Deutsche MInderheit

Sozialdienst in Hadersleben: Deutlich unterschiedliche Sichtweisen

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Der Sozialdienst für Nordschleswig zu Besuch in Hadersleben (von links): Ursula Petersen, Bernd Eichert, Angelika Feigel, Ute Eigenmann, Gertraudt Jepsen, Bernd Fuglsang und Carsten Leth Schmidt.

Frage-Gegenfrage: Wie viele wünschen sich einen Sozialdienst Hadersleben? Was bietet er an? Beim Besuch des Sozialdienstes in Hadersleben entwickelte sich eine Diskussion, die im Grunde die ganze Minderheit und ihr Verhältnis zu Zugezogenen aus Deutschland betrifft.

Derzeit reisen Gertraudt Jepsen und Ursula Petersen vom Sozialdienst Nordschleswig zusammen mit Ute Eigenmann durch den Landsteil, um über die Zukunft des Sozialdienstes zu sprechen. Aus der Frage, wie die Zukunft des Verbandes aussehen soll, entwickelte sich in Hadersleben eine andere: Wie viele wünschen sich, dass es einen Sozialdienst in Hadersleben gibt? Daraus entstand eine Gegenfrage: Was ist der Sozialdienst – beziehungsweise, was bietet er an?

Kein Ortsverein mehr in Hadersleben

Nicht nur Kaffeetrinken. Von diesem Image wolle man weg, so Gertraudt Jepsen. Hilfsangebote, auch für Familien, kulturelle Veranstaltungen, gemeinsame Tagestouren, das sei der Sozialdienst. Und während es in Tingleff (Tinglev) nach den Worten der Vorsitzenden Gertraudt Jepsen zunächst darum ging, die Ideen vorzustellen, die im Vorfeld zusammenkamen (wir berichteten), ging es in Hadersleben in kleiner Runde darum, ins Gespräch zu kommen. Nach dem Austritt des Frauenvereins aus dem Sozialdienst für Nordschleswig im vergangenen Jahr gibt es vor Ort keinen Verein mehr, der dem Sozialdienst angehört.

„Zentrum der deutschen Minderheit ist der Deutsche Ruderverein Hadersleben“, sagte die Vorsitzende des Rudervereins Angelika Feigel und so fand das Treffen auch im Klubhaus des DRH statt. Gekommen waren, neben Angelika Feigel, Carsten Leth Schmidt, Kommunalpolitiker der Schleswigschen Partei, sowie Bernd Eichert und Bernd Fuglsang, beide Zugezogene aus Deutschland. 

Außen vor statt mittendrin

Bernd Eichert ist ehemaliger Pastor und pflegt den Kontakt zu älteren Menschen aus Deutschland, die nach Dänemark gezogen sind. Einige haben es seiner Schilderung nach schwer, in Dänemark Fuß zu fassen, und benötigen Unterstützung. Sie fühlten sich fremd und oft auch einsam, vor allem, wenn der Partner verstorben war. In der deutschen Minderheit wolle man unter sich bleiben, so Bernd Eichert.

Als Brückenbauer habe er diese Menschen nicht wirklich erlebt. Als ehemaliger Seelsorger in Deutschland versteht er einen Sozialdienst vor allem als Einrichtung, die Hilfe anbietet. Für Gertraudt Jepsen und Ursula Petersen ist der Sozialdienst hingegen, auch im dänischen Verständnis, mehr: Hilfe, Kultur, Zusammenhalt und Wohlbefinden.

Verschiedene Sichtweisen

An diesem Punkt wurde auch eine weitere Auffassung deutlich, auf die Gertraudt Jepsen einging: In der deutschen Minderheit erwarte man, dass die dänische Sprache erlernt werde, um sich im Land zu integrieren.

Bernd Eichert meinte, den älteren Zuzüglerinnen und Zuzüglern sei nicht klar, was der Sozialdienst anbiete. „Das ist auf der Homepage zu sehen“, entgegnete Gertraudt Jepsen. Doch wie sich herausstellte, ist das nicht das bevorzugte Medium der Menschen, die Bernd Eichert kennt. Faltblätter für Stammtische wären seiner Ansicht nach vermutlich geeigneter, um Interesse am Sozialdienst zu wecken. Er regte zudem eine feste Ansprechperson vor Ort an.

Ute Eigenmann, die die Veranstaltung moderierte, sprach sich dafür aus, stärker auf die neue Bevölkerungsgruppe einzugehen, um sie für den Sozialdienst zu gewinnen.

Bernd Fuglsang schlug Vorträge vor, auch in dänischer Sprache, die vom Sozialdienst an mehreren Orten hintereinander angeboten werden könnten – eine Art Wandervortrag also.

Ideen für die Zukunft

Von einer Neugründung eines eigenen Ortsvereins riet Carsten Leth Schmidt ab, er warb dafür, den Frauenverein wieder ins Boot zu holen. Schließlich kam die Idee auf, alle Zuzüglerstammtische in Nordschleswig gemeinsam einzuladen, damit Expertinnen und Experten aus dem Regionskontor über das Leben in Dänemark informieren können. 

Als Kommunalpolitiker versprach Carsten Leth Schmidt zu prüfen, ob in Zusammenarbeit mit der deutschen Schule ein Sprachcafé ohne Zwang und Prüfungen möglich ist.