Namen und Nachrichten

Pastor emeritus Lorenz Peter Wree verstorben

Veröffentlicht Geändert
Lorenz Peter Wree leitete zahlreiche Exkursionen der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig. Auf dem Foto erklärt er im Frühjahr 2025 die Kirche zu Gelting.

Pastor emeritus Lorenz Peter Wree, Pattburg, ist im Alter von 84 Jahren verstorben. Der von der Halbinsel Holnis an der Flensburger Förde stammende Theologe ist als früherer Pastor des deutschen Teils der Volkskirchengemeinden in Tondern und Uberg von 1976 bis 2006 in ganz Nordschleswig bekannt.

Die deutsche Minderheit in Nordschleswig trauert um den langjährigen früheren Pastor des deutschen Teils der Volkskirchengemeinden in Tondern (Tønder) und Uberg (Ubjerg). Der aus Holnis (Holnæs) an der Flensburger Förde stammende Theologe Lorenz Peter Wree war im deutsch-dänischen Grenzland ein hochgeschätzter Experte der Kirchen-, Regional- und Lokalgeschichte. Bis zu seinem Tode hat der Verstorbene in über 40 Jahren als Vorstandsmitglied und fast 20 Jahre als Vorsitzender die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig geprägt.

Mit Lorenz Wree verlieren die deutschen Nordschleswiger eine Persönlichkeit, die jahrzehntelang dem kirchlichen und kulturellen Leben der Minderheit wichtige Impulse gegeben hat. Während seiner Tätigkeit vor allem in Tondern und Umgebung, aber auch im gesamten Grenzland, erwarb sich Wree große Achtung auch bei den dänischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Mit großer Freundlichkeit hat Wree stets sein großes Wissen über die Kirchen- und Kunstgeschichte des deutsch-dänischen Grenzlandes und über die Gotteshäuser und historischen Ereignisse in der Region an seine Mitmenschen weitergegeben.

Das Foto zeigt Pastor Lorenz Peter Wree im Jahr seiner Emeritierung vor der Christkirche in Tondern. Er war seit 1976 Pastor der deutschen Teile der Volkskirche in Tondern und Uberg.

Bis heute ist Wrees Tätigkeit in Tondern und Uberg in den dortigen Gemeinden, denen er immer verbunden geblieben ist, in Erinnerung.

Als Pastor in Süd- und Nordschleswig

Nach dem Abitur an der Goethe-Schule in Flensburg (Flensborg) studierte Wree Theologie in Heidelberg, Bonn und Kiel. Schon während seiner Studienzeit knüpfte er Verbindungen nach Nordschleswig.

Nach dem Abschluss des Studiums wirkte Wree während seines Vikariates unter anderem in Tingleff (Tinglev) in der Nordschleswigschen Gemeinde beim dortigen Pastor Friedrich Jessen. In Nordschleswig lernte er auch seine in Uk (Uge) beheimatete Frau Frauke, geborene Clausen, kennen.

Nach der Ordination in Schleswig übernahm Wree seine erste Pfarrstelle in Deezbüll (Dedsbøl) bei Niebüll (Nibøl) in Südtondern. Während seiner Tätigkeit dort unterrichtete er an der Friedrich-Paulsen-Schule das Fach Kunstgeschichte. Wree engagierte sich im Verein der Freunde der Breklumer Mission, deren Vorsitzender er von 1983 bis 2011 war.

Lorenz Wree war fast 45 Jahre Vorstandsmitglied der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig. Von 2002 bis 2021 hat er als erster Vorsitzender entscheidend das Wirken des Verbandes geprägt, in dessen Vorstand er bis zu seinem Tode mit großem Einsatz und Sachverstand tätig war.

Gerne führte Lorenz Wree Interessierte an oft wenig bekannte historische Orte in Nordschleswig. Auf dem Foto die steinerne Surbek-Brücke bei Schweilund (Svejlund) bei einer HAG-Tagesfahrt nach Hellewatt (Hellevad) im Jahre 2019.

Frühzeitige Aufarbeitung dunkler Minderheitengeschichte

Schon frühzeitig setzte sich die HAG unter Mitwirkung Wrees auch mit der dunklen Vergangenheit der deutschen Minderheit vor und während des Krieges auseinander, was Impulse für eine selbstkritische Haltung zur eigenen Geschichte in der gesamten Minderheit auslöste.

Er schaltete sich gerne in Diskussionen innerhalb der deutschen Minderheit ein, bei Hauptversammlungen des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und Diskussionsveranstaltungen scheute er sich nie, eigene, auch unbequeme Positionen zu vertreten.

Autor vieler interessanter Veröffentlichungen

Als Autor geschichtlicher und kunsthistorischer Beiträge, die vor allem in den Schriften der HAG, aber auch in Veröffentlichungen anderer Vereine und in Buchform erschienen sind, hat sich der Verstorbene einen Namen gemacht. Bei der HAG wurde er durch die Bearbeitung von Beiträgen, die er durch Erläuterungen und Fußnoten oft sehr viel verständlicher gemacht hat, von vielen Leserinnen und Lesern geschätzt.

Als Leiter vieler Exkursionen und Tagungen der HAG und als Vortragshalter beeindruckte er immer wieder sein Publikum durch seine Sachkenntnis und freundliche Art.

In den Heften der HAG hat er mit seinen Beiträgen anlässlich der Volksabstimmungen und der Grenzziehung zwischen Dänemark und Deutschland die eigene Sicht der deutschen Nordschleswiger auf das Geschehen vor gut 100 Jahren in Worte gefasst.

Wree durchstreifte besonders gerne mit dem Fahrrad das Grenzland, wobei er immer wieder auf interessante Orte und Themen gestoßen ist. Zusammen mit seiner Frau Frauke hat der Verstorbene, der auch stets die Bewahrung von Natur und Schöpfung im Auge hatte, zahlreiche Reisen ins Inland und europäische Nachbarländer unternommen. Sein Blick reichte weit über die heimatlichen Grenzen hinaus.