Deutsche Minderheit

Wenn aus Einhörnern und Avocados eine Geschichte wird

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Enno Kalisch stammt gebürtig aus dem deutsch-dänischen Grenzland.

Ein Karton voller Zettel, beschrieben mit zufälligen Wörtern, war alles, was Enno Kalisch benötigte, um mit Schülerinnen und Schülern der Deutschen Privatschule Apenrade eine Geschichte zu erfinden. Entstanden ist ein Abenteuer mit Fantasie, Witz und Mut.

„Ich erfinde gerne mit dem Publikum Geschichten“, erzählt Enno Kalisch den Schülerinnen und Schülern der 7. bis 9. Klasse der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA). Gemeinsam wollen sie eine neue Geschichte erfinden, deren Handlung nicht mal der Schauspieler und Autor vorher kennt.

Kalisch bezeichnet sich selbst als „Geschichtenmensch“ und möchte die Mädchen und Jungen in seine Welt der Geschichten mitnehmen. 

Bereits als Kind hatte sich der gebürtige Nordfriese Geschichten ausgedacht, um entweder aus brenzligen Situationen zu entfliehen oder sich manchmal auch in diese hineinzumanövrieren. Seine Spontanität, sich aus dem Stegreif Geschichten einfallen zu lassen, möchte er jetzt mit Kindern oder auch Erwachsenen aus dem Grenzland teilen.

Ein Karton voller Wörter

„Es wird eine lange Geschichte mit vielen Worten“, warnt Kalisch sein Publikum, als er in den Karton in seiner Hand blickt. In diesem Karton liegen zahlreiche Zettel, auf denen Wörter stehen, die vorher die Kinder aufgeschrieben hatten. 

Als Erstes entscheidet das Publikum, dass die Erzählung ein Abenteuer werden soll.

Das Abenteuer von „Katze“, „Emma“ und „Marie“

Jede Schülerin und jeder Schüler hat einen Teil zur Geschichte beigetragen.

Wahllos wird ein Zettel aus der Sammlung gezogen. Die Abenteuerreise beginnt mit dem Wort „Einhorn“. Es geht jedoch nicht um das Fabeltier, sondern um einen Jungen, der später den Spitznamen „Katze“ tragen wird, der sich beim Fußball am Kopf verletzt und dann eben aussieht wie ein Einhorn. 

Durch die zusammenhangslosen Wort-Einschübe entwickelt sich die Geschichte immer weiter – sehr zur Unterhaltung aller Anwesenden.

Am Ende lässt sich die komplette Geschichte mit allen Nebensträngen kaum wiedergeben, aber dennoch einigermaßen gut zusammenfassen: „Katze“ muss mithilfe eines Freundes, der irgendwann den Namen „Emma“ trägt, dazu ermutigt werden das Mädchen „Marie“ zu fragen, ob sie gemeinsam tanzen wollen. Mit vielen Hürden und Umwegen gelingt dies am Ende auch.

„Katze“ zeigt also den Schülerinnen und Schülern, wie wichtig es ist, manchmal über seinen eigenen Schatten zu springen und sich einfach mal etwas zu trauen.

Die Schülerinnen Helene und Viola trugen auch ihren Teil zur Geschichte von „Katze“ und „Marie“ bei. Helenes „Schießerei auf der Straße“ symbolisierte das Hin und Her der Gedanken des Protagonisten, ob es möglich wäre, Marie nach dem Tanz zu fragen. Violas „Avocado“ trug maßgeblich zu „Katzes“ Erfolg bei Marie bei. 

Schnell haben Viola (links) und Helene ihre Wörter aufgeschrieben. Als dann ihre Zettel gezogen werden, freuten sie sich, ein Teil der Erzählung zu sein.

Er wusste erst gar nicht, was er in der Hand hält, konnte aber mit einer Avocado Marie begeistern und sie an sie verschenken. Der Grundstein für die große Frage wurde gelegt.

Von Mut erzählen, aber nicht mutig sein, klappt nicht

Am Ende fällt ein Zettel auf, der übersehen wurde. Aus dem Wort „Drache“ dichtet Enno Kalisch spontan ein Gedicht. „Ich kann ja nicht eine Geschichte über Mut und Stärke erzählen und mich dann nicht selbst etwas Neues trauen“, sagt er mit einem leichten Lachen.

Die leitende Bibliothekarin der Deutschen Zentralbücherei Apenrade und Mitorganisatorin Silke Amthor blickt auch positiv auf den Besuch: „Die Kinder konnten hautnah miterleben, wie eine Geschichte entsteht. Dadurch wird auch der Intellekt angeregt."