Landwirtschaft

Tierschau trifft „Trepart“: Landwirtschaft zwischen Streichelzoo und Strukturwandel

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Die Apenrader Tierschau anno 2025: auch Zeit zum Klönen, Informieren und Flanieren.

Die Apenrader Tierschau ist ein Treffpunkt für Familien – seit vielen Jahren. Doch auch die Landwirtinnen und Landwirte nutzen die Messe für Fachgespräche. Dazu gehört auch die grüne Dreierabsprache. Bisher gibt es jedoch kaum offene Kritik an den Plänen.

Vorsichtig streicheln die Kinder die Kuh, die sich das ruhig und sichtlich zufrieden gefallen lässt. Im Hintergrund ist das Muhen anderer Rinder zu hören.

Tradition und aktuelle Themen

Die Apenrader Tierschau (Det Sønderjyske Fællesdyrskue) hat die Schulen wieder dazu eingeladen, der Messe auf dem Tierschauplatz einen Besuch abzustatten. Die Kleinen sind interessiert unterwegs und nutzen die Gelegenheit, Bauernhoftiere einmal von Nahem zu sehen – und auch anzufassen.

Traditionell werden dort Pferde, Schafe und Rinder gezeigt und prämiert. Doch es gibt viel mehr zu sehen: Geflügel, Kaninchen, Schweine und viel moderne Technik für die Landwirtschaft, die dem Fachpublikum gezeigt wird.

Landleben zum Anfassen war und ist ein Aushängeschild der Tierschau.

Mittendrin ist Landwirt Uwe Matzen aus Loitwitt (Løjtved) bei Lügumkloster (Løgumkloster). Eben komme er von der Prämierung der Kühe, sagt er im Zelt des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Nordschleswig (LHN).

Der Tierschau-Vorsitzende Dirk Bucka Andresen hatte angekündigt, dass die grüne Dreierabsprache (grøn trepart) wohl ein großes Thema auf der wichtigsten Landwirtschaftsmesse im Landesteil werde.

Grøn Trepart: Was kommt auf uns zu?

In den ersten Stunden der Messe sei das aber noch nicht der Fall, berichtet Matzen. „Es ist ja auch nicht so, dass wir Landwirte uns dagegen sperren“, sagt er. Was er jedoch in bisherigen Gesprächen mit anderen Landwirtinnen und Landwirten festgestellt habe, sei eine große Unsicherheit. „Man weiß noch nicht so richtig, was auf uns zukommt“, sagt er.

Klar ist bis jetzt, dass infrage kommende Ländereien der Bäuerinnen und Bauern renaturiert werden sollen, um den Stickstoffausstoß zu reduzieren, um den CO₂-Anteil in der Atmosphäre zu mindern und um neue Flächen für die Natur zu schaffen. So sollen unter anderem Moore wieder vernässt werden. Diese speichern einen großen Teil CO₂.

Tierschau-Leben: Zuchttiere und Fachgespräche am Rande

Die Landwirtinnen und Landwirte sollen ihr Land nicht ohne Ausgleich hergeben. Entweder sie werden entschädigt, oder es werden Ausgleichsflächen angeboten.

Ländereien neu verteilen – aber wie?

Derzeit ist der erste Schritt der Absprache in Gang: die Neuverteilung der Ländereien. „Wir sollen zwar Erstattungen bekommen – aber wie, ist noch nicht ganz klar“, berichtet Uwe Matzen. Der Viehlandwirt ergänzt: „Wir müssen mit den vorhandenen Ländereien ja noch wirtschaften können.“ Das werde schwieriger, wenn ein Teil der Ländereien für die Produktion von Nahrungsmitteln wegfalle. „Die Landwirtschaft benötigt ja Land, um dieses zu bearbeiten“, sagt er.

Frage nach Machbarkeit

Zugestimmt haben im Folketing:

Die drei Bereiche Regierung, Landwirtschaft und Naturschutz haben sich 2024 auf eine Reihe von Maßnahmen geeinigt, um die Klimaziele zu erreichen und mehr natürliche Flächen und Artenvielfalt zu schaffen. Dänemark ist laut EU-Statistik das naturärmste Land in der EU.

Quelle: regeringen.dk

LHN-Vorstandsmitglied Uwe Matzen im Infozelt

Von anderer Seite höre Matzen die Sorge, dass „gute Erde überschwemmt wird, wenn Feuchtgebiete angelegt werden“. Man kenne jedoch nicht die Ausbreitung des Wassers.

