Deutscher Tag

Schleswigsche Partei siegessicher: Midde zieht in den Wahlkampf

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Das „Heimatmuseum“ beim Deutschen Tag.

Die Kommunalwahl in gut drei Wochen prägte den Deutschen Tag. Sie zog sich wie ein roter Faden durch eine Reihe der Reden. Und dann spielte die Schleswigsche Partei im Endspurt des Wahlkampfes einen – nicht ganz ernst gemeinten – Trumpf aus.

Der kämpferische Song „Eye of the Tiger“ dröhnt aus den Lautsprechern in der Tingleffer Sporthalle, als die neue Kandidatin der Schleswigschen Partei siegessicher das Podium verlässt.

Midde hat kurz zuvor in einem „Sønderjysk“ fast so perfekt wie das des Tonderner SP-Bürgermeisters Jørgen Popp Petersen ihre Kandidatur bekannt gegeben. „Wir umarmen breit“, übersetzte sie selbst ihr Wahlversprechen (Vi favner bredt) ins Deutsche. Ihr Gesprächspartner Fidde war von der Idee zunächst wenig überzeugt.

Die Schleswigsche Partei (SP) hatte das Kabarett „Heimatmuseum“ gebeten, mit einem Auftritt der beiden beliebten Figuren (gespielt von Henriette Tvede Andersen und Helmuth Petersen) auf die Kommunalwahl am 18. November aufmerksam zu machen. Die Besucherinnen und Besucher des Deutschen Tages dürften den nahenden Termin zu diesem Zeitpunkt bereits mitbekommen haben.

Sozialdemokrat wünscht der SP Erfolg

Die Wahlplakate sämtlicher SP-Kandidatinnen und ‑Kandidaten zierten die Rückwand der Halle – und zwar jene, die – im Gegensatz zu Midde – tatsächlich auf den Stimmzetteln stehen werden. Auch in den Grußworten aus der dänischen und deutschen Politik kam das Thema wiederholt vor.

Der Folketingsabgeordnete Jesper Petersen (Soz.) ist seit gut einem Jahr Vorsitzender des neuen Ausschusses für die Deutsche Minderheit. Er nahm die Festveranstaltung zum Anlass, seine erste Rede auf Deutsch zu halten – es war deutlich besser als das von Midde.

„Ich hoffe selbstverständlich besonders auf gute Ergebnisse für die Sozialdemokratie, aber ich wünsche auch der Schleswigschen Partei viel Erfolg. Ich bin sicher, dass ihr mit euren Mandaten weiterhin zu der positiven Entwicklung der Region beitragen werdet“, sagte er. 

Jesper Petersen im Gespräch mit BDN-Sekretariatschef Harro Hallmann

Landtagspolitikerin lobt Gestaltungswillen der Minderheit

Der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) hatte das Motto für die diesjährige Veranstaltung ebenfalls mit Blick auf die Wahl gewählt: „Mitgestalten. Mitentscheiden. Minderheit wählen.“

Die Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Annabell Krämer (FDP), nahm dies zum Anlass, um ebenfalls auf die Wahl einzugehen.

„Es geht nicht nur darum, sein Kreuz zu setzen, sondern auch darum, Verantwortung zu übernehmen, sich einzumischen und die Zukunft des eigenen Lebensraumes mitzugestalten. Das ist demokratischer Geist in seiner allerreinsten Form, und hier wird er wirklich gelebt“, so die liberale Politikerin.

Annabell Krämer freute sich über das politische Engagement junger Menschen.

Sechs junge Menschen auf den Listen der SP

Auch der Vorsitzende des Regionsrates für Süddänemark, Bo Libergren (Venstre), lobte den Gestaltungswillen der Minderheit und ihrer politischen Vertreterinnen und Vertreter. „Ihr bereichert Nordschleswig mit eurem kulturellen Hintergrund, eurer Offenheit und dem gegenseitigen Respekt zwischen Mehrheit und Minderheit“, sagte er.

Die Landtagspolitikerin Krämer freut sich darüber, dass junge Menschen aus der Minderheit sich auf der kommunalen Ebene einbringen: „Das macht mir Mut, denn die Kommunalpolitik ist die Grundlage von allem.“

Die Jes Schmidt Stiftung würdigte ebenfalls die insgesamt sechs SP-Kandidatinnen und -Kandidaten im Alter zwischen 18 und 22 Jahren. Die Vorstandsvorsitzende Ilse Friis überreichte ihnen den Nordschleswig-Preis. „Es gehört eine große Portion Mut dazu“, sagte sie mit Blick auf die Anfeindungen in den sozialen Medien. 

Popp betont Besonderheit des Grenzlandes

Für einen SP-Politiker steht bei dieser Wahl besonders viel auf dem Spiel: dem bereits erwähnten Jørgen Popp Petersen. Vor vier Jahren gelang es aufgrund von Streit zwischen anderen Parteien mit Verhandlungsgeschick, das Bürgermeisteramt zu erringen. Er möchte das Kunststück in der Wahlnacht wiederholen.

Beim Deutschen Tag sprach er das Grußwort im Namen der vier nordschleswigschen Kommunen. Daher hielt er auch keine Wahlkampfrede, sondern lobte den Einsatz des BDN für die Region. „Unser Grenzland ist etwas Besonderes. Es ist nicht nur ein Ort auf der Landkarte. Es ist ein Raum, in dem Menschen sich bewegen, wo Sprache, Kultur und Geschichte zusammenfließen“, sagte er.

Partei als Teil der Minderheiten-Identität

Der BDN-Vorsitzende Hinrich Jürgensen nutzte sein letztes Schlusswort auf einem Deutschen Tag, um den Kandidierenden der SP eine gute Wahl zu wünschen. „Denn eine gute Wahl hilft uns auch in Berlin, Schleswig-Holstein und Kopenhagen.“ Er selbst wird im Frühjahr sein Amt abgeben.

„Die Schleswigsche Partei ist Teil der Identität der deutschen Nordschleswiger“, sagte Jürgensen. 

Midde ließ ein wenig offen, wie sie die Sache mit der Identität sieht. Dafür sieht sie sich als eine vielseitige kommende Politikerin. „Æ æ en politisk allrounder. Ich bin ein politisch ganz Runder”, sagte sie.

Hinrich Jürgensen sprach zum letzten Mal als Hauptvorsitzender beim Deutschen Tag.

Wie rund es für die SP läuft, wird sich am 18. November herausstellen. 

Midde gibt sich kämpferisch.