Landwirtschaft

Zu viel Biomasse, zu wenig Kontrolle: Kommune greift durch

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Die Biogasanlage in Sode (Archivbild)

Das Unternehmen „BioCirc Haderslev Biogas“ hat jahrelang mehr Biomasse verarbeitet als erlaubt – und fast keiner hat es gemerkt. Nun verschärft die Kommune Hadersleben ihre Kontrollen und stellt das System neu auf.

Auf den ersten Blick schien alles in bester Ordnung: Jahrelang hat die Kommune Hadersleben die Anlage am Hejsager Næsvej kontrolliert, allerdings ohne Einblick in die wohl wichtigste aller Kontrollzahlen: Wie viel Biomasse verarbeitet das Unternehmen tatsächlich? Die Antwort: Viel zu viel, mehr als doppelt so viel wie die genehmigten 200.000 Tonnen jährlich.

Kontrolle ohne Kontrolle

„Dass die Menge nie überprüft wurde, ist unfassbar.“ Carsten Leth Schmidt (Schleswigsche Partei), Vorsitzender des Technik- und Klimaausschusses, mag es kaum glauben. Die Verwaltung prüfte zwar Sicherheitsmaßnahmen und Geruchsbelastung, nicht aber die Gesamtmenge der angelieferten Biomasse. Diese Daten gingen ausschließlich an die Energiebehörde.

Er stellt fest: Das eigentliche Problem liegt in der Arbeitsteilung zwischen den Behörden. Die Kommunen sollen zwar kontrollieren, bekommen aber nicht alle Zahlen. Die Energiebehörde erhebt die Daten, gleicht sie aber nicht mit den kommunalen Genehmigungen ab.

„So kam es, dass genau die Zahl, über die wir in der Politik am meisten diskutiert haben, nicht überprüft wurde“, sagt Leth.

Sonderkontrollen für alle Biogasanlagen

Biogas Sode auf dem Haderslebener Ness heißt jetzt offiziell „BioCirc Haderslev Biogas“. Die Anlage gehört zu dem landesweit agierenden Biogasunternehmen BioCirc. (Archivbild).

Hinweise aus der Bevölkerung lagen seit 2023 vor; die Kommune entdeckte die Verstöße erst im Frühjahr 2025 – und erstattete Anzeige. Inzwischen hat sie daraus ihre Lehren gezogen. „Ab sofort führt die Kommune vierteljährliche Sonderkontrollen durch“, sagt Ausschussvorsitzender Leth. Alle Betriebsdaten – vor allem die tatsächlich angelieferte Biomassemenge – fließen in die Überwachung ein. 

„Wir haben BioCirc mitgeteilt, dass es ohne Transparenz keine weiteren Genehmigungen geben wird. Erst muss das Vertrauen wiederhergestellt sein.“

Widerstand vor Ort – Gesprächsbereitschaft wächst

Anwohnende rund um Sode klagen seit Jahren über überlastete Straßen und Gestank. Entsprechend angespannt ist die Stimmung in der Tourismusregion Haderslebener Ness. Laut Leth hat BioCirc inzwischen reagiert. „Das Unternehmen räumt ein, dass etwas passieren muss – auch mit Blick auf die Straßen.“

Leth fordert eindeutige Zuständigkeiten

Leth sieht das Problem nicht nur bei der Kommune als Kontrollinstanz, sondern auch beim Gesetzgeber. Er fordert klare Regeln, damit Kommunen alle notwendigen Daten erhalten und ihre Aufsichtspflicht tatsächlich erfüllen können. Ziel sei ein System mit eindeutigen Zuständigkeiten, effizienten Kontrollen und vor allem einer einheitlichen Überwachungsrichtlinie, die alle Kontrollzahlen berücksichtigt.

„Biogas kann auch in Hadersleben ein zentraler Baustein für die grüne Wende sein“, sagt Leth. „Aber nur, wenn sich alle an die Regeln halten.“