Grüne Umstellung

Biogasfirma wird Klimagas aus der Luft entfernen

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Karsten Sørensen erklärt, wie die Anlage zum Einfangen von Kohlendioxid funktioniert.

Biocirc verwandelt in seinen Anlagen Gülle und Mist in klimaneutrales Biogas. Doch die Firma möchte noch einen Schritt weiter gehen. In wenigen Monaten wird sie an fünf Anlagen CO₂ einfangen. Damit wird das Gas der Atmosphäre entzogen. Eine der Anlagen liegt in der Kommune Hadersleben.

Karsten Sørensen ist sichtlich stolz, als er „seine“ Biogasanlage in Favrskov bei Aarhus vorzeigt. Vor allem ist er stolz auf eine neue Installation im hinteren Teil des Geländes. 

„Ich bin gespannt“, sagt der Direktor der Anlage. 

Der Grund für seine Spannung: Wenn er am 1. April auf den Startknopf drückt, verwandelt sich die bereits klimaneutrale Gasproduktion in eine, die das CO₂ aus dem Kreislauf entfernt. Bislang entweicht es durch einen Schornstein. 

„Es macht noch mehr Sinn, zur Arbeit zu gehen, wenn ich weiß, dass das CO₂, das wir jetzt in die Atmosphäre schicken, eingesammelt wird“, so Sørensen. 

Anlage reduziert Klimagas in der Atmosphäre

Die Betreiberfirma Biocirc hat den „Nordschleswiger“ gemeinsam mit zwei Vertretern des Branchenverbandes „Biogas Danmark“ zu einer Besichtigung der Anlage eingeladen. Der operative Geschäftsführer (COO) der Firma, Kenneth Christian Hansen, erklärt, dass die Anlage durch den Prozess letzendlich CO₂ aus der Atmosphäre entfernt.  

Die Biogasanlage wird mit biologischem Material gefüttert. Das Kohlendioxid, das sie ausstößt, wurde also ursprünglich von Pflanzen aus der Luft aufgenommen. Wenn es zukünftig eingefangen und in einem ehemaligen Ölfeld in der Nordsee eingelagert wird, wird das Klimagas also aus der Atmosphäre entfernt. 

„Mit der Menge, die wir hier einfangen, kommt die Kommune Favrskov ihrem Klimaziel deutlich näher“, so Hansen. 

CO₂-Abscheidung auch in Hadersleben

Favrskov wird die erste Biogasanlage in Dänemark, die das Treibhausgas einfängt. Doch weitere vier Biocirc-Anlagen gehen noch in diesem Jahr an den Start. Darunter ist auch die in Sode in der Kommune Hadersleben (Haderslev). Weitere sollen folgen.

Karsten Sørensen ist bei seiner Führung in einer Halle angekommen, in der eine Reihe von Rohren zu sehen ist. Hier wird das CO₂ aus dem Biogas gefiltert. Bislang gelangt es über einen Schornstein in die Luft. Zukünftig wird es in die eingangs beschriebene Anlage gepumpt und dort in flüssige Form gebracht.

„Da wir ohnehin schon das Kohlendioxid aus dem Gas filtern, ist das hier die billigste Methode überhaupt, um es einzufangen“, erklärt er.

Kohlendioxidfang in der Abluft von Müllverbrennungsanlagen oder Industrieanlagen ist um ein Vielfaches teurer. 

Mit dieser Anlage wird das CO₂ aus dem Biogas gefiltert.

Methode mit großem Potenzial

Hinzu kommt, dass die Methode einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, dass Dänemark sein neues Klimaziel bis 2035 erreichen kann. Im Dezember hat die Regierung festgelegt, dass der CO₂-Ausstoß bis dann um 82 Prozent im Vergeich zu 1990reduziert werden soll. 

„Entfernt man das Kohlendioxid bei der heutigen Biogasproduktion, sind das 1 Million Tonnen bis 2030“, sagt Esben Tranholm Nielsen, Public Affairs Direktor bei „Biogas Danmark“. Steigt die Biogasproduktion, wie erwartet, seien es sogar 1,9 Millionen Tonnen. „Damit können wir potenziell Dänemarks neues Klimaziel bis 2035 erreichen.“

Grüne Organisation befürwortet Projekt

Die grüne Denkfabrik Concito sieht ebenfalls ein großes Klimapotenzial im Einfangen und Lagern von Kohlendioxid bei Biogasanlagen. 

„Da das CO₂, das bereits jetzt aus Biogasanlagen gefiltert wird, einen hohen Reinheitsgrad hat, kann man mit geringeren Kosten einen guten und schnellen Klimaeffekt erzielen, wenn er im Untergrund gespeichert wird“, sagt Karsten Capion, Senioranalytiker bei Concito, dem „Nordschleswiger“. Der Preis sei niedriger als der für einen entsprechenden Klimaeffekt mit Biogas alleine.  

In Favrskov beobachtet Direktor Karsten Sørensen wie die Handwerker die letzten Installationen vornehmen. Im Laufe des Januars sollen die Tests beginnen.

„Die Technologie unterscheidet sich nicht so sehr, von der, die wir bereits haben. Dennoch wird es interessant, den neuen Prozess einzuführen. Es gibt ja kaum Menschen, die wir um Rat bitten können.“