Deutsche Minderheit

Sozialdienst: So läuft es in Apenrade

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Ursula Petersen, Leiterin des Sozialdiensts Nordschleswig links) und Irene Feddersen.

Die Kommune Tondern hat ihre Kooperation mit dem Sozialdienst gerade um zwei Jahre verlängert. In Apenrade läuft es anders. Wie und was die Mitglieder von einer engen Zusammenarbeit zwischen Kommune und Sozialdienst haben: „Der Nordschleswiger“ hat nachgefragt.

Ein verzweifelter Anruf bei der Kommune: weil er oder sie nicht weiterweiß. Vielleicht, weil ein unangenehmes Schreiben von der Kommune eingegangen ist? Genau da kommt der Sozialdienst ins Spiel. „Wir werden informiert, wenn jemand sofort Hilfe braucht. Die Mitarbeiter dort können nicht alles stehen und liegen lassen und sich um diesen einen Fall kümmern. Wir aber schon“, erklärt Ursula Petersen, Leiterin des Sozialdienstes Nordschleswig. Sie hat eine feste Kontaktperson in der Kommune und dadurch einen schnellen, flexiblen Draht zu den Menschen, wenn es ein Problem gibt.

„Da haben wir eine Brückenfunktion, gehen ins Gespräch und schauen, wie wir unterstützen können.“

Umso mehr freut sich Ursula Petersen darüber, dass die Vereinbarung zwischen der Kommune Tondern und dem Sozialdienst im November um zwei weitere Jahre verlängert wurde. Darüber hatte „Der Nordschleswiger“ berichtet. „Das Papier gibt noch mal eine andere Sicherheit“, sagt Ursula Petersen. Und da ist noch ein anderer, vor allem für die Minderheit wichtiger Punkt: „Es ist eine Anerkennung für unsere Arbeit, für uns als Verein. Und es ist transparent.“

Es ist eine Anerkennung für uns als Verein. Und es ist transparent.

Ursula Petersen

Viermal im Jahr findet ein Treffen zwischen der Kommune und dem Sozialdienst statt, einmal im Jahr ein Dialog mit dem Sozialausschuss. Außerdem gibt es für die kommenden beiden Jahre jeweils 100.000 Kronen Zuschuss, 25.000 Kronen pro Jahr mehr als zuvor. Das sind die wesentlichen Punkte des zweiseitigen Vertrags.

Apenrade: Kein Vertrag, aber Handlungskatalog

Die Zusammenarbeit zwischen der Kommune Tondern und dem Sozialdienst ist im November um zwei Jahre verlängert worden.

Schriftlich geregelt ist die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Sozialdienst bislang lediglich in Tondern. In der Kommune Apenrade (Aabenraa) etwa läuft die Kooperation ohne schriftliche Absprache. „Ich habe da regelmäßig einen Schnack mit der Zuzügler-Koordinatorin. Da hat sich Vertrauen entwickelt“, erzählt Ursula Petersen. 

Die Zuzügler-Koordinatorin, das ist Julia Schatte. Ihr liegt der Austausch mit der Minderheit insgesamt am Herzen. „Wir haben im Zuzüglerservice einen Handlungskatalog. Darin sind unter anderem Treffen mit externen Partnern geregelt. Auch mit der Minderheit“, erklärt Julia Schatte. 

Ein solches Treffen findet heute in Apenrade statt: Neben dem Sozialdienst sind auch der Deutsche Sprach- und Schulverband Nordschleswig (DSSV), der Sozialpädagogische Dienst und zum ersten Mal auch die Heimpflege (Hjemmepleje) mit dabei. Dabei wird das besprochen, was gerade ansteht. „Etwa das Thema Heimunterricht oder Empfangsklassen (Modtagerklasser) für junge Zugezogene aus dem Ausland“, erklärt Julia Schatte. 

Für die Kommune sei es wertvoll, die Perspektive der deutschen Minderheit zu hören, so Julia Schatte. Deshalb sollen die Treffen mit den verschiedenen Akteuren ein- bis zweimal im Jahr stattfinden.

Julia Schatte ist in der Kommune Apenrade für die Zuzügler zuständig; trifft sich im Rahmen ihrer Arbeit mit verschiedenen Institutionen der Minderheit (Archivbild).

Den Punkt sieht auch Ursula Petersen: „Grundsätzlich glaube ich, dass man eine schriftliche Vereinbarung auch auf andere Kommunen übertragen kann.“ Doch jede Kommune habe unterschiedliche Bedürfnisse – und vielleicht auch gar nicht die Zeit oder die Ressourcen, sich viermal im Jahr zu treffen. „Die Frage ist auch, ob der Mehrwert gesehen wird, den wir bieten.“ Unter anderem, dass der Sozialdienst auch bei der Integration Zugezogener helfe.

Finanzieller Zuschuss für drei Jahre festgeschrieben

In Apenrade wird dieser Mehrwert offenbar gesehen. Der Sozial- und Seniorenausschuss der Kommune sieht für die kommenden drei Jahre einen Betriebsetat von 275.000 Kronen pro Jahr für den Sozialdienst vor. Darin ist der Zuschuss für das Haus Quickborn in Höhe von 34.000 Kronen enthalten. Das hatte die Schleswigsche Partei (SP) ausgehandelt. Die anderen Kommunen bekommen einen Zuschuss zwischen 100.0000 Kronen (Tondern, Hadersleben) und 150.000 Kronen (Sonderburg). 

„In Apenrade ist der Bürgeranteil der Minderheit höher“, begründet Stadtratsmitglied Erwin Andresen (SP). Daneben können die Ortsvereine weitere Zuschüsse für beispielsweise Ausflüge, Vorträge oder den Strickklub beantragen. Und eine schriftliche Kooperationsvereinbarung wie in Tondern? „So eine Absprache ist immer ein gutes Stück Papier. Von meiner Seite aus ist das Ziel, dass wir uns da besser koordinieren“, so der SP-Politiker.

Zurück zu Ursula Petersen: Mit Blick auf die Zusammenarbeit läuft es in Apenrade auch ohne schriftliche Vereinbarung gut, sagt sie. Für die Kommunen Sonderburg und Hadersleben (Haderslev) wünscht sie sich, wie in Apenrade und Tondern, regelmäßige Treffen. Sonderburg laufe aber gut, sagt Ursula Petersen. Wie es in Hadersleben weitergeht, dazu hat es gerade ein Treffen gegeben. Darüber hatte „Der Nordschleswiger“ berichtet. Einen Ortsverein hat der Sozialdienst dort momentan nicht, nur den „Schulverein Sommerstedt“.

Auch wenn die Kommunen unterschiedliche Bedürfnisse haben, funktioniert die Zusammenarbeit wie in Apenrade auch ohne schriftliche Vereinbarung gut – aber: „Auf Papier gibt es mehr Sicherheit“, findet Ursula Petersen.