Deutsche Minderheit

Zwei Köche, eine Mission: 1.700 Sandwiches für das Knivsbergfest

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Kasper Faltz (r.) und sein Kollege Casper Dahnke Nissen sorgen für das leibliche Wohl der Schulkinder auf dem Knivsberg.

Premiere am Herd, aber dabei alles im Griff: Casper Dahnke Nissen und Kasper Faltz sind zum ersten Mal beim Knivsbergfest dabei und kümmern sich um rund 1.600 hungrige Schulkinder. Ihre Geheimzutat? Ein klarer Plan und jahrelange Erfahrung.

Auf der Küchenzeile liegen ausgerollte Teigstücke – bedeckt von Mehl. Casper Dahnke Nissen rollt diese vorsichtig mit dem Nudelholz aus, während Kasper Faltz mit geübten Händen die selbstgemachte Tomatensoße darauf verteilt. Hier entstehen Pizzaschnecken für das Knivsbergfest.

Nebenan summt eine automatische Rührmaschine, die den Kuchenteig vorbereitet. Um die süßen Leckereien kümmert sich an diesem Tag Hanne Johannsen – frühere Mitarbeiterin, inzwischen im Ruhestand und aus der Freude am Knivsbergfest noch einmal zurück in der Küche.

„Gib mir einen Moment!“, ruft Kasper Faltz, bevor er sich wieder konzentriert den Pizzaschnecken zuwendet. Für ihn und seinen Kollegen Nissen heißt es am Sonnabend: Premiere auf dem Knivsbergfest – das große Sommerfest der deutschen Minderheit in Nordschleswig. Von Nervosität jedoch keine Spur.

Ein neuer Alltag statt der langen Arbeitstage

Faltz ist gelernter Koch und Kellner und blickt auf 25 Jahre Erfahrung in der Gastronomie zurück. Seit Dezember 2024 arbeitet er in der Bildungsstätte auf dem Knivsberg. Zuvor führte er sein eigenes Restaurant in Apenrade (Aabenraa). „Ich bin mit 15 Jahren in die Gastronomie eingestiegen und mache das mittlerweile seit 25 Jahren“, sagt er mit einem Lächeln.

Doch irgendwann sei ihm klar geworden: So kann es nicht weitergehen. „Ich bin alleinerziehend mit zwei Töchtern. Sie haben mich früher meistens nur in der Küche des Restaurants gesehen“, erinnert er sich zurück an diese Zeit.

„Ich war kaum auf Geburtstagen oder Feiern – sogar den Geburtstag meiner Mutter habe ich seit 20 Jahren nicht erlebt.“ Der Schritt in einen geregelten Arbeitsalltag auf dem Knivsberg sei für ihn eine bewusste Entscheidung gewesen. Heute ist er dankbar: „Ich habe viel mehr Zeit für meine Familie.“

1.700 Sandwiches – und bisher kein Chaos in Sicht

Casper Dahnke Nissen bereitet den Teig für die Pizzaschnecken vor.

Seit einigen Tagen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Casper und ich bereiten Sandwiches und Pizzaschnecken, Obst und Getränke vor. Wir versorgen 1.600 Schulkinder. Mit dem Personal sind es insgesamt rund 1.700. Das ist eine Menge“, betont Faltz.

Mit Teamkollege Casper Dahnke Nissen hat er seit April seinen Teampartner gefunden. Der 30-Jährige stammt aus Broacker (Broager) und ist wie Faltz ausgebildeter Koch und Kellner.

„Mit 13 Jahren habe ich als Tellerwäscher angefangen“, erzählt Nissen. Seine Mutter arbeitete als Kellnerin – so sei er früh in die Gastronomie „hineingerutscht“. „Ich habe jahrelang im Fakkelgaarden in Kollund als Kellner gearbeitet. Danach habe ich die Weiterbildung als Koch dran gehängt. Schon immer habe ich mich für gutes Essen interessiert“, gibt er zu. „Wie aus einer einfachen Karotte etwas Besonderes wird – das hat mich fasziniert.“

Durch Thore Naujeck, Leiter des Deutschen Jugendverbandes für Nordschleswig, erfuhr Nissen, dass auf dem Knivsberg ein Koch gesucht wurde. „Thore wusste, dass ich die langen Arbeitszeiten satthatte – und da ich im September selbst Vater werde, wollte ich mehr Zeit für mein Kind haben“, erzählt der 30-Jährige.

Planung, Präzision – und viel Selbstgemachtes

Ein eingespieltes Team: Casper Dahnke Nissen und Kasper Faltz und stecken mitten den Vorbereitungen.

„Wir haben von Anfang an einen klaren Plan gemacht und seit voriger Woche sprechen wir jeden Tag über die Abläufe“, sagt Nissen. „Wir machen uns viele Gedanken – und trotzdem fällt uns immer noch etwas ein, das man noch besser organisieren kann“, ergänzt Faltz.

Für ihre Speisen setzen beide Köche auf Qualität und Abwechslung. „Für unsere Sandwiches haben wir 40 Liter Béarnaise-Mayonnaise selbst hergestellt“, erzählt Nissen. Auch bei vegetarischen Vorlieben oder speziellen Nahrungsunverträglichkeiten werde nichts dem Zufall überlassen.

Die Pizzaschnecken inklusive der selbstgemachten Tomatensoße seien glutenfrei und sogar vegan, so Faltz. „Die hat uns zwei Tage gekostet“, erklärt Faltz und lacht. „Aber es war uns wichtig, dass wir für alle Kinder etwas anbieten können.“

In der Ruhe liegt die Kraft

Trotz der Menge an Speisen bewahren beide Ruhe. „Immer ruhig bleiben und Spaß bei der Arbeit haben – das ist das Wichtigste“, verrät Faltz. Sein Teampartner Nissen sieht das ähnlich: „Ich bin sehr positiv eingestellt. Wir haben einen guten Plan – das wird klappen.“

Sobald alles geschafft ist, freut sich Faltz auf zwei Dinge: „Ich freue mich schon auf ein Bier am Sonnabendabend“, sagt er mit einem Augenzwinkern – und dann wird er etwas ernster: „Am meisten freue ich mich darauf, dass alles läuft und die Kinder gut versorgt sind. Dann ist meine Aufgabe erfüllt.“

Neben der Knivsberg-Küche, die das Essen für die Kinder macht, sorgt der SV Tingleff im Catering-Zelt für das leibliche Wohl der anderen Gäste auf dem Festplatz.