Leitartikel

„Zu männlich: Minderheit muss ins Gleichgewicht kommen“

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Frauen sind gerade in den Leitungspositionen der Minderheit unterrepräsentiert. Die Zukunft verspricht zwar starke weibliche Minderheiten-Persönlichkeiten, doch auch dann bleibt wichtig: Beide Geschlechter müssen annähernd zu gleichen Teilen repräsentiert sein. Darüber, wie das gelingen kann, macht sich Anna-Lena Holm in ihrem Leitartikel Gedanken.

Die Minderheit kann sich nicht gerade mit den Lorbeeren schmücken, die sie für ein Geschlechtergleichgewicht in den Leitungsrollen und Vorsitzpositionen auszeichnet.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Gerade einmal fünf Frauen haben die Leitungsposition oder den Vorsitz in einem der Minderheitenverbände inne – von insgesamt 19 Ämtern. Auch im Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger macht sich das bemerkbar – hier sind von insgesamt 27 Mitgliedern 9 Frauen.

Natürlich ist das eine Momentaufnahme – doch im Vergleich mit 2019 hat sich in der Verteilung von Posten zwischen Mann und Frau nicht viel verändert. In den Verbänden ist seitdem eine einzige Frau hinzugekommen – der Hauptvorstand hat seither zwei weibliche Mitglieder gewonnen.

In der Schulleitung ergibt sich hingegen ein umgekehrtes Bild: Zehn Schulleiterinnen stehen vier Schulleitern gegenüber.

Eine große Portion Gleichstellung, bitte!

Gleichstellung ist kein neues Thema – und doch scheint es zu selten dort auf den Tisch zu kommen, wo es guttäte. Nicht, um einen Tagesordnungspunkt abzuhaken, sondern um konkrete Maßnahmen zur Veränderung anzustoßen.

Aber: Insgesamt ist es heute deutlich schwieriger, um das Thema herumzukommen. Auch weil eine Generation nachrückt, die von politischen und meinungsstarken Frauen geprägt ist. Man denke nur an die Jungen Spitzen.

Hier ist der Spieß umgedreht! Im Vorstand sind Frauen deutlich stärker vertreten. Es gibt nur eine männliche Person – bei insgesamt neun Mitgliedern.

Gleiches gesellt sich gerne zu Gleichem: Dort, wo von vornherein viele Männer vertreten sind, lassen sich weibliche Mitglieder nur schwer für Führungsrollen gewinnen. In den Bereichen, wo Frauen bereits stark vertreten sind, trauen sie sich Leitungspositionen eher zu. Und so entsteht ein Ungleichgewicht.

Dabei spielen auch die immer noch konservativ geprägten, anerzogenen Rollenbilder jener Generationen, die im Jahr 2025 in vielen Bereichen die Hauptrollen einnehmen, eine maßgebliche Rolle. So fallen Personalentscheidungen unterbewusst auch schneller mal auf das „rollenkonforme Geschlecht“. Um die Kinderbetreuung kümmern sich Frauen, die finanziellen Angelegenheiten der Minderheit haben Männer im Griff. Zum Beispiel.

Die Waage halten

Das weitaus größere Problem ist aber, dass sich nur wenige Männer und Frauen von sich aus in eine Umgebung begeben wollen, in der das jeweils andere Geschlecht überrepräsentiert ist. Man bleibt lieber unter sich.

Die Identifizierung mit dem Gegenüber ist einfacher, und eine Begegnung ohne die Gefahr, dass ein Machtgefälle entstehen könnte, geringer. Es ist ein Bewegen auf vertrautem Gebiet, mit weniger Spannungsgefahr und damit verbundener eigener Anspannung. Auch hier spielt die Generationsfrage wieder eine Rolle. Erfahrungen prägen, werden weitergegeben, und Denkmuster lösen sich nur langsam auf.

Doch die Minderheiten-Zukunft sieht weiblich aus: Die jungen Frauen, die stärker als die jetzige Generation von der Auflösung der steifen Geschlechterrollen geprägt sind, stehen in den Startlöchern. Wichtig ist es nun, sie zu motivieren, den Weg zu Leitungspositionen weiterzuverfolgen.

Es braucht Frauen, die vorangehen, damit andere nachziehen mögen. Und dann gilt es, die Waage zu halten – denn auch wenn Frauen viel Führungszeit „gut“ haben, ist es wichtig, dass die Gesellschaft sich gleichermaßen repräsentiert sieht – in jedem Bereich. Und da ist das Gleichgewicht der Geschlechter ein unverzichtbarer Anfang. Zeigen wir in Nordschleswig der Weltpolitik, wie es besser geht!