Hintergrund dafür ist die auf Dänisch sogenannte Lavbundsjord, also Teile eines Ackers, die regelmäßig unter Wasser stehen. Besonders im Winter ist das auch für Laien gut erkennbar. Solche Bereiche sollen – geht es nach der Dreierabsprache – renaturiert werden. Mini-Feuchtgebiete sollen dort Fauna und Flora Platz bieten. Allerdings könnte deren Ausbreitung schlecht vorherzusagen sein, so die Sorge der Landwirtschaft.

Wie soll das Land-Puzzle aufgehen?

Das Puzzle muss irgendwie aufgehen. Wie, das steht als Frage für den Wirtschaftszweig allerdings im Raum, denn selbst bei den Behörden wisse man noch keine konkrete Antwort. Derzeit gibt es landesweit Treffen dazu. Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, sich zu informieren.

Deshalb gebe es derzeit kaum konkrete Herausforderungen für die Landwirtinnen und Landwirte, weil keiner richtig wisse, was auf uns zukommt, fasst Bauer Matzen zusammen.

Bis Ende 2025 soll die Umverteilung der Ländereien abgeschlossen sein. Ein strammer Fahrplan, wie Uwe Matzen findet. Da werden sich noch so einige Hindernisse zeigen, ist er sicher.

Landverkauf als lukrative Alternative

Einige der Landbesitzenden haben inzwischen schon angekündigt, ihr Land verkaufen zu wollen, denn „die Preise sind gestiegen, und der Verkauf lohnt sich“, sagt LHN-Berater Kristian Petersen.

Das von der staatlichen Behörde angekaufte Land kann dann anderen landwirtschaftlichen Betrieben als Ersatzfläche angeboten werden. „Doch ob das Puzzle aufgeht, ist fraglich“, meint Uwe Matzen.

Dazu gab es kürzlich von Dorthe Andresen aus Nolde Kritik. Die angehende Landwirtin und Kandidatin der Schleswigschen Partei (SP) in Apenrade sagte im Rahmen einer SP-Info-Veranstaltung zum Thema grüne Dreierabsprache in Tingleff (Tinglev), dass „es jungen Landwirten schwer gemacht wird, eigenes Land zu kaufen, wenn die Preise dafür durch die künstlich hohe Nachfrage so anziehen“, wie sie sagte. „Wie können wir uns dann eine Existenz aufbauen?“, fragte sie.

Das Thema werde in den kommenden Monaten wohl mehr und mehr füllen, sind sich die beiden Fachleute sicher.

Tierschau – Det Sønderjyske Fællesdyrskue

Die erste Tierschau in Dänemark fand am 3. Oktober 1810 in Randers statt. Dabei stellten Landwirtinnen und Landwirte ihre Tiere aus, und die besten wurden prämiert. Die Tradition wurde von vielen anderen landwirtschaftlichen Vereinen und Vereinigungen übernommen. Die Veranstaltung war ein Treffen vor allem für Landwirte.

Ab 1840 wurden landwirtschaftliche Verbindungen gegründet, die über ganze Regionen reichten. Treffen fanden alle fünf Jahre statt. Die Inhalte waren nicht nur fachlicher, sondern auch politischer Natur.

Später wurden die Treffen wieder lokaler, und lokale Vereine, darunter der Landwirtschaftliche Hauptverein für Nordschleswig (LHN), wurden gegründet. Sie hielten eigene Schauen ab.

1937 wurde die erste Tierschau in Apenrade abgehalten. In der Besatzungszeit und in zwei Jahren danach fand keine Tierschau statt. In den 1950er-Jahren war das Interesse an solchen Veranstaltungen gering. Zudem waren die Kosten zu hoch. Deshalb fanden erst Ende des genannten Jahrzehnts wieder Veranstaltungen statt.

Tierschau heute

Heute ist die Tierschau eine Veranstaltung, bei der Tiere ausgestellt und prämiert werden. Landwirtschaftliche Unternehmen zeigen sich und ihre Angebote im fachlichen Rahmen, aber auch der Öffentlichkeit, die ebenfalls gerne gesehen wird.

Seit 1963 hat die Tierschau in Apenrade jedes Jahr stattgefunden. Ausnahmen waren die Jahre 1982, 1995 und 2001, in denen das Veterinäramt die Schau verbot, weil Seuchengefahr bestand. In den Jahren 2020 und 2021 musste die Tierschau wegen der Corona-Pandemie ausfallen.

Veranstalter der „Fælles Dyrskue“ sind: