Deutsche Minderheit

Mit Wind in den Segeln und Kuchen an Bord

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Kaum war die „Ebba Aaen“ auf offener Förde, wurden die Segel gehisst. Wer konnte und wollte, half mit – wie Jacob Lorenzen (rechts).

Die Sommerfahrt der deutschen Kirchengemeinde Tondern auf der „Ebba Aaen“ wird zum maritimen Gemeinschaftserlebnis – inklusive Schweinswalsichtung.

Wer sagt, Kirche müsse immer im Gebäude stattfinden? Die deutsche Kirchengemeinde in Tondern bewies am Samstag, dass sich Glaube, Gemeinschaft und Sommerfreude auch wunderbar an Deck eines alten Segelschiffs erleben lassen – auf der Apenrader Förde und unter vollen Segeln.

24 Westküstenbewohnerinnen und -bewohner im Alter von der Konfirmation bis 90 Jahren stachen am Nachmittag mit dem Traditionssegler „Ebba Aaen“ in die (Ost-)See. Trotz grauer Wolken und frischer Brise blieb die Gruppe vom Regen verschont – manchmal blinzelte sogar die Sonne durch das dichte Himmelsgrau. An Bord erwartete die Gäste nicht nur eine entspannte Auszeit auf dem Wasser, sondern auch eine Portion echtes maritimes Abenteuer.

Delfin oder Schweinswal? Überraschung in den Wellen

Auf dem Foto ist der Schweinswal zwar nur schemenhaft zu erkennen, für die Leute an Bord war das jedoch ein unvergessliches Naturerlebnis.

Kaum hatte die „Ebba Aaen“ den Apenrader Nyhavn verlassen, durchbrach ein tierischer Überraschungsgast die Wellen: Ein kleiner Zahnwal sprang kurz durchs Wasser – zu schnell für ein sicheres Foto, aber nicht für die gemeinsame Freude. Die Teilnehmenden sind sich ziemlich sicher: Das war ein Schweinswal. Später auf der Fahrt wurde die Sichtung sogar bestätigt – diesmal mit Beweisfotos. Steuermann Nis-Edwin List-Petersen zeigte sich beeindruckt. „Bei dem bewegten Wellengang sind solche Beobachtungen eher selten“, sagte er.

Kaffee, Kekse und Kuchen auf hoher See

Auch kulinarisch ließ die Fahrt keine Wünsche offen. Pastorin Dorothea Lindow hatte um ein paar Kekse oder etwas Kuchen gebeten – und bekam prompt ein schwimmendes Kuchenbüfett serviert. Die mitgebrachten Leckereien reichten locker für eine jütländische Kaffeetafel auf See. Nur Torten fehlten – die hätten aber wohl auch nicht so recht zum rustikalen Charme des ehemaligen Fischkutters gepasst.

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

An Bord herrschte prächtige Stimmung.

Die „Ebba Aaen“ ließ mit dunkelroten Segeln das Dieselnuckeln bald hinter sich und wurde zum lautlosen Gleiter auf dem Wasser. Manche machten es sich auf der „Liegewiese“ im Heck gemütlich, andere erkundeten das Schiff oder versuchten, die Landschaft zu erraten. Aber alle genossen das entschleunigende Erlebnis, gemeinsam unter Segeln unterwegs zu sein – mit Ausblick, Wind und Weite.

Die Route führte vorbei an den Prachtvillen „Lensnack“ und „Laimun“, am Vereinshaus des Apenrader Rudervereins und an Scherriff (Skarrev) und nach der Wende an Warnitz (Varnæs) Hoved und Hostrupholz (Hostrupskov). Von der Seeseite bekamen die Teilnehmenden einen völlig neuen Blick auf schmucke Häuschen, verwunschene Plätze, Buchten und Wälder.

Während des dreistündigen Segeltörns gab es auch reichlich Gelegenheit für einen lockeren Schnack mit Pastorin Dorothea Lindow (Bildmitte, stehend).

Nach genau drei Stunden legte die „Ebba Aaen“ wieder in Apenrade an – mit glücklichen Gesichtern, nur noch halbvollen Keksdosen und dem festen Entschluss: Diese Fahrt soll nicht die letzte gewesen sein.