Deutsche Minderheit

Veteran an der DPA: Einsicht ins Soldatenleben

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Kim Andersen berichtet, wie er Soldat wurde.

Der Veteranenkoordinator Kim Andersen hat den 9. Klassen von seinem Soldatendasein erzählt und auch darüber gesprochen, welche Auswirkungen die Auslandseinsätze auf sein Leben haben. Der Besuch hat bei den jungen Leuten einiges in Gang gesetzt.

„Wir beschäftigen uns im Dänischunterricht gerade mit dem Thema Trauer und Angst. In Gesellschaftskunde geht es thematisch um Krieg und Zerstörung“, berichtet Kira Schade. Die Lehrerin der Deutschen Privatschule Apenrade (DPA) hat deshalb den Veteranenkoordinator der Kommune Sonderburg (Sønderborg) eingeladen, um den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen von seinen Erfahrungen als Soldat zu berichten.

Andersen ist nicht nur Soldat, sondern inzwischen auch dafür zuständig, anderen Soldaten zu helfen, die am Posttraumatischen Stress Syndrom (PTSD – post-traumatic stress disorder) leiden. Diese Erkrankung wird durch traumatische Erlebnisse ausgelöst und können bei den Betroffenen auch Jahre nach dem Geschehen zu psychischen Leiden führen.

Zusammenbruch nach 20 Jahren

Kim Andersen erzählte den jungen Menschen eindrücklich, wie er – mehr als 20 Jahre nach seinem Einsatz – während der Corona-Pandemie seinen Zusammenbruch hatte. Bis dahin sei er durch viel Arbeit und Beschäftigung – er hatte unter anderem acht Jobs gleichzeitig – von Erinnerungen verschont worden, wie er sagt. 

Auf einmal hatte er Zeit zum Nachdenken, etwas, das er bis dahin durch das viele Arbeiten umgangen hat. „Es war, als wenn diese Episode in meinem Leben nicht stattgefunden hat." 

Und dann seien die Erinnerungen gekommen und die Flashbacks. Das sind Momente, in denen er sich an Kriegssituationen erinnert, jedoch so real, als würden sie erneut passieren – und er mittendrin ist. „Es fühlt sich an, als wenn man sich vollkommen abschließt, von allem“, erzählt er.

Für ihn war diese Situation ein Nato-Einsatz während des Bürgerkriegs im Kosovo, wo er sich mit 25 Kameraden zu zehn Kameraden durchkämpfen musste, die inmitten einer Menschenmenge gefangen waren. Eine bedrohliche Situation, in der die eingekesselten Soldaten von Demonstranten angegriffen wurden. „Der Rückzug war schwierig, denn das Gebiet war von knapp 5.000 serbischen Demonstranten besetzt; immer wieder kam es dabei zu Auseinandersetzungen, Schlägen, Tritten und Drohungen“, erzählt Andersen ganz ruhig. 

Hilfe für Veteranen

Er hat jedoch Werkzeuge an die Hand bekommen, um mit solchen Situationen umgehen zu können. „Ich weiß, was ich machen muss, um nicht in den Flashback zu rutschen.“ Viele Therapiestunden habe er dafür benötigt, um das zu lernen. Er hat das geschafft, durch therapeutische Hilfe, die Veteranen bekommen, um wieder ins Leben zurückzufinden. Das gelingt jedoch nicht allen. „Einige meiner Kameraden leben heute nicht mehr“, sagt er. Sie seien mit den Erinnerungen überfordert gewesen. 

Soldat werden? – Immer wieder

Aufmerksam folgen die Schülerinnen und Schüler den Erzählungen des Veteranenkoordinators.

Ob er die Entscheidung, Soldat zu werden, bereut?, fragt ein Schüler. „Nein, ich wollte immer Soldat werden und habe dafür unterschrieben, auch solche Aufgaben zu übernehmen“, antwortet Andersen. „Ich habe akzeptiert, was passiert ist“, fügt er hinzu.

Er würde wieder die Entscheidung fällen, Soldat zu werden. Man müsse sich aber bewusst sein, dass es „einen verändert. Man nimmt das Soldatsein in sich auf“, so Kim Andersen. Der private Umgangskreis verändert sich, denn „man spricht über andere Dinge, und nur Soldaten verstehen, was man meint“, berichtet er. Und der Krieg verändere nochmals. „Wenn man wiederkommt, ist es schwer, wieder in den Alltag zu kommen, denn zu Hause ging das Leben weiter.“

Die Berichte des Soldaten von Massengräbern, von Kameraden, denen Gliedmaße fehlen und dem Krieg allgemein haben bei den jungen Menschen Eindruck hinterlassen. 

Tristan Dombrink (l.) und Marc Gormsen zeigen sich beeindruckt vom Vortrag.

In der Entscheidung bestärkt worden

Für Neuntklässler Tristan Dombrink wurde noch deutlicher: „Ich möchte keinen Wehrdienst machen. Ich kann mir nicht vorstellen, danach noch fünf Jahre lang eingezogen werden zu können“, sagt er. Die Berichte Kim Andersens hätten ihn „geschockt“. „Krieg ist in meinen Augen schlimm, und aus der persönlichen Perspektive, die wir hier bekommen haben, wirkt er noch schlimmer.“

„Mich hat der Vortrag bestärkt, kein Soldat zu werden. Der Einfluss auf das Leben ist als Berufssoldat zu groß“, hat Marc Gormsen für sich entschieden. 

Wegen Weltsituation: Militär ist wichtig

Beide sind sich jedoch einig: Soldaten und das Militär sind „in der aktuellen Weltsituation notwendig“. Kim Andersen war unter anderem als Nato-Soldat im Einsatz. „Für das eigene Land in den Krieg zu gehen, wenn es angegriffen wird, das könnte ich mir unter gewissen Umständen noch vorstellen, aber in anderen Ländern für Frieden zu sorgen, das könnte ich nicht“, so Tristan. 

Und er habe mitgenommen, dass „man Soldaten nicht nur als Zahl sehen darf – als einige von vielen. Es sind letztlich Menschen, um die es geht.“