Deutsche Minderheit

Spannende Geschichten und Soleier zum Jahresauftakt

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Britta Bendixen begann erst im Alter von 45 Jahren selbst mit dem Schreiben von Büchern.

Rund 20 Gäste erlebten im Brorsonhaus in Tondern eine abwechslungsreiche Lesung mit der Flensburger Autorin Britta Bendixen. Neben spannenden Kurzgeschichten sorgten Kaffee, Kuchen und eine besondere Eier-Spezialität für einen gelungenen Auftakt ins neue Jahr.

Mit einer gemeinsamen Autorenlesung sind die Deutsche Bücherei Tondern, der Sozialdienst Tondern und der deutsche Teil der Tonderner Kirchengemeinde am Mittwochnachmittag, 7. Januar, ins neue Veranstaltungsjahr gestartet. Rund 20 Gäste waren der Einladung ins Brorsonhaus, dem Gemeindehaus der Christkirche, gefolgt. Mehr Teilnehmende hatten sich angekündigt, mussten jedoch witterungsbedingt kurzfristig absagen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Flensburger Autorin Britta Bendixen, die dem Publikum fünf Kurzgeschichten präsentierte. „Es war eine richtig gute und spannende Lesung“, fasst Büchereileiterin Marie Medow den Nachmittag zusammen. Inhaltlich spannte Bendixen dabei einen weiten Bogen: Den Auftakt bildeten zwei Fluchtgeschichten aus der DDR, gefolgt von einer Liebesgeschichte. Zum Abschluss las sie eine Erzählung über eine missglückte Ballonfahrt sowie eine historische Kriminalgeschichte.

Soleier à la Michaela

In einer Pause ließen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die selbst gemachten Soleier schmecken.

Zwischen den Lesungen blieb Zeit für Gespräche und Stärkung. In der ersten Pause wurden Kekse, Kuchen und Kaffee gereicht, in der zweiten Pause wartete eine nordschleswigsche Spezialität: eingelegte Soleier, vorbereitet von Michaela Nissen.

Britta Bendixen wurde 1968 in Flensburg geboren und entwickelte schon früh eine große Liebe zu Büchern. Mit 45 Jahren begann die Mutter zweier Töchter, die heute mit ihrer Familie in Handewitt (Hanved) lebt, selbst zu schreiben. Inzwischen hat sie sechs Kriminalromane veröffentlicht, die allesamt in Flensburg (Flensborg) spielen. Darüber hinaus erschienen drei Bände mit gesammelten Flensburger Anekdoten. Im Jahr 2020 gründete sie die „Autorenwiese“, ein Forum für Menschen, die gern schreiben.

Die Soleier sorgten nicht nur kulinarisch, sondern auch erzählerisch für Gesprächsstoff. Michaela Nissen kennt sie noch aus ihrer eigenen Kindheit: In ihrer Familie gehörten sie traditionell zu Ostern dazu. Ihre Salzlake würzt sie mit Kräutern und Gewürzen – je nachdem, was der Garten hergibt oder was gerade im Haus ist. Ein festes Rezept gibt es nicht. „Normalerweise wird die Schale leicht angeschlagen, damit die Lake einziehen kann. Ich lasse sie aber lieber ganz, dann behält das Ei seine Farbe“, erklärt sie.

Sol kommt nicht von Sonne

Eines der Eier, die sich Michaela Nissen selbst aus den großen Glasgefäßen auf den Teller schaufelte, enthielt zwei Eidotter. „Darf ich mir jetzt etwas wünschen?“, fragt sie nun die Leserschaft des „Nordschleswigers“.

Sie war überrascht, dass einige der Teilnehmenden meinten, die deutsche Übersetzung von Solæg würde „Sonnenei“ lautet. Dabei kommt der Name von der Salzlake (Sole), in der die hartgekochten Eier eingelegt werden.

„Ich habe aus den Traditionen meiner Familie und denen der nordschleswigschen Familie meines verstorbenen Mannes mein eigenes Rezept entwickelt“, sagt sie. Gegessen werden Soleier bei ihr nicht nur zu Ostern, sondern auch zwischendurch. In der Familie gab es allerdings stets einen kleinen Streit darüber, wie das Ei richtig zu halbieren sei. Während Michaela es längs aufschneidet, um das Eigelb herauszunehmen und die Eiweißmulde zu füllen, bestand ihr Mann Walter darauf, die Eier quer zu halbieren – mit der Folge, dass sie gern umkippten. „Aber er war da stur“, erzählt sie lachend. Walter Nissen verstarb im Jahr 2020.

Die verwendeten Eier stammten übrigens von den Hühnern des Enkelsohns von Irene Feddersen, der Vorsitzenden des Tonderner Sozialdienstes. Insgesamt hatte Michaela Nissen 50 Soleier vorbereitet. Da wegen des Winterwetters viele übrig blieben, kam Irene Feddersen auf eine spontane Idee: Die Eier wurden dem Haus Quickborn gespendet. In der Kurs- und Begegnungsstätte des Sozialdienstes Nordschleswig in Kollund steht demnächst ein Männerwochenende an – und einige Teilnehmende hatten Soleier ausdrücklich auf ihre Wunschliste gesetzt.

Demenzvortrag am 21. Januar

Britta Bendixen (r., daneben Büchereileiterin Marie Medow) hatte einen kleinen Verkaufstisch mit ihren bereits herausgegebenen Krimis und Kurzgeschichten zusammengestellt.

Zum Abschluss wies die deutsche Pastorin der Gemeinde noch auf die nächste gemeinsame Veranstaltung von Sozialdienst und Kirchengemeinde hin: Am 21. Januar findet im Brorsonhaus ein Vortrag zum Thema Demenz statt. Beginn ist um 15 Uhr. Als Referentin wird Brigitte Østergaard Hansen erwartet. Ob die Tatsache, dass Dorothea Lindow am Mittwochnachmittag der Name der Demenz-Koordinatorin der Kommune Tondern partout nicht hatte einfallen wollen, vielleicht schon ein Zeichen von beginnendem Gedächtnisschwund ist, kann die Fachfrau womöglich bei dieser Gelegenheit klären.