Deutsche Minderheit

Tischtennis in Nordschleswig: Ein Boom mit Herausforderungen

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Christian Flader hat sein Diplom in Tischtennis an der Sporthochschule in Köln gemacht. Als Trainer unterrichtet er für den DJN Kinder in seiner Lieblingssportart (Archivbild).

In kürzester Zeit hat sich Tischtennis in der deutschen Minderheit in Nordschleswig etabliert – sieben junge Spieler haben sich für das Turnier „Jysk Top 12“ qualifiziert. Doch DJN-Trainer Christian Flader warnt: Der Aufschwung könnte schon bald ins Stocken geraten, wenn es an klaren Strukturen und mehr Unterstützung mangelt.

Noch vor acht Monaten gab es Tischtennis in der deutschen Minderheit in Nordschleswig nicht als strukturiertes Angebot. Nun treten gleich sieben Spieler aus der Minderheit beim „Jysk Top 12“-Turnier am 12. und 13. April in Viborg an, das die besten jungen Nachwuchsspieler der Region versammelt. Die Qualifikation erfolgte über dänische Ratingpunkte, die durch vorherige Turnierteilnahmen gesammelt wurden.

„Unsere Spieler haben in den vergangenen Monaten sechs bis acht Turniere bestritten, immer mit dem Team Nordschleswig“, erklärt Tischtennistrainer und Sportlehrer Christian Flader vom Deutschen Jugendverband für Nordschleswig (DJN). „Dort sind wir sehr positiv aufgefallen.“

Dass sich so viele Spieler qualifiziert haben, liegt laut Flader an Talent und Begeisterung. „Wir sind sehr stark vertreten, wenn man bedenkt, dass wir erst vor acht Monaten begonnen haben.“

Für „Jysk Top 12“ haben sich vom Team Nordschleswig folgende Spieler qualifiziert:

Ein besonderes Talent: Tim Skliarevski

Einer der vielversprechenden Nachwuchsspieler ist der zehnjährige Tim Skliarevski von der Deutschen Schule Sonderburg (Sønderborg). Ein Turnier in Esbjerg (DGI Begynderstævne) gewann er zuletzt ohne eine einzige Niederlage.

„Tim spielt erst seit einem Jahr, erreicht aber bereits Punktzahlen, für die andere drei Jahre brauchen“, berichtet Flader.

Tim Skliarevski spielt erst seit Kurzem regelmäßig Tischtennis – und das bereits mit großem Erfolg.

Erfolg trotz „fehlender Strukturen“

Trotz der sportlichen Erfolge fehle es aus Sicht des DJN-Trainers jedoch an richtigen Trainingsstrukturen. „Da denke ich nicht nur an Tim, wir haben einige Talente, die hiervon profitieren würden. Eigentlich bräuchten wir ein geregeltes Training mit klaren Leistungsklassen, aber das konnten wir bisher nicht aufbauen.“

Rund 70 Kinder der deutschen Minderheit trainieren derzeit Tischtennis – betreut werden sie von nur einem Trainer. Flader pendelt zwischen Hadersleben (Haderslev), Apenrade, Sonderburg und dem DRG Landsport in Gravenstein (Gråsten), wo die Kinder der Förde-Schule aktiv sind.

„Ich mache alles allein und tingele von Standort zu Standort. Dabei bräuchten wir ein ausgebautes Trainingssystem mit noch weiteren Helfern und Gruppen für Einsteiger, Freizeitsportler und leistungsorientierte Spieler“, wünscht sich Flader.

Unter diesen Bedingungen ist das kein echtes Training, sondern eher eine nette Beschäftigungsmaßnahme für die Kinder.

Christian Flader

Auch die Ausstattung bleibe ihm zufolge weiterhin eine Herausforderung. In Hadersleben seien zuletzt zwei neue Tischtennisplatten angeschafft worden, aber in Gravenstein würden bis zu 19 Kinder an nur 4 Platten trainieren. „Gerade heute kamen wieder zwei neue Anfragen, doch unter diesen Bedingungen ist das teilweise schon jetzt kein echtes Training mehr, sondern eher eine nette Beschäftigungsmaßnahme für die Kinder“, so Flader.

Flader hofft auf noch mehr Unterstützung

Der Tischtennis-Fanatiker sieht bezüglich der Sportart ein großes Potenzial in der Minderheit, merkt aber an, dass noch nicht alle Verantwortlichen die Bedeutung fester Strukturen erkannt hätten. „Viele haben selbst mal Tischtennis gespielt und finden es toll. Aber was es bedeutet, langfristig ein Training aufzubauen, ist noch nicht allen klar.“

Er hofft auf mehr Unterstützung, um den Sport nachhaltig zu etablieren: „Tischtennis bietet für jeden ein passendes Niveau und die Möglichkeit, sich individuell weiterzuentwickeln.“

Christian Flader trainiert derzeit wöchentlich etwa 70 Kinder aus der deutschen Minderheit (Archivbild).

Wie geht es weiter?

Die Tischtennissparte in Nordschleswig steckt noch in den Kinderschuhen. Die Erfolge seien laut Flader vielversprechend, doch ohne mehr Trainerinnen und Trainer oder ehrenamtlich Helfende, eine bessere Ausstattung und eine gezieltere Nachwuchsförderung könne die Euphorie auch schnell wieder abflauen.

Der DJN-Sportlehrer ist jedoch optimistisch: „Tischtennis ist jetzt ein Thema in der Minderheit. Die Begeisterung ist da, und wenn sie anhält, werden auch die Entscheidungsträger ein offenes Ohr haben.“

Tischtennis im Wettbewerb mit anderen Sportarten

Tischtennis hat in der deutschen Minderheit an Bedeutung gewonnen, wird jedoch auch in Zukunft im Wettbewerb mit anderen Sportarten wie Fußball, Faustball und Rhönrad stehen. Zudem gibt es auch kritische Stimmen aus der Handballgemeinschaft, die ein Ungleichgewicht in der Förderung anmerken.

Während Tischtennis bereits neben den genannten Sportarten verstärkte Unterstützung durch den Deutschen Jugendverband erhält, wünschen sich manche Handballinteressierte mehr Förderung, um den Handball-Sport innerhalb der Minderheit wiederzubeleben. Thore Naujeck, Leiter des DJN, betonte im vergangenen Jahr diesbezüglich, dass eine Handball-Auswahlmannschaft und entsprechende Förderung von der Nachfrage in Schulen und Vereinen abhingen.

„Als Verband unterstützen wir unsere eigenen Vereine, die in Verbindung mit den Schulen Anträge stellen können. Die Vereine haben zum Beispiel immer die Möglichkeit, für Sportlehrerstunden Anträge zu stellen, aber die Entscheidung, ob sie sich zum Beispiel für eine Förderung im Handball, Kinderturnen oder Faustball bewerben, treffen sie ganz alleine”, so Naujeck.

Ob sich Tischtennis in den kommenden Monaten und Jahren dauerhaft behaupten kann, wird sich zeigen. Entscheidend wird sein, ob Förderung und Strukturaufbau mit dem Enthusiasmus von Christian Flader Schritt halten – und ob der Wille dazu bei den Verantwortlichen vorhanden ist.