Deutsche Minderheit

Schulrätin: Die Abgeordneten haben sehr genau zugehört

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Die Delegation der Minderheit bei der Ausschusssitzung: (v. l.) BDN-Generalsekretär Uwe Jessen, BDN-Vorsitzender Hinrich Jürgensen, Schulrätin Simone Sippel Pedersen, BDN-Sekretariatschef Harro Hallmann und SP-Vorsitzender Rainer Naujeck.

Der heiße Draht der Minderheit zum Folketing funktioniert. Vor einem Jahr wurde aus dem Kontaktausschuss beim Kulturministerium der Ausschuss für die Deutsche Minderheit beim Parlament. Die Abgeordneten im Gremium haben sich bei der Sitzung am Mittwoch rege beteiligt, doch der Kulturminister sagte ab.

Für Simone Sippel Pedersen ist es das erste Mal, dass sie bei einer Sitzung im Ausschuss für die Deutsche Minderheit beim Folketing dabei ist. Im August hat sie den Posten als Schulrätin des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig übernommen.

„Ich war ein wenig aufgeregt“, sagt sie im Anschluss an die Sitzung.

Noch dazu war sie unter dem Tagesordnungspunkt „Orientierung über den Schulbereich und die aktuelle Entwicklung“ gleich als Erste aus der Delegation der Minderheit dran. 

„Ich finde, was wir berichtet haben, wurde gut angenommen. Die Abgeordneten haben genau zugehört und vertiefende Fragen gestellt“, so die Schulrätin.

Rege Teilnahme

Die Ausschussmitglieder fragten nicht nur interessiert, sie waren auch zahlreich erschienen. Sieben von elf beteiligten sich an der Sitzung. Das sind deutlich mehr, als meist in dem früheren Kontaktausschuss.

„Ich war sehr positiv überrascht über die gute Beteiligung an der Sitzung. Das haben wir früher ganz anders erlebt“, sagt Harro Hallmann, Leiter des Kopenhagener Sekretariats des Bundes Deutscher Nordschleswiger. 

Eine Person war jedoch nicht erschienen: Kulturminister Jakob Engel-Schmidt (Moderate) hat kurzfristig mitgeteilt, dass er nicht kommt. Der ehemalige Kontaktausschuss war in seinem Ministerium verankert. Auf Wunsch der Minderheit wurde dieser vor einem Jahr durch den Folketings-Ausschuss ersetzt.

„Wir sind sehr froh über den neuen Ausschuss, denn wir mussten erneut feststellen, dass der Minister absagen musste“, sagte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen.

Fragen an Minister bringen wichtige Antworten

Der Ausschuss trifft sich zweimal im Jahr. Das eine Mal auf Christiansborg, das andere Mal in Nordschleswig. Obwohl die Sitzung am Mittwoch somit erst die dritte war, hat er bereits greifbare Ergebnisse für die Menschen in der Minderheit erzielt.

„Vor allem die Antworten auf die Fragen, die der Ausschuss an die Ministerien gerichtet hat, haben uns sehr geholfen“, so Hallmann. 

So hat Unterrichtsminister Mattias Tesfaye (Soz.) bestätigt, dass die Schulen der Minderheit weiterhin Deutschprüfungen durchführen können, obwohl das Folketing sie für die dänischen Volksschulen abgeschafft hat.

Noch wichtiger ist nach Hallmanns Auffassung, dass Kulturminister Engel-Schmidt bestätigt hat, dass die Schulen der Minderheit den dänischen Volksschulen gleichgestellt sind. Bereits vor 15 Jahren hat die damalige Regierung die deutschen Grundschulen finanziell gleichgestellt. Mit der Unterschrift des Ministers gibt es jetzt auch eine schriftliche Garantie.

„Diese Antworten alleine sind diesen Ausschuss wert“, sagt Hallmann.

Weitgehende Einigkeit im Ausschuss

Im Ausschuss sind sämtliche Fraktionen des Folketings von ganz links bis ganz rechts vertreten. Die Arbeit in ihm ist jedoch nicht von großen politischen Auseinandersetzungen geprägt.

„Es ist ein Ausschuss, in dem größere Einigkeit besteht, als das sonst der Fall ist. Es war eine ausgesprochen gute Stimmung“, sagt Peter Kofod, der die Dänische Volkspartei in dem Gremium vertritt. 

Er freute sich auch über das Rezeptheft der Schleswigschen Partei, das der Parteivorsitzende Rainer Naujeck mitgebracht hatte. Erbsensuppe (gule ærter) seien eines seiner Leibgerichte, und das Rezept wolle er ausprobieren. 

Auch Schulrätin Simone Sippel Pedersen hat die Stimmung als angenehm empfunden. „Die Mitglieder waren interessiert und wollen sich für die Minderheit einsetzen. Das war zumindest mein Gefühl.“