Leserbrief

„Zum Leitartikel von Gwyn Nissen zur DSSV-Zukunft“

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Der Schulleiter der Deutschen Schule Rapstedt reagiert auf den Leitartikel von „Nordschleswiger“-Chefredakteur Gwyn Nissen und spricht von einem Schlag ins Gesicht für Mitarbeitende, Eltern und Kinder. Eine Schließung der Standorte würde ein Ausbluten der Minderheit bedeuten, nicht deren Erhalt, ist sich Jan Röhrig sicher.

Danke, Gwyn Nissen! Denn wenn noch irgendein Elternteil oder ansonsten Betroffener Zweifel hatte, ob es sich lohnt, sich an dieser Diskussion um Kindergarten- und Schulschließungen zu beteiligen, hat dieser Leitartikel die Reihen geschlossen. Was vorher vielleicht Trauer, Enttäuschung und Ärger war, ist nun Aktivität und Kampfgeist gewichen. Und wir sind uns sicher, der Minderheit ausreichend gute Argumente für den Erhalt der beiden Standorte zu liefern.

Dabei geht es gar nicht so sehr um die dargestellte Meinung an sich, wobei es sich in meiner Wahrnehmung und in der vieler anderer genau andersherum verhält als in diesem Artikel vertreten: Eine Schließung dieser Standorte würde ein Ausbluten der Minderheit bedeuten, nicht deren Erhalt! Die deutsche Minderheit würde sich aus weiteren ländlichen Teilen Nordschleswigs zurückziehen.

Nein, freie Meinungsäußerung ist das höchste Gut. Aber die Art und Weise dieses Artikels ist geradezu verstörend. Da wird rundweg behauptet, Pädagogen und Lehrer würden überall gesucht. Ach so? Den Eindruck haben wir, die diesen Beruf ausüben, nicht. Überall wird gespart, als Beispiel herrscht bei der Minderheit südlich der Grenze ein Einstellungstopp.

Ganz abgesehen davon, dass dieser Satz ein Schlag ins Gesicht ist für all diejenigen Mitarbeiter (also alle), die für „ihren“ Kindergarten oder „ihre“ Schule brennen und nicht einfach verpflanzt werden wollen.

Eine weitere unbelegte und eindeutig unüberlegte Aussage des Artikels ist, dass Kinder sich immer schnell an neue Umgebungen gewöhnen. Das mag für einen bestimmten Prozentsatz gelten, aber ganz bestimmt nicht für die Mehrheit der Kinder heutzutage und schon gar nicht für die Kinder an unseren kleinen Schulen. Denn oft haben die Eltern gerade deswegen unsere Schulen ausgewählt, weil ihre Kinder eben genau das brauchen, was wir bieten können: „Tryghed“, Verlässlichkeit und kleine Lerngruppen.

Auch diese Aussage ist ein Schlag ins Gesicht für diese Kinder und ihre Eltern nach dem Motto: „Stellt Euch nicht so an!“ Und dann dies absolut unsägliche Bild, dass diese Kinder (lebende Menschen aus Fleisch und Blut) die „Organspende“ für die Minderheit sein sollen. Ist das wirklich die Minderheit, die wir sein wollen? Eine Gesellschaft, die ihre Schwächsten „frisst“, um zu überleben?

Jan Röhrig, Schulleiter der Deutschen Schule Rapstedt – nun und in Zukunft

Die in diesem Leserbeitrag vorgebrachten Inhalte wurden nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.