Kommunalwahl

„Windräder gehören raus aufs Meer“ – und was Tonderns Kandidierende sonst noch denken

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Windkraftanlagen
Wen wählen? Spitzenkandidatinnen und -kandidaten aus der Kommune Tondern beantworten je drei relevante Fragen (Symbolfoto).

Stellung beziehen: Was sagen die Kandidatinnen und Kandidaten zu Windparks, Grenzkontrollen und zweisprachigen Ortsschildern? Es gibt Gemeinsamkeiten und deutliche Unterschiede. Welche das sind, das zeigen die Antworten auf drei Fragen vor der Kommunalwahl.

Im Vorfeld der Kommunalwahl gibt es eine Reihe relevanter Fragen aus Sicht der deutschen Minderheit. Die „Nordschleswiger“-Redaktion hat drei davon ausgewählt und sämtliche Parteien, die in der Kommune Tondern antreten, um kurze Antworten der Spitzenkandidatin oder des Spitzenkandidaten gebeten.

Die Antworten derjenigen, die reagiert haben, sind hier wiedergegeben und aus dem Dänischen übersetzt. Antworten, die länger als die vorgegebenen zwei Sätze waren, wurden von der Redaktion sinnerhaltend gekürzt und dies durch (…) gekennzeichnet.

Frage 1: 

zweisprachige Ortsschilder
Beispiele für mehrsprachige Ortsschilder aus Europa.

In großen Teilen Europas gibt es bereits zweisprachige Ortsschilder als sichtbares Zeichen einer aktiven Minderheitenpolitik – und als Folge des Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten. Dänemark hat das Übereinkommen ebenfalls unterzeichnet, aber das Recht auf zweisprachige Ortsschilder wurde bisher noch nicht umgesetzt. 

Was sind deine Argumente für oder gegen zweisprachige Ortsschilder in den Städten Hadersleben, Apenrade, Tondern und Sonderburg?

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidatin Louise Thomsen Terp: „Zweisprachige Ortsschilder sind ein gutes Symbol für das friedliche Zusammenleben von Mehr- und Minderheitenbevölkerung in Nordschleswig – dennoch wird es nicht die SP sein, die (…) zweisprachige Ortsschilder in der Kommune Tondern fordern wird. Wenn der Wunsch nach zweisprachigen Ortsschildern von anderen Parteien da ist, wird dieser Wunsch natürlich von unserer Seite aus unterstützt, aber es ist wichtig, dass eine solche Initiative auf einem breiten politischen Fundament fußt, damit sie auch in der Bevölkerung anerkannt und akzeptiert wird.“

SF-Spitzenkandidat Bjarne Lund Henneberg: „SF Tønder würde solche Schilder mit zwei oder mehreren Sprachen in den Grenzgebieten begrüßen. Ich habe sie andernorts in Europa gesehen, und sie senden einfach das Signal, dass hier Freundschaft gewünscht wird, statt das Gegenteil.“

Velfærdsdemokrater-Kandidatin Barbara Krarup Hansen: „Ich habe nichts gegen zweisprachige Ortsschilder in der Kommune Tondern.“

Frage 2: 

Grenzkontrollen
Auch aus der und in die Kommune Sonderburg pendeln zahlreiche Menschen über die Grenze (Symbolfoto).

Kommunalpolitikerinnen und -politiker haben keinen direkten Einfluss auf die Grenzkontrollen, aber die Stimme des Grenzlandes wird in diesem Bereich gehört. Das offene Grenzland gehört längst der Vergangenheit an, gleichzeitig wird jedoch die Wirksamkeit der Kontrollen infrage gestellt.

In welche Richtung und auf welche Weise möchtest du die Grenzkontrollen beeinflussen?

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidatin Louise Thomsen Terp: „Die SP (…) wird auch weiterhin die Haltung vertreten, dass offene Grenzen eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung und das Zusammenleben in unserem Grenzland sind. Gleichzeitig wissen wir um die Herausforderungen, die offene Grenzen mit sich führen können, und erkennen die Notwendigkeit von Stichprobenkontrollen an – wobei für uns wichtig ist, dass daraus keine permanenten Kontrollen werden, dass statt stationären, physischen Kontrollen moderne, zeitgemäße Technologien eingesetzt werden und die Grenze für uns Grenzlandbewohner kein Hindernis darstellt.“

SF-Spitzenkandidat Bjarne Lund Henneberg: „Ich habe an mehreren Demonstrationen gegen Grenzkontrollen an der Grenze teilgenommen, und ich sprach mit einer Krankenpflegerin, die in Flensburg wohnt und in Apenrade arbeitet, und sie muss damit rechnen, mindestens eine halbe Stunde extra für die Fahrt einzuplanen, weil sie mit Stau rechnen muss. Bei allen Gelegenheiten, in denen wir das Thema diskutieren, ist meine klare Haltung, dass die Kontrolle an der Grenze wegfallen soll und stattdessen nach Kriterien, die die Behörden festlegen, Kontrollen im Bereich hinter der Grenze (…) durchgeführt werden (…).“

Velfærdsdemokrater-Kandidatin Barbara Krarup Hansen: „Am liebsten hätte ich keine Grenzkontrollen – ich kann aber mit den derzeitigen leben.“

Frage 3:

Windkraftpark
Windkraftparks scheiden in der Kommune Tondern die Geister (Symbolfoto).

Windkraftparks sorgen immer wieder für Debatten.

Was hältst du von Bürgerwindparks nach deutschem Vorbild in der Kommune Tondern (im Rahmen der Grøn-Trepart-Ziele)?

Schleswigsche Partei-Spitzenkandidatin Louise Thomsen Terp: „Für die Schleswigsche Partei generell und in der Kommune Tondern allgemein war Bürgerbeteiligung immer wichtig und dass dem der har skaden også har fortjenesten. Mit dem Tondern-Modell, das wir gemacht haben, das ein Schritt auf dem Weg zur nachhaltigen Energie ist, kommt ein lokaler Gewinn jenen zugute, die in der Gegend wohnen, mit der Möglichkeit, lokal zu profitieren und zu investieren.“

SF-Spitzenkandidat Bjarne Lund Henneberg: „Die meisten von uns Politikerinnen und Politikern in der Kommune haben ja ein Modell gewählt, bei dem die Projektbetreibenden an den Verein ‚Bæredygtig fremtid‘ zahlen sollen, und dieser kann dann die Entwicklung der Kommune zum Nutzen aller Bürger fördern. Wenn man das Gebiet direkt südlich von Tondern auf der deutschen Seite betrachtet, sieht man viele unterschiedliche Windräder, die aufgestellt wurden, und sie sehen optisch unschön aus – direkt nördlich der Grenze wurden sechs Windräder in einer langen, geraden Reihe aufgestellt, das wirkt besser und ist tatsächlich eine Vorgabe in der Kommune Tondern.“

Velfærdsdemokrater-Kandidatin Barbara Krarup Hansen: „Windräder gehören raus aufs Meer.“

Informationen zu diesem Artikel: Die „Nordschleswiger“-Redaktion hat im Laufe mehrerer Wochen je dreimal die Spitzenkandidatinnen oder -kandidaten aller an der Kommunalwahl in der Kommune teilnehmenden Parteien und/oder ihre Lokalvorsitzenden mit Bitte um Beantwortung der drei Fragen angeschrieben. Der Rücklauf war wie folgt: Apenrade 7 von 14, Hadersleben 8 von 13, Sonderburg 7 von 14 und Tondern 3 von 11. Insgesamt nahmen diese Parteien teil.

Kommunalwahl 2025

📅 Wahltermin: Dienstag, 18. November 2025, 8:00 bis 20:00 Uhr
📬 Briefwahl: möglich vom 7. Oktober bis 14. November 2025 in Bürgerservicezentren, zu Hause (bei Gehunfähigkeit), in Pflegeheimen und Krankenhäusern
🎫 Wahlkarten werden spätestens 5 Tage vor der Wahl verschickt. Bei Nichterhalt reicht ein gültiger Ausweis zur Stimmabgabe.
🗳️ Was wird gewählt? Stadträte in 98 Kommunen (darunter die vier in Nordschleswig), insgesamt2.432 Stadtratssitze für die Amtszeit 1. Januar 2026 bis 31. Dezember 2029.