Energieversorgung

Abwärme in der Kommune kann in Zukunft besser genutzt werden

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Prestigeprojekt für die Nutzung von Abwärme in der Kommune Apenrade: Voraussichtlich ab Sommer soll von der PtX-Anlage aus überschüssige Wärme ins Apenrader Fernwärmenetz eingespeist werden.

Industrielle Abwärme hat ein enormes Potenzial, denn sie ist eine oft günstige, effiziente und klimafreundliche Quelle für die allgemeine Wärmeversorgung. Das Land hat mit einer Absprache den Grundstein gelegt, dass Industrie und Versorungsunternehmen die Energie in Zukunft besser nutzen können. Auch in der Kommune Apenrade könnten dadurch weitere Projekte ins Rollen kommen.

Überschüssige Wärme aus Industrie- und Energieanlagen zu nutzen, um Wohnhäuser zu beheizen, ist eine ziemlich clevere Idee. Denn so kann das Nebenprodukt noch zu etwas gebraucht werden. Weil die bisherigen Vorschriften zur Nutzung von Abwärme dazu geführt haben, dass sie in vielen Fällen nicht rentabel war oder die Bedingungen zu unsicher waren, wurde die kostbare Energie oftmals vergeudet. Eine aktuelle Absprache im Folketing soll das ändern und auch in der Kommune Apenrade neue Möglichkeiten bieten, Abwärme effizient zu nutzen.

Die Vertragsparteien hatten sich im Januar darauf geeinigt, ab dem 1. Juli 2025 einen freieren Rahmen für die Nutzung der überschüssigen Wärme zu schaffen, indem die Verantwortung vor Ort den Kommunen und Fernwärmeunternehmen übertragen wird.

Preisobergrenze fällt

Was ist Überschusswärme?

Überschusswärme entsteht etwa als Nebenprodukt bei der Produktion in Unternehmen. Diesen „Wärmeabfall“ aus der Industrie zu nutzen, ist bislang noch nicht sonderlich verbreitet. Derzeit macht die Abwärme nur etwa vier Prozent der der dänischen Fernwärmeproduktion aus. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass Abwärme das Potenzial hat, 25 Prozent der Fernwärmeproduktion auszumachen.

Denn statt die Abwärme in die Luft zu pusten, kann sie in vielen Fällen eine wettbewerbsfähige grüne Wärmequelle für Verbraucherinnen und Verbraucher sein. Auch für Abwärmeliefernde ist es ein lohnendes Geschäft. Gleichzeitig kann eine Menge CO2 eingespart werden, wenn die überschüssige Wärme weitergenutzt werden kann. Stammt die Abwärme derzeit häufig noch aus fossilen Quellen, wird sie in Zukunft eher aus Power-to-X-Anlagen, Rechenzentren oder bei der CO2-Abscheidung entstehen.

Um die überschüssige Wärme leichter nutzen zu können, soll die bestehende Preisobergrenze für Abwärme abgeschafft werden. Fernwärmeunternehmen und die Industrie können nun frei verhandeln und in die Nutzung der überschüssigen Wärme investieren. Das bedeutet, dass die Fernwärme in vielen Haushalten sowohl umweltfreundlicher als auch oft billiger werden wird. Damit Endkundinnen und Endkunden dennoch nicht zu viel bezahlen, sollen die Fernwärmeunternehmen weiterhin dem Wärmeversorgungsgesetz (varmeforsyningsloven) unterliegen.

Auch in Zukunft sollen entsprechende Abwärmeprojekte erst durch die Kommune genehmigt werden. Der vom Endkunden oder der Endkundin zu zahlende Gesamtwärmepreis unterliegt außerdem der am 1. Januar 2025 in Kraft getretenen Verbraucherpreisobergrenze für Fernwärme.

Viel Potenzial in Nordschleswig

„Das ist eine richtig gute Nachricht, dass wir in Zukunft mehr Abwärme nutzen können als heute“, sagt das sozialdemokratische Folketingsmitglied Jesper Petersen aus Nordschleswig. Unternehmen und Fernwärmegesellschaften besser zu koppeln, könne mehr aus der Energie herausholen, die produziert wird. „Anstatt sie in die Luft zu schießen, kann die Energie eines nahegelegenen Unternehmens, eines Rechenzentrums oder eines Kraftwerks für warme Heizkörper in den Häusern der Menschen beitragen“, so Petersen, der auch klima- und energiepolitischer Sprecher der Partei ist.

In Süddänemark und Nordschleswig gebe es laut Petersen an vielen Orten gute Möglichkeiten, Abwärme zu nutzen, wo sie heute noch nicht genutzt wird. „In Vejen, Apenrade und weiteren Teilen der Dreiecksregion (trekantområdet, Anm. d. Red.) gibt es Projektideen und einige stehen bereits in den Startlöchern.“

Kommune Apenrade

Ein Beispiel ist das Krankenhaus in Apenrade. Die Kommune hatte hier bereits 2021 das Potenzial für die Nutzung überschüssiger Wärme untersucht. Durch die Installation einer Wärmepumpe, die sowohl Fernwärme als auch Kälte erzeugen kann, ist es möglich, die Wärme entweder im Krankenhaus zu nutzen oder sie in das Fernwärmenetz einzuspeisen.

Petersen sagt dazu, dass Krankenhaus und Fernwärmeunternehmen nun bereit seien, voneinander zu profitieren. In einer Übersicht der Kommune, die dem „Nordschleswiger“ vorliegt, ist der Status für die Umsetzung des Projekts bereits „gutgeheißen“, und kann nun die nächsten Schritte nehmen.

In Sonderburg gibt es bereits ein entsprechendes Abkommen zwischen Danfoss, Krankenhaus und dem Fernwärmeunternehmen Sønderborg Varme. Im Juni 2024 wurden die Wärmepumpen des Norburger Unternehmens im Krankenhaus in Betrieb genommen. Die Klinik kann nun überschüssige Wärme an Sønderborg Varme weiterverkaufen, damit Haushalte in der Gemeinde davon profitieren können.

Prestigeprojekt Kassö

Ab Sommer 2025 will Aabenraa Fjernvarme aus der PtX-Anlage in Kassö (Kassø) Überschusswärme beziehen, um 2.750 Haushalte zu versorgen. In Kassö wird E-Methanol aus Wasserstoff und Kohlendioxid hergestellt. Dabei entsteht Abwärme. Bereits 2022 hatten das Versorgungsunternehmen und der Betreiber der Anlage, European Energy, einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Auch in Pattburg (Padborg) soll eine PtX-Anlage entstehen.

2021 startete eine Zusammenarbeit von Arla in Krusau (Kruså) und Padborg Fjernvarme. Hier wird Abwärme des Meiereiabwassers genutzt und ins Fernwärmesystem eingespeist.

Auch eine Reihe kleinerer Projekte wurde bereits etabliert. So gibt es etwa Kooperationen mit dem Krematorium am Gammeldam in Apenrade, den Supermärkten Superbrugsen in Apenrade und Rothenkrug (Rødekro) oder dem Kühllogistiker Agri Norcold in Pattburg. Auch von Hissel Biogas bei Feldstedt (Feldsted) wird Überschusswärme bezogen.

Insgesamt kann mit den bereits umgesetzten und noch ausstehenden Kooperationen so viel überschüssige Wärme genutzt werden, um 5.750 Standardhäuser in der Kommune zu versorgen.

Viele neue Projekte erwartet

„Ich erwarte, dass wir in den kommenden Jahren viele weitere gute Projekte sehen werden. Dazu trägt die neue Absprache bei – lokal und in unserem Landesteil“, sagt Petersen.

Kim Mortensen, Chef von der Branchenorganisation Dansk Fjernvarme, sieht es ähnlich. „Überall im Land sind große Projekte in der Pipeline, die auf den Tag warten, an dem es wieder möglich sein wird, Energie effizient zu nutzen.“ Vielerorts werde man sich von fossilen Brennstoffen verabschieden oder die Nutzung von Biomasse reduzieren. „So oder so werden die Energieunternehmen mehr Spielraum haben und damit unsere Versorgungssicherheit stärken.“

In Apenrade sind die Verantwortlichen laut Übersicht im Dialog mit mehreren Unternehmen, etwa dem Futtermittelhersteller Ewers, dem Schlachtbetrieb Danish Crown, der Großbäckerei Kohberg oder dem Hygieneproduktehersteller Abena.