Deutsche Minderheit

Pausenschnack: „Sehr unterhaltsam“ – Geschichte, die wirkt

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In den Pausen während der Neujahrstagung in Sankelmark kommen auch Menschen ins Gespräch, die sich vorher noch nie unterhalten haben.

Die Neujahrstagung der Minderheit war auch in diesem Jahr bestimmt von einer Fülle an Informationen und Vorträgen. Gut, dass es die Pausen gab und damit Raum für Gespräche; auch mit Menschen, die man zuvor noch nie getroffen hat. Ein Thema faszinierte generationenübergreifend.

7:45 Uhr: Im weitläufigen Frühstücksraum der Akademie Sankelmark sitzen nur vereinzelt ein paar Menschen. An einem Tisch frühstücken zwei Männer; sie unterhalten sich über das Rudern, über Strömungen in unterschiedlichen Gewässern. Ansonsten ist es – noch – recht still. 

Nach dem ersten Vortrag in der ersten Pause ein völlig anderes Bild: Überall stehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in kleinen Grüppchen zusammen, schnacken, lachen, trinken Kaffee oder Tee. Am Tisch von Museumsleiter Hauke Grella ist unter anderem der vorherige Abend Thema. „Der hätte ein bisschen kürzer sein können“, murmelt er mit einem müden Lächeln. 

Aber auch der erste Vortrag des Tages ist Thema. Der Historiker Gerhard Paul hatte über das Ende der Nazi-Herrschaft in Flensburg referiert: ohne Skript und Folien, dafür mit Humor und gespickt mit vielen Anekdoten, was wohl viele bei dem Thema so nicht erwartet hätten. „Das war sehr unterhaltsam“, findet Marie Medow aus Tondern (Tønder).

Müdigkeit hin oder her bei Grella: Der Vortrag hat ihm einmal mehr die absurde Geschichte buchstäblich vor Augen geführt. „Dass die alle mit offenem Visier durch Flensburg laufen konnten, und alle wussten Bescheid, das kriege ich nicht in den Kopf.“

Und was ist das Thema einen Stehtisch weiter bei den jungen Menschen aus Nordschleswig? „Der Vortrag von eben. Den fanden wir sehr spannend. Das war unterhaltsam und mitnehmend“, findet Dorthe Andresen. Ihr hat der Humor gefallen, mit dem der Historiker die Informationen über den Fall des NS-Regimes präsentiert hat. „Sonst wirkt es ja immer sehr ernst.“

Hauke Grella (rechts) im Gespräch mit Marie Medow und Arno Knöpfli

 

Wencke Andresen stimmt ihrer Schwester zu, was den Vortrag angeht. „Es ist aber auch ganz gut, zwischendurch mal zu stehen“, sagt sie und lacht. „Und man spricht mit anderen Leuten aus der Minderheit, die man nicht ständig trifft.“

Die beiden Schwestern Dorthe (links) und Wencke Andresen

Die Pausen auf der Neujahrstagung sind eine Gelegenheit, auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, mit denen man sich zuvor noch nie unterhalten hat. So sind etwa Monika Bucka-Lassen und Karin Petersen in ein Gespräch über die Musikvereinigung Nordschleswig vertieft. 

„Da habe ich früher mitgesungen. Ich wollte mal hören, wie es läuft“, sagt Monika Bucka-Lassen. Mit Karin Petersen hat sie sich die richtige Gesprächspartnerin ausgesucht: Sie ist die Hauptvorsitzende der Musikvereinigung. Während Monika Bucka-Lassen regelmäßig in Sankelmark dabei ist und auch Einzelvorträge besucht, ist Karin Petersen zum ersten Mal da. „Ich habe volles Programm“, sagt sie und lacht.

Auch diese beiden Damen sind begeistert vom Vortrag Gerhard Pauls, finden aber auch, dass die Beiträge generell einiges in Gang setzen und sich daraus viele Gesprächsthemen ergeben. 

So muss man sich auch keine Gedanken über die extra lange Mittagspause wegen eines ausgefallenen Vortrags machen: Die Gesprächsthemen scheinen der Minderheit nicht auszugehen. Und wenn doch, lockt ja immer noch das winterliche Wetter mit Sonnenschein zu einem Spaziergang.