Kommunalwahl

„Zweisprachige Ortsschilder drohen, symbolische Unruhe zu schaffen“ – und was Haderslebens Kandidierende sonst noch denken

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Dänemark ist ein Ausnahmefall in Europa: Hier gibt es zwar eine anerkannte Minderheit, aber keine mehrsprachigen Ortsschilder (Archivfoto). Wie stehen die lokalen Parteien – auch die der deutschen Minderheit – dazu?

Stellung beziehen: Was sagen die Kandidatinnen und Kandidaten zu mehr erneuerbaren Energien, Grenzkontrollen und zweisprachigen Ortsschildern? Es gibt Gemeinsamkeiten und deutliche Unterschiede. Welche das sind, das zeigen die Antworten auf drei Fragen vor der Kommunalwahl.

Im Vorfeld der Kommunalwahl gibt es eine Reihe relevanter Fragen aus Sicht der deutschen Minderheit. Die „Nordschleswiger“-Redaktion hat drei davon ausgewählt und sämtliche Parteien, die in der Kommune Hadersleben antreten, um kurze Antworten der Spitzenkandidatin oder des Spitzenkandidaten gebeten.

Die Antworten derjenigen, die reagiert haben, sind hier wiedergegeben und aus dem Dänischen übersetzt. Antworten, die länger als die vorgegebenen zwei Sätze waren, wurden von der Redaktion sinnerhaltend gekürzt und dies durch (…) gekennzeichnet.

Frage 1: 

zweisprachige Ortsschilder
Beispiele für mehrsprachige Ortsschilder aus Europa.

In großen Teilen Europas gibt es bereits zweisprachige Ortsschilder als sichtbares Zeichen einer aktiven Minderheitenpolitik – und als Folge des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten. Dänemark hat das Übereinkommen ebenfalls unterzeichnet, aber das Recht auf zweisprachige Ortsschilder wurde bisher noch nicht umgesetzt.
 

Was sind deine Argumente für oder gegen zweisprachige Ortsschilder in den Städten Hadersleben, Apenrade, Tondern und Sonderburg?

Christdemokraten-Spitzenkandidat Paul Erik Planitzer: „Für mich wäre es in Ordnung, wenn es zweisprachige Schilder in Südjütland gibt. Ich denke jedoch, dass das vielleicht nur in einer Linie von Hadersleben im Osten bis Ribe im Westen ein aktuelles Bedürfnis ist – sie sollten allerdings so gestaltet sein, dass sie keine Verwirrung stiften, indem sie schwer zu deuten sind.“ 

Einheitslisten-Spitzenkandidat Sven Brandt: „Ich finde, es ist peinlich, dass wir noch keine zweisprachigen Ortsschilder in der Kommune Hadersleben haben, ganz besonders in der historischen Stadt Hadersleben. Ich habe den Haderslev/Hadersleben-Aufkleber auf meinem Auto, seit er hergestellt wird, und habe dazu auch einen Vorschlag im Stadtrat eingereicht.“

Konservative-Spitzenkandidat Kjeld Nørmark Thrane: „Wir haben großen Respekt für die deutsche Minderheit und das gute nachbarschaftliche Verhältnis im Grenzland, aber zweisprachige Ortsschilder bergen das Risiko, mehr symbolische Unruhe als tatsächlichen Wert zu schaffen. Stattdessen sollten wir die Zusammenarbeit durch Kultur, Bildung und Wirtschaft stärken – nicht, indem wir unsere gemeinsamen dänischen Ortsschilder verändern.“

Radikale Venstre-Spitzenkandidat Jakob Vindel Duedahl: „Wir müssen sichtbar machen und betonen, dass wir in einer Grenzregion leben – vor allem, damit die kommenden Generationen an eine ganz einzigartige Geschichte erinnert werden. Vielfalt macht uns neugierig und stärkt uns als Region; sie trägt dazu bei, unsere gemeinsame Identität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern – Radikale Venstre sagt Ja zu zweisprachigen Ortsschildern.“

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidat Carsten Leth Schmidt: „Die Schleswigsche Partei unterstützt zweisprachige Ortsschilder als einen wichtigen Schritt zur Anerkennung der kulturellen und sprachlichen Identität der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Wir sind der Ansicht, dass die deutsche Sprache, die tief in der Region verwurzelt ist, durch Maßnahmen wie zweisprachige Ortsschilder sichtbar gemacht und geschützt werden sollte, und dies würde auch zur Förderung der kulturellen Vielfalt und zu stärkeren Verbindungen über die deutsch-dänische Grenze beitragen.“

SF-Spitzenkandidat Leif Storgaard Pedersen: „Wenn es innerhalb der deutschen Minderheit eine Mehrheit und einen klar geäußerten Wunsch danach gibt, sehe ich persönlich dies gerne umgesetzt, das könnte zum Beispiel im Zuge eines geplanten Austauschs von Schildern geschehen. Wenn jedoch kein Bedarf und Wunsch vorhanden ist, halte ich es nicht für relevant und daher lediglich für Symbolpolitik und eine Ausgabe – und ein Austausch könnte (…) Widerstand von Menschen hervorrufen, die während der Besatzungszeit lebten, daher würden wir in einem solchen Fall selbstverständlich auch das Gespräch mit ihnen suchen.“

Sozialdemokratie-Bürgermeisterinkandidatin Marie Skødt: „Persönlich sehe ich zweisprachige Ortsschilder aus Respekt vor der Minderheit positiv. Weil ich keinen tiefergehenden historischen Überblick über die Geschichte hinter den zweisprachigen Ortsschildern habe, möchte ich gerne zunächst die Argumente dafür und dagegen kennen, bevor ich endgültig Stellung beziehe, ob dies etwas ist, wofür ich mich aktiv einsetzen möchte.“

Venstre-Bürgermeisterkandidat Mads Skau: „Wir bei Venstre möchten auf zweisprachige Ortsschilder hinarbeiten. Und die Zeit ist reif dafür. So wie man es südlich der Grenze hat.“

Frage 2: 

Grenzkontrollen
Auch aus der und in die Kommune Hadersleben pendeln zahlreiche Menschen über die Grenze (Symbolfoto).

Kommunalpolitikerinnen und -politiker haben keinen direkten Einfluss auf die Grenzkontrollen, aber die Stimme des Grenzlandes wird in diesem Bereich gehört. Das offene Grenzland gehört längst der Vergangenheit an, gleichzeitig wird jedoch die Wirksamkeit der Kontrollen infrage gestellt.

In welche Richtung und auf welche Weise möchtest du die Grenzkontrollen beeinflussen?

Christdemokraten-Spitzenkandidat Paul Erik Planitzer: „Persönlich denke ich, dass die Grenzkontrolle, wie wir sie heute kennen, eine präventive Wirkung hat und daher vielleicht auch ihre Berechtigung besitzt. (…) Für den täglichen Pendelverkehr zur Arbeit halte ich sie jedoch nicht für gerechtfertigt. Man könnte zum Beispiel Drohnen einsetzen, um Menschenschmuggel usw. zu überwachen und eventuell Hinterleute und Umladestationen aufzuspüren.“

Einheitslisten-Spitzenkandidat Sven Brandt: „Ich meine, die Grenzkontrollen sollten geschmeidig und effizient ablaufen, was jetzt nicht der Fall ist. Man sollte die Kontrollen automatisieren und effizienter machen, damit das Leben für die Pendlerinnen und Pendler einfacher wird.“

Konservative-Spitzenkandidat Kjeld Nørmark Thrane: „Die Grenzkontrolle sollte als Schutz der dänischen Sicherheit und Souveränität gesehen werden, muss aber effektiv und zielgerichtet sein. Mit moderner Technologie und enger Zusammenarbeit mit Deutschland können wir Sicherheit gewährleisten, ohne das Alltagsleben im Grenzland zu behindern.“

Radikale Venstre-Spitzenkandidat Jakob Vindel Duedahl: „Die Grenzkontrollen sind reine Symbolpolitik und könnten wesentlich effizienter gehandhabt werden, wenn wir die Ressourcen der Polizei dafür freisetzen, echte grenzüberschreitende Polizeiarbeit zu leisten und moderne Technologie zu nutzen. Wir sollten die Grenzregion verbinden, nicht spalten – Radikale Venstre meint, dass die derzeitigen Grenzkontrollen abgeschafft werden sollten.“

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidat Carsten Leth Schmidt: „Obwohl kommunale Politiker keine direkte Kontrolle über die Grenzkontrollen haben, setzt sich die Schleswigsche Partei für eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland ein. Wir fordern eine Balance zwischen einer effizienten Grenzkontrolle und der Erhaltung und Verbesserung des offenen Charakters der Grenzregion, die seit Langem als Modell für die Zusammenarbeit der beiden Länder gilt – wir unterstützen die Politik, die unnötige Barrieren abbaut und den täglichen, kulturellen und sozialen Austausch über die Grenze erleichtert.“

SF-Spitzenkandidat Leif Storgaard Pedersen: „SF ist gegen die derzeitigen Grenzkontrollen und wird dafür arbeiten, dass sie aufgehoben werden. Wir bevorzugen stattdessen, dass die Polizei in der gesamten Region Kontrollen in breiterem Umfang durchführt, denn es ist eine schlechte Nutzung der Ressourcen der Polizei, wenn sie an der Grenze festsitzt – und auch die Nachteile für Grenzpendlerinnen und Grenzpendler auf beiden Seiten der Grenze sind unzweckmäßig. (…)“

Sozialdemokratie-Bürgermeisterinkandidatin Marie Skødt: „Die Grenzkontrollen sind wohl leider gekommen, um zu bleiben, was besonders für Pendlerinnen und Pendler, die täglich die Grenze überqueren, umständlich ist. Die Aufgabe, die Grenzkontrollen zu regulieren, liegt aber anderswo als bei mir.“

Venstre-Bürgermeisterkandidat Mads Skau: „Wir bei Venstre halten eine gute Mobilität im Grenzland für wichtig. Deshalb ist eine effektive und verkehrssichere Grenzkontrolle wichtig.“

Frage 3:

Hadersleben liegt im Nordschleswig-Vergleich hinten, wenn es um Wind- oder Sonnenenergie-Anlagen geht (Symbolfoto).

Strategische Entscheidung oder Versäumnis? Beim Ausbau erneuerbarer Energien hinkt die Kommune Hadersleben anderen südjütischen Kommunen hinterher.

Welche Rolle sollen nachhaltige Energiequellen zukünftig in der Kommune Hadersleben spielen?

Christdemokraten-Spitzenkandidat Paul Erik Planitzer: „Die Kommune Hadersleben sollte natürlich am Puls der Zeit sein, aber wir sollten keine Hunderte von Hektar mit Solarparks haben (…), die die Landschaft verschandeln. Ich spreche mich eher dafür aus, gute Standorte für Windräder zu finden, aber auch damit zu beginnen, die Möglichkeiten von V2G zu nutzen, da immer mehr Elektroautos kommen. (…)“

Einheitslisten-Spitzenkandidat Sven Brandt: „Nachhaltige Energiequellen, vor allem Sonne und Wind, sollten ausgebaut werden, aber mit Fokus auf lokale Teilhabe und Biodiversität. Jeder Nutzungsplan muss so gestaltet werden, dass Rücksicht auf Anwohnende, Natur und Biodiversität im Vordergrundnd steht.“

Konservative-Spitzenkandidat Kjeld Nørmark Thrane: „Hadersleben soll zur grünen Wende beitragen, aber auf eine Weise, die Rücksicht auf Natur, Nachbarn und lokale Interessen nimmt. Grüne Energie muss verantwortungsvoll entwickelt werden und einen Mehrwert für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und das Klima schaffen.“

Radikale Venstre-Spitzenkandidat Jakob Vindel Duedahl: „Die Klima- und Biodiversitätskrise schreitet mit großer Geschwindigkeit voran – wir müssen handeln, alles andere wäre unverantwortlich gegenüber den kommenden Generationen. Wir müssen alles daransetzen, eine gute und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten, jedoch stets mit hoher Transparenz und Einbindung der örtlichen Bevölkerung.“

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidat Carsten Leth Schmidt: „Die Schleswigsche Partei erkennt die Dringlichkeit nachhaltiger Energielösungen an und stellt fest, dass die Haderslebener Kommune in diesem Bereich hinter anderen Kommunen in der Region zurückliegt. Wir fordern eine beschleunigte Entwicklung erneuerbarer Energiequellen, insbesondere Wind-, Solar- und Biogasanlagen, und fordern, dass die lokalen Bürger als Miteigentümer an diesen Energieprojekten beteiligt werden sollten (…) denn wir sehen grüne Energie als entscheidend an, um den Klimawandel zu mildern und gleichzeitig die lokale wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und Nutzen für Nachbarn zu erzeugen.“

SF-Spitzenkandidat Leif Storgaard Pedersen: „SF möchte das Tempo beim Ausbau von Windkraftanlagen an Land und auch bei Solarparks deutlich erhöhen und sind uns dabei bewusst, dass es in der Bevölkerung große Widerstände gegen beides gibt – insbesondere dann, wenn dies das lokale Umfeld und den Immobilienwert der Bürgerinnen und Bürger beeinträchtigt, während Grundbesitzende und Investorinnen und Investoren dabei hohe Gewinne erzielen. SF ist der Meinung, dass der Stadtrat ein Gleichgewicht finden muss zwischen Ambition und dem Mut, sich prinzipiellem Widerstand gegen den grünen Wandel zu widersetzen, und gleichzeitig Betroffene einzubeziehen, ihnen zuzuhören und aktiv an Projekten zu arbeiten, die lokale Gemeinschaften stärker kompensieren und berücksichtigen als bisher (…).“

Sozialdemokratie-Bürgermeisterinkandidatin Marie Skødt: „Meiner Meinung nach sollte die Produktion grüner Energie so dicht am Verbrauch wie möglich liegen. Heute ist es oft umgekehrt so, dass die grüne Energie am weitesten von der Industrie entfernt ist, und es ist für alle am besten, wenn man die Produktion im Zusammenhang mit Gebäuden und Infrastruktur platziert.“

Venstre-Bürgermeisterkandidat Mads Skau: „Venstre will die grüne Transformation. Aber wir müssen bedenken, dass die grüne Transformation nicht nur Solaranlagen ist, sondern auch Fernwärme oder Biogas. Und wir müssen uns daran erinnern, dass die grünste Energie diejenige ist, die wir nicht verbrauchen.“

Informationen zu diesem Artikel: Die „Nordschleswiger“-Redaktion hat im Laufe mehrerer Wochen je dreimal die Spitzenkandidatinnen oder Kandidaten aller an der Kommunalwahl in der Kommune teilnehmenden Parteien und/oder ihre Lokalvorsitzenden mit Bitte um Beantwortung der drei Fragen angeschrieben. Der Rücklauf war wie folgt: Apenrade 7 von 14, Hadersleben 8 von 13, Sonderburg 7 von 14, Tondern 3 von 11 Parteien nahmen teil. 

Kommunalwahl 2025

📅 Wahltermin: Dienstag, 18. November 2025, 8:00 bis 20:00 Uhr
📬 Briefwahl: möglich vom 7. Oktober bis 14. November 2025 in Bürgerservicezentren, zu Hause (bei Gehunfähigkeit), in Pflegeheimen und Krankenhäusern
🎫 Wahlkarten werden spätestens 5 Tage vor der Wahl verschickt. Bei Nichterhalt reicht ein gültiger Ausweis zur Stimmabgabe.
🗳️ Was wird gewählt? Stadträte in 98 Kommunen (darunter die vier in Nordschleswig), insgesamt2.432 Stadtratssitze für die Amtszeit 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2029.