Lokale Wirtschaft

Aus Rothenkrug kommt die Tanksäule der Zukunft

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Die Hamag-Ladebox für E-Autos

Hamag hat sich auf Zapfsäulen für Benzin und Diesel spezialisiert und trotzt damit auch globalen Konkurrenten. Jetzt hat sich das Unternehmen eine neue Herausforderung eingestellt: Es produziert für die E-Mobilität.

An einer Tankstelle die Zapfpistole in der Hand – kaum jemand weiß, dass sie vielleicht aus Rothenkrug stammt. Die Firma Hamag, seit Jahrzehnten ein Hersteller von Tanktechnik, steht vor einem entscheidenden Wandel. Neben Benzin und Diesel rücken nun auch Kilowattstunden in den Mittelpunkt: Das Unternehmen produziert jetzt Ladestationen für Elektroautos.

Wechsel in die Zukunft

Søren Lynge Nielsen hat das Unternehmen vor 10 Jahren gekauft.

„Wir befinden uns im Umbruch“, sagt Søren Lynge Nielsen, der Inhaber von Hamag. Er weiß, dass fossile Brennstoffe irgendwann auslaufen werden, auch „wenn es noch Jahrzehnte dauern wird“. Doch Hamag will vorbereitet sein. Bereits seit vier Jahren entwickelt das Unternehmen deshalb Produkte für die Elektromobilität – für Privathaushalte ebenso wie für Großkunden.

Eine Reise durch die Unternehmensgeschichte

Das Firmengebäude an der Jyllandsgade in Rothenkrug: Seit 1968 hat das Unternehmen dort den Hauptsitz.

Die Geschichte von Hamag reicht bis ins Jahr 1940 zurück. Gegründet wurde das Unternehmen in Apenrade von Viktor Harhorn und Thomas Mathiesen, die Gasgeneratoren produzierten. Der Firmenname setzt sich aus den beiden ersten Buchstaben ihrer Nachnamen sowie dem „G“ des Produkts zusammen.

Schon ein Jahr nach der Gründung übernahm der Apenrader Claus Møller das Unternehmen. Unter seiner Führung und später der seiner Söhne Bent und Gerth veränderte Hamag seine Ausrichtung. Statt Gasgeneratoren stellte die Firma bald Pumpen für den Kraftstoffbedarf von Landwirten her – damals noch handbetrieben.

Wachstum im Zeichen der Mobilität

1968 folgte ein entscheidender Schritt: Hamag zog ins neue Industriegebiet von Rothenkrug und etablierte sich an seiner heutigen Adresse in der Jyllandsgade 4. Die Firma wuchs mit der steigenden Mobilität: Mehr Autos und Lastwagen auf den Straßen bedeuteten auch mehr Bedarf an Zapfsäulen.

Ein weiterer Meilenstein für das Unternehmen war 1986 die Einführung der Dankort-Zahlung in Dänemark. Hamag entwickelte die erste technische Lösung, die Zapfsäulen und Bezahlung mit der Dankort miteinander verband – ein Erfolg, der bis heute prägt. „Unsere Stärke ist, dass wir alles als Gesamtpaket liefern: Hardware und passende Software“, betont Søren Lynge Nielsen.

Nachhaltigkeit und Innovation: Der Blick nach vorn

Zapfsäulen sind noch immer der wichtigste Zweig des Unternehmens.

Nachhaltigkeit gilt als wichtiges Prinzip für das Unternehmen. „80 Prozent unserer alten Zapfsäulen können für andere Produkte wiederverwendet werden“, erklärt der Direktor. Und auch die Lebensdauer einer Zapfsäule – etwa 20 Jahre – unterstreicht den Qualitätsanspruch.

Seit 2015 lenkt Søren Lynge Nielsen die Geschicke des Unternehmens. Unter seiner Führung wagte Hamag den Schritt in die Welt der Elektromobilität. Dabei sind Ladeboxen für den privaten und gewerblichen Betrieb entstanden, gestaltet „im klassischen nordischen Design“, wie er sagt. Eine neu gegründete Abteilung arbeitet derzeit daran, die Produkte auf dem Markt zu etablieren.

Eine Tanksäule wird auseinandergebaut und die Wertstoffe wiederverwendet.

„Wir gehen mit der Entwicklung des Marktes“, sagt Lynge Nielsen, der entspannt in die Zukunft blickt. Erste Kunden seien bereits gewonnen, und neben dem dänischen Markt nehme Hamag nun auch andere Länder in Skandinavien ins Visier. Mittelfristig solle sogar der europäische Markt erschlossen werden.

Bereits Pionierarbeit in den 1990-ern

Dabei ist Elektromobilität für Hamag eigentlich nichts Neues. Schon 1994 entwickelte das Unternehmen erste Ladestationen, die in Kopenhagen im Einsatz waren. Doch die Technik war der Zeit voraus – das Interesse an Elektroautos blieb damals aus. Heute sieht die Situation anders aus, und Hamag will diesmal eine führende Rolle spielen.

Flache Hierarchien und treue Mitarbeitende

Hamag gilt auch ein geschätzter Arbeitgeber. „Wir sehen uns als Gemeinschaft, die zusammenarbeitet“, sagt Nielsen. Mitarbeitende können Vorschläge einbringen, die ernst genommen und diskutiert werden.

Dass die Belegschaft sich wohlfühle, zeige die Treue der Mitarbeitenden: In diesem Jahr feiert ein Angestellter sein 50-jähriges Jubiläum.

Fluktuation? Kein Thema bei den aktuell 75 Mitarbeitenden. „Wir haben flache Hierarchien und legen Wert darauf, dass jeder hier seinen Platz findet“, sagt der Direktor.

Ein Unternehmen mit Blick in die Zukunft

Hamag hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach neu erfunden – von Gasgeneratoren über Zapfsäulen bis hin zu Ladestationen für Elektroautos. Auch wenn fossile Brennstoffe noch eine Zeit lang eine Rolle spielen werden, sei die Zukunft der Mobilität elektrisch.

Mit lokal produzierter Technik, nachhaltigen Lösungen und einem starken Team wolle Hamag diesen Wandel nicht nur mitgehen, sondern mitgestalten, so der Direktor. „Wir sind gut auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet“, ist Søren Lynge Nielsen überzeugt.

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