Regenerative Energie

Ergebnis der Tonderner Abstimmung: Keine Mehrheit für neue Windkraftanlagen

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Unlängst demonstrierten Gegnerinnen und Gegner von Windkraftanlagen vor dem Rathaus in Tondern (Archivfoto).

Die Stimmberechtigten rund um die Projektstandorte sprachen sich mehrheitlich gegen insgesamt 110 neue Windkraftanlagen aus. Knapp 50 Prozent nutzten ihr Stimmrecht, um bei dem geplanten Großausbau der Windkraft mitzureden. Die Politik berät nun über das weitere Vorgehen.

In der richtungsweisenden Volksabstimmung für 22 Windenergie-Projekte in der Kommune Tondern gab es von den abstimmungswilligen Bürgerinnen und Bürgern keine Rückendeckung. Sie erteilten allen Projekten, die es insgesamt auf 110 Anlagen bringen, eine Abfuhr. 

Die Wahlbeteiligung lag bei 49,93 Prozent. Somit wollten von den 9.138 Stimmberechtigten nur 4.563 Personen mitreden.

„Obgleich es schwierig ist, eine Schlussfolgerung zu ziehen, ist es unsere Aufgabe, alle Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen. Wir können die Menschen nicht dazu zwingen, abzustimmen, sondern ihnen nur die Möglichkeit bieten“, sagt Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei). 

„Wir wissen, dass unsere Wirtschaft die grüne Energie im Hinblick auf Arbeitsplätze als eine richtig wichtige Entwicklung auffasst“, so Popp Petersen. Dies berücksichtige die Abstimmung nicht.

Anträge überschreiten das Limit für Windkraftanlagen

Das Ergebnis der Abstimmung

• 4.308 Nein-Stimmen
• 1.569 Ja-Stimmen
• 174 blanke Stimmen
• Wahlbeteiligung: 49,93 Prozent
• Von 12.133 möglichen Stimmen wurden 6.051 abgegeben
• Mehrere der Stimmberechtigten hatten die Möglichkeit, ihren Einfluss bei bis zu vier Projekten geltend zu machen. Diese Chance wurde wahrgenommen.

Die 22 Projekte bringen es insgesamt auf 110 Windkraftanlagen mit einer Höhe von 150 über 185 bis zu in einem Fall 200 Metern. Die Spannweite der Anträge reicht von einem einzelnen Windrad in Wiesby (Visby) bis zu 14 Windrädern in Westerterp (Vester Terp). Vorgesehen ist zudem der Abbau von 50 alten Anlagen.

Der Kommunalrat hat beim Ausbau der regenerativen Energie mehrheitlich ein Ziel von 1.600 Hektar mit Solarenergie und 125 Windkraftanlagen abgesteckt. 

Während die Fläche für Sonnenenergie nach den zwei ersten Antragsrunden (2022/2023) voll ausgeschöpft war, entschied sich die Politik im Frühjahr für einen zusätzlichen Durchgang für Windräder. Es gibt noch Potenzial für 52 Anlagen, da für 73 Windräder die Sachbearbeitung bereits angekurbelt ist.

Schwankende Beteiligung

Stimmen durften Menschen, die in einem Abstand von 2,5 Kilometern zu den geplanten Windkraftanlagen wohnen. Die Wahlbeteiligung fiel mit 32,32 Prozent in Lügumkloster (Løgumkloster), wo drei Anlagen geplant sind, am niedrigsten aus. Dort votierten 58,45 Prozent mit Nein und 38,92 Prozent mit Ja. 

In Osterby hingegen beteiligten sich mit 84,19 Prozent die meisten stimmberechtigten Anwohnerinnen und Anwohner an der Abstimmung. 82,23 Prozent sprachen sich gegen und 16,75 Prozent für den Bau der drei Windräder aus.

In Bönderby (Bønderby), wo neun Windräder angestrebt sind, war das Nein mit 92,19 Prozent  (484 Stimmen) am deutlichsten. Die Zustimmung lag nur bei 7,24 Prozent (38 Stimmen).

Hier folgt ein Bildschirmfoto einer Karte mit den angestrebten Standorten. Auf der Homepage der Kommune Tondern gibt es die Karte in einer interaktiven Version.

Die Abstimmung fällt früher im Verfahren

Die Karte zeigt die angestrebten Standorte für Windenergie.

Während die unverbindliche Volksabstimmung bei den beiden ersten Antragsrunden erst am Schluss des Anhörungsprozesses stattfand, sieht es in dieser ergänzenden Runde anders aus. 

Die Abstimmung erfolgt früh im Prozess und findet vor der politischen Priorisierung statt. Dies hängt mit der Erfahrung zusammen, dass ein ganzer Teil der Projekte nach dem Planungsprozess gekippt wurde.

Somit seien von der kommunalen Verwaltung und den Projektleuten viele Ressourcen und viel Arbeit in die Vorhaben gesteckt worden, die letztendlich verschwendet waren. Einige Projektmacher hätten in Vorschläge für einen Bebauungsplan zweistellige Millionenbeträge investiert, erläutert der Bürgermeister.

Der nächste Schritt

Als Erstes wird der kommunale Ausschuss für Klima, Wachstum und Entwicklung am Montag, 15. Dezember, priorisieren, mit welchen Vorhaben weitergearbeitet werden soll. 

Ursprünglich war angestrebt, dass der Kommunalrat dann auf seiner Sitzung am Donnerstag, 18. Dezember, dazu Stellung beziehen sollte. 

Aus der Sicht des Bürgermeisters drängt es aber nicht mit einer Entscheidung. „Ungeachtet dessen, was dieser Ausschuss oder der Kommunalrat beschließen würde, ist es der neue Kommunalrat, der über den Planungsprozess der Windräder entscheiden soll“, so Popp Petersen. 

Daher wäre es aus seiner Warte nicht verkehrt, wenn das neue Gremium auf der Grundlage der Empfehlung des zuständigen Ausschusses Stellung beziehen würde.

Geht der Planentwurf eines Projekts weiter voran, folgt außerdem im weiteren Verlauf eine achtwöchige öffentliche Anhörung, in der alle Bürgerinnen und Bürger eine Stellungnahme einreichen können.