Deutsche Minderheit

Zur Diskussion: „Wie mache ich den Sozialdienst mehr sexy?“

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Gertraudt Jepsen bereist in den kommenden Tagen ganz Nordschleswig, um sich bei den Mitgliedern vor Ort umzuhören.

20 Bürgerinnen und Bürger trotzten Eisregen und Glätte: Alle wollten sich gerne an der Diskussion über die künftigen Aufgaben des Sozialdienstes Nordschleswig im Museum Nordschleswig beteiligen. Was die Anwesenden in puncto moderne Kommunikation, Gemeinschaftsstärkung, Strukturen und Innovation zu sagen hatten.

Auch beim Sozialdienst Nordschleswig steht die Zeit nicht still: Die Organisation der deutschen Minderheit in Nordschleswig möchte sich erneuern. Nach einer Dialogtagung des Verbandes im September mit rund 50 Vorstandsmitgliedern aller Ortsvereine haben nun die Nutzerinnen und Nutzer vor Ort das Wort. Der erste der vier Termine in Nordschleswig fand in der oberen Etage des Deutschen Museums für Nordschleswig statt. 20 Frauen und Männer beteiligten sich. Einige hatten wegen des eisigen Winterwetters abgesagt. 

Die Termine vor Ort sind für die Vorsitzende Gertraudt Jepsen und die als Konsulentin im Projekt hinzugezogene Mitarbeiterin Ute Eigenmann ein wichtiger Teil des Prozesses. Ute Eigenmann, die frühere Schulleiterin der Deutschen Schule Buhrkall (Burkal), heute Inhaberin des Unternehmens „KlarFokus“, hat einen Blick von außen, wie Gertraudt Jepsen den Teilnehmenden erklärte: „Ohne sie hätten wir keinen so stringenten Aufbau haben können.“

Mehr Kontakt zu den Mitgliedern vor Ort

Der Sozialdienst wünscht sich mehr Kontakt zu den Mitgliedern der Ortsvereine. „Die Ortsvereine, das seid ihr. Ihr setzt die Segel, damit wir unterwegs sein können. Wir sitzen alle im gleichen Boot“, sagte die Sozialdienst-Vorsitzende. Der Sozialdienst besteht aus Helfern und ehrenamtlicher Arbeit. Deshalb geht es auch in der Organisation um ein Thema: „Wie mache ich den Sozialdienst mehr sexy?“

Der Sozialdienst soll für Jüngere attraktiv sein. „Es geht übergeordnet um die Vorteilhaftigkeit der BDN-Mitgliedschaft. Mehr Mitglieder bedeutet mehr Zuschüsse. Ein simples Rechenstück“, so Gertraudt Jepsen. Aber wie viele Ortsvereine verträgt die Minderheit? „Man kann ja darüber nachdenken, was am besten ist“, stellt die Vorsitzende in den Raum. 

Gertraudt Jepsen (r.) informierte die Runde über die Ergebnisse des Dialogtreffens im Dezember.

Weg vom Kaffee- und Kuchenclub

Beim Dialogtreffen waren sich die Teilnehmenden einig: Weg vom Image des Kaffee- und Kuchenclubs. Neue Möglichkeiten lägen überall. Ein Beispiel: Die Transportmöglichkeiten der Schulen könnten die Seniorinnen und Senioren vielleicht auch nutzen. Respekt vor dem Ehrenamt. Klare Strukturen bei den Ortsvereinen.  „Wer in einem Ortsverein Kassierer ist, warum kann der bei uns nicht auch mitmachen?“, fragte die Sozialdienst-Vorsitzende. 

Die Vorsitzende wünscht sich, dass die Kompetenzen richtig verteilt werden: „Ich bin in den vergangenen zwei Jahren so viel rumgekommen, und ich hatte gute Kontakte und so gute Schnacks überall. Wir wollen alle dasselbe: einen guten Sozialdienst.“ 

Ich bin in den vergangenen zwei Jahren so viel rumgekommen, und ich hatte einen so guten Kontakt und so gute Schnacks überall. Wir wollen alle dasselbe: einen guten Sozialdienst.

Gertraudt Jepsen

Sie präsentierte anschließend die Essenz der 150 Vorschläge. Aus den Ergebnissen entstanden vier Punkte, an denen angesetzt werden müsse. Diese vier Themen sollen nun überall diskutiert werden.

  1. Moderne Kommunikation und Sichtbarkeit stärken
  2. Gemeinschaft und Engagement fördern
  3. Klare Strukturen und Verantwortlichkeiten fördern
  4. Innovation und Anpassungsfähigkeit leben

Ein Terminkalender für alle Veranstaltungen

Katharina Mensing vom BDN-Fördekreis Gravenstein (Gråsten) sprach die oft ärgerliche Doppelung von Terminen an. An der Westküste wird nun alles in einem Heft gesammelt. Der Fördekreis veröffentlicht schon alle 14 Tage einen Rundbrief, der alle Veranstaltungen in Gravenstein unter einen Hut bringt. Das könnte man noch erweitern für den ganzen Bezirk, schlug die BDN-Bezirksvorsitzende Ruth Nielsen vor. 

Man könnte einen Terminkalender für alle Minderheiten-Veranstaltungen in der ganzen Kommune machen, so der Vorschlag. Ruth Nielsen fand einen gemeinsamen Vorstand mehrerer Vereine nicht ganz verkehrt: „Aber ich frage mich dann, wären BDN-Fördekreis und Sonderburg zu verschieden oder eine Möglichkeit?“ Es gäbe an einigen Orten Probleme, genug Menschen für die Vorstände zu finden. 

Vor einigen Jahren hätten die Vorstandsvorsitzenden von verschiedenen Orten sich getroffen. Diese Initiative sei dann aber wieder eingeschlafen, obwohl es richtig gute Treffen gewesen seien, so Ruth Nielsen. 

Kooperation ja, aber nicht mehr

Alle sitzen auf einem Containerschiff. Aber in den verschiedenen Containern liegen ganz verschiedene Erwartungen und Bedürfnisse der Vereine.

Der Kassierer des Sozialdienstes Fördekreis, Rainer Naujeck, befürwortete eine Koordinationssitzung: „Aber nicht mehr.“ Möglichkeiten fände er gut, aber keine Koordination. So bleiben alle aber trotzdem dicht bei den Teilnehmenden.

„Ihr habt hier eine gute Zusammenarbeit im Sozialdienst und BDN. Eine Bündelung oder Zusammenlegung ist bei euch nicht aktuell. Das funktioniert, und dann muss da eigentlich nichts her“, sagte Ute Eigenmann. „Wir wollen uns gern noch mal zusammensetzen und abstimmen, wie wir enger miteinander arbeiten können. Aber in getrennten Vereinen“, stellte auch Dorothee Knabe vom Sozialdienst Sonderburg fest. Denn: Die Bedürfnisse seien in ganz Nordschleswig verschieden.

„Wie überleben wir?“

Ein weiteres Thema war die Anpassungsfähigkeit. „Wie überleben wir?“, fragte Gudrun Kromand. Schulleiterin Marion Petersen von der Deutschen Schule Lunden meldete sich zu Wort: „Ich glaube, es geht vielen so. Mir fällt es schwer, montagnachmittags an Veranstaltungen teilzunehmen, weil ich ja noch arbeite. Aber Hannelore bat mich heute zu kommen, und deshalb bin ich hier.“ 

In Sonderburg wurden schon mehrere Veranstaltungen für die ganze Familie oder auch das arbeitende Volk ausgerichtet. Einige mussten abgesagt werden, weil sich zu wenig angemeldet hatten.

Die zweite Vorsitzende im Sozialdienst Fördekreis, Katharina Mensing, sprach einige Volltreffer des Fördekreises an: „Wir hatten schon Weinproben im Ruderklub um 19 Uhr, wo es proppenvoll war. Wir haben ja Angebote für spät und früh, dann sind wir gut dabei.“ 

Egal, was wir jetzt alles angesprochen haben. Es ist wichtig, dass wir eine Solidargemeinschaft sind. Egal, ob wir aus einem anderen Land kommen oder hier geboren wurden. Wir sind da, um zu geben und zu nehmen.

Gertraudt Jepsen

Die meisten Veranstaltungen in Sonderburg beginnen um 15 Uhr. Rainer Naujeck vom Fördekreis warnte, dass man sich nie entmutigen lassen darf. Es werden Aktivitäten für alle angeboten, deren Zeitpunkt nicht immer passt – ob nachmittags, abends oder am Wochenende. 

Umbenennung und bessere Vermarktung

Der Name Sozialdienst schreckt vielleicht gerade die Zuzüglerinnen und Zuzügler ab, wurde als Frage aufgeworfen. Die Lenkungsgruppe setzt sich für die Power-Präsentation von den Familienberaterinnen ein. Mit drei Videos in den sozialen Medien soll der Sozialdienst besser vermarktet werden.

Stadtratsmitglied Kirsten Bachmann (Schleswigsche Partei) warnte vor einer eventuellen Umbenennung, weil gerade die Kommunen wissen, welch tolle Sache der Sozialdienst ist. Es wurde diskutiert, ob nicht nur in Tondern (Tønder), sondern auch in anderen Kommunen mithilfe eines Partnerschaftsvertrags mehr Geld für den Sozialdienst abgezwackt werden könne. 

Es wurde am Montag fleißig über die künftigen Aufgaben des Sozialdienstes Nordschleswig diskutiert.

„Wir sind eine Solidargemeinschaft"

„Egal, was wir jetzt alles angesprochen haben. Es ist wichtig, dass wir eine Solidargemeinschaft sind. Egal, ob wir aus einem anderen Land kommen oder hier geboren wurden. Wir sind da, um zu geben und zu nehmen“, sagte Gertraudt Jepsen abschließend. 

Die Antworten aus ganz Nordschleswig werden zusammengefasst und am 11. Mai bei der Generalversammlung des Sozialdienstes Nordschleswig vorgelegt. 

Präsentation der Ergebnisse von der Dialogtagung

12.01.2026 Bezirk Sonderburg – Sonderburg, Fördekreis

14.01.2026 Bezirk Westküste – Tondern, Hoyer, Lügumkloster

15.01.2026 Bezirk Apenrade – Buhrkall, Tingleff, Mittwochstreff, Donnerstagsclub, Fördetreff

21.01.2026 Hadersleben

03.02.2026 Vorstandssitzung: Vorstellung der Resultate der Gespräche mit den Bezirken

11.05.2026 Generalversammlung Sozialdienst Nordschleswig: Präsentation der Ideen

 

Ute Eigenmann präsentierte die Themen, mit denen der Sozialdienst Nordschleswig arbeitet.