung oder gezielte Unterstützung für diejenigen, die von den Preiserhöhungen besonders betroffen sind“, erklärt Bachmann.

Die Preise für Strohballen, die im Wärmewerk verheizt werden, sind in den vergangenen Jahren gestiegen.

Niemand solle wegen der Preissteigerungen in eine finanzielle Notlage geraten. Sobald die Sommerpause für die Stadtratspolitik endet, sollte dieses Thema auf die politische Tagesordnung, findet Bachmann.

Ein zentrales Anliegen sei die Herstellung von Transparenz. „Wir werden von Sonfor klare und verständliche Erklärungen einfordern: Wo genau liegen die Kostentreiber? Wie werden die Preise kalkuliert? Und hätte man manche Entwicklungen frühzeitiger erkennen und gegensteuern können?“, sagt sie.

Preisentwicklung vorhersehbar gestalten

Zudem spricht sich Bachmann klar für einen jährlichen Energiedialog zwischen Sonfor und der Bevölkerung aus: „Wir möchten regelmäßige Gespräche anstoßen, bei denen offengelegt wird, welche Kosten zu erwarten sind und wie die Preisentwicklung eingeschätzt wird. So schaffen wir nicht nur Transparenz, sondern auch Planungssicherheit für unsere Bürgerinnen und Bürger.“

Abschließend betont sie: „Wir dürfen auf diese Entwicklung nicht nur reagieren, sondern müssen auch daraus lernen. Je mehr unabhängige Energiequellen wir für die Fernwärme erschließen, desto weniger sind wir Preisschwankungen bei Stroh und Strom ausgeliefert. Wir werden daher auch alternative Versorgungswege prüfen und so für mehr Stabilität in der Zukunft sorgen.“

Sonfor und die Kommune Sonderburg