Gastkommentar

„Minderheitenschmerz“

Veröffentlicht Geändert

Ein ähnliches Gefühl zum Weltschmerz ist für den Kulturkonsulenten des BDN, Uffe Iwersen, der Minderheitenschmerz. Ein Gefühl, das ihm durch die Unstimmigkeiten in der vergangenen Zeit vertrauter geworden ist. In seinem Gastkommentar schreibt er, was aus seiner Sicht jetzt notwendig ist, um sich neu zu sortieren.

Man kennt den Begriff Weltschmerz. Es ist dieses melancholische Gefühl, wenn man realisiert, dass die Welt irgendwie nicht so läuft, wie sie aus subjektiver Sicht eigentlich sollte. Es ist die Mischung aus Frust und Sehnsucht nach einer besseren. Die Lage in der Welt gibt gerade genug Anlass für Weltschmerz.

Als Minderheitler meldet sich bei mir jedoch in den vergangenen Jahren immer häufiger der Minderheitenschmerz, der mich persönlich mehr trifft als der Weltschmerz.

Unruhe in unseren Einrichtungen. Eine Minderheitengemeinschaft, die droht auseinanderzufallen und für die man immer wieder hart kämpfen muss. Gefühlt viele Personalwechsel. Mangelnder Reformwille, was unsere Strukturen und unsere Kommunikation angeht. Enttäuschungen und ausbleibende Erfolgserlebnisse. Die Sprachkompetenzen bei unserem Nachwuchs – egal ob Deutsch oder Dänisch (je nachdem, mit wem man spricht). Unfassbar dämliche Kommentare von Nutzerinnen und Nutzern zu Minderheitenthemen in den sozialen Medien. (Wieso sind diese Personen eigentlich häufig nicht in unseren Vorständen, wenn sie ach so unzufrieden sind!? Aber viele haben sich mittlerweile eh mit ihren öffentlichen Kommentaren insbesondere auf der Facebook-Seite unserer Zeitung für Vorstandsarbeit bei uns disqualifiziert.) Fehlende Integration von manchen Zuzügler:innen in unseren Institutionen. Abgesagte Veranstaltungen. Finanzielle Herausforderungen. Og man ku‘ bliv‘ ve.

Aber halt-stopp: Es nützt ja nix. Die Welt und auch die deutsche Minderheit in Dänemark drehen sich zum Glück weiter. Und besonders auf unseren eigenen Minderheitenkosmos haben wir alle, die ihn wertschätzen, einen Einfluss. In erster Linie brauchen alle Akteure unserer Minderheit – egal ob ehrenamtliche, hauptamtliche, Chefs, Angestellte – jetