Deutsche Minderheit

Mit dem Schneckenmonster zur Lichterparade – Laternenzeit im Deutschen Kindergarten Tondern

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Kleines Ratespiel: Welche dieser beiden Laternen wird die kleine Asta am 11. November stolz vor sich hertragen? Kleiner Tipp: Unsere Kreation wurde im Kreis der Kolleginnen und Kollegen unter anderem als „wütendes Ei mit zwei Löffeln“ bezeichnet.

Beim Basteln in der Kleinkindgruppe des Deutschen Kindergartens Tondern entsteht manchmal etwas ganz anderes als geplant – so wie das „Schneckenmonster“ einer Oma-Enkelin-Uroma-Truppe. Doch egal, ob gerade oder schief: Wenn am 11. November der traditionelle Laternenumzug durch Tondern zieht, werden alle Lichter leuchten – jedes auf seine eigene Weise.

Eigentlich sollte es eine Schnecke werden. Zwei Fühler, ein freundliches Gesicht, vielleicht noch etwas Glitzer – fertig. Doch beim Laternenbasteln in der Kleinkindgruppe des Deutschen Kindergartens Tondern nahm das Projekt meiner zweijährigen Enkelin Asta, ihrer Uroma und mir eine ganz eigene Richtung: Das Ergebnis war ein schiefes, grimmig dreinblickendes Schneckenmonster. Und doch war es für Asta die schönste Laterne von allen.

Während sie stolz ihr Kunstwerk präsentierte, wurde mir wieder bewusst, was das Laternelaufen in Tondern so besonders macht: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Gemeinschaft – ums Miteinander-Basteln, -Singen und -Leuchten.

Denn schon bald, am 11. November, werden wieder viele kleine und große Lichter durch Tonderns Straßen ziehen. Das traditionelle Laternelaufen des deutschen Kindergartens der Stadt ist längst ein fester Termin im Kalender. Begleitet von Gitarren und Harmonika – und vielleicht auch in diesem Jahr wieder von Sankt Martin – oder wahrscheinlicher von „Sankt Martina“ auf dem Pferd – zieht der fröhliche Zug durch die Stadt. Treffpunkt ist um 17.15 Uhr am Kindergarten. Von dort geht es dann los.

Erzieherin Britta Jensen (l.) hatte schon alles vorbereitet. Die Kinder – hier Zoe und Lauritz – durften dann mit ihren Großeltern – hier Helga Iwersen und Veronnika Bjørn – nach Herzenslust ihre Tierkopflaternen individuell gestalten.

Die Kinder proben bereits fleißig ihre Lieder: Klassiker wie „Laterne, Laterne“ oder „Sankt Martin“ und neu eingeübte Stücke wie „Durch die Straßen auf und nieder“. Mitarbeiterin Jessica Stolte und ihr Kollege Lars Schorr greifen zur Gitarre, Kollegin Renate Osterholz zum Akkordeon – und auch Pastorin Dorothea Lindow begleitet den Umzug musikalisch.

Und natürlich: Laternelaufen ohne Laterne – das geht gar nicht.
Im eigentlichen Kindergarten waren die Eltern gefragt. Bei einem Elternabend verwandelten sie die farbenfrohen Aquarellbilder ihrer Kinder – leuchtend in Rot-, Gelb- und Orangetönen – durch geschicktes Knicken, Falten und Kleben in kunstvolle Waldorf-Laternen. Das Ergebnis: eine bunte, leuchtende Vielfalt, die zeigt, wie viel Kreativität und Herzblut in dieser Tradition steckt.

Im eigentlichen Kindergarten bastelten die Eltern die Laternen im Rahmen eines Elternabends.
Die Laternenparade der Kindergartenkinder

Generationsübergreifende Bastelaktion

In der Kleinkindgruppe durften diesmal die Großeltern mitbasteln. Eine generationsübergreifende Bastelaktion, die Geduld, Humor und Kleber in gleichem Maß erforderte. 

Während um uns herum süße Eulen, Bären, Hunde und Katzen Gestalt annahmen, kämpften wir – die zweijährige Asta, ihre Oma und ihre „olde“ – mit schiefen Augenbrauen, klebenden Fingern und einem Lächeln, das einfach nicht gerade bleiben wollte.

Doch als unsere Schnecke – pardon, das Schneckenmonster – schließlich fertig war, leuchteten nicht nur die Laternen, sondern auch die Augen der kleinen Bastlerin.

Basteln macht hungrig

Die zweijährige Asta versah höchstpersönlich die ausgeschnittenen Teile mit Kleber. Dabei bekamen auch Tisch und Finger reichlich ab. Ihre Uroma lässt sie geduldig gewähren.

Am Ende des Bastelvormittags wurden noch Gemüsestangen, Bulgursalat und Käsebrote geteilt – eine kleine Stärkung nach großem kreativen Einsatz.

Wenn am 11. November die Laternen erstrahlen, wird auch Astas Schneckenmonster dabei sein – vielleicht etwas schiefer als die anderen, aber mit genauso viel Herz. Und das ist wohl das Schönste an dieser Tradition: Jede Laterne erzählt ihre eigene Geschichte.