Energiewende

Solarpark: Kritik, Konflikt und die nächste Entscheidung

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In Nordschleswig wächst der Widerstand gegen Wind- und Solarparks. Das Dorf Kastvrå in der Kommune Hadersleben ist keine Ausnahme. Menschen dort befürchten u. a. einen Wertverlust ihrer Häuser. Befürworter von Solarparks begreifen die Module als eine Chance für mehr Biodiversität, da darunter verschiedene Pflanzen gedeihen (Symbolfoto).

In Kastvrå wächst der Widerstand, im Rathaus steht die Mehrheit: Das geplante Solarfeld sorgt in dem Dorf weiter für Zündstoff. Seit 2022 läuft die Planung – als Pilotprojekt gestartet, hat das Vorhaben viele Einwände und Proteste durchlaufen. Jetzt hat der Klimaausschuss dem Projekt zugestimmt. Ausschussvorsitzender Carsten Leth Schmidt (SP): „Irgendwann muss man entscheiden.“

Das Solarfeld bei Kastvrå bekommt vom Klimaausschuss grünes Licht – mit einer Gegenstimme von Jannie B. Westergaard von der Konservativen Volkspartei.

Zwischen Frust und Fakten

Das Projekt ist seit Planungsbeginn vor drei Jahren ein Zankapfel zwischen der Kommune, der Politik und den Menschen vor Ort. Trotz Workshops, Infotreffen und Gesprächsangeboten: In Kastvrå fühlen sich viele übergangen.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Technik und Klima, Carsten Leth Schmidt von der Schleswigschen Partei (SP), sieht das anders: Die kritische Gemeinschaft aus Kastvrå hätte sich über zwei Jahre hinweg nicht aktiv in den Planungsprozess eingebracht. „Wenn man sich jeder Zusammenarbeit verweigert, wird es einseitig.“

„Irgendwann muss man entscheiden“

Der Vorwurf aus Kastvrå: Die Politik im Allgemeinen und der Ausschussvorsitzende im Besonderen hätten Wortbruch begangen. Es habe geheißen, ohne Rückhalt in der Bevölkerung werde das Projekt nicht kommen. Leth Schmidt widerspricht. „Ich habe gesagt, dass ich es mir in einem solchen Fall nicht vorstellen kann. Das ist kein Versprechen!“

Wertverlust: Erfahrung und Wahrnehmung

Bei den Menschen im Dorf geht überdies die Angst um, dass ihre Häuser durch das Solarfeld an Wert einbüßen. Der künftige Betreiber geht von einer Wertminderung von lediglich ein bis zwei Prozent für direkt betroffene Häuser aus – samt Entschädigung. Anwohnende befürchten indes bis zu zwanzig Prozent Verlust für das Dorf. „Das ist eine Einschätzung, die durch Erfahrungen aus anderen Solarparks in Dänemark nicht belegt ist“, sagt der Klimaausschussvorsitzende. 

Der SP-Politiker zeigt sich enttäuscht über die zunehmende Konfrontation. „Es gab in Kastvrå immer wieder neue Vorschläge – auch zum Standort. Aber wenn ein Projekt geplant und eingereicht ist, kann man nicht mit neuen Ideen kommen. Irgendwann muss man entscheiden.“

Wer profitiert von der Grünen Pulje?

Ein weiteres Streitthema ist die Grüne Pulje – der Finanzausgleich für Anwohnende. 

„Es stehen Gespräche an mit den Bürgervereinen Simmerstedt – Sommerstedt – Maugstrup – Kastvrå, wenn es um die primäre Abgrenzung vom Solarprojekt geht. Aber die Fördergelder für die Grüne Pulje verwalten nicht die Bürgervereine, sondern die Kommune“, stellt Leth Schmidt klar. 

Im Dezember wird’s ernst

Ganz durch ist das Solarfeld nicht: Das Kommunalparlament muss noch zustimmen – auf seiner allerletzten Sitzung im Dezember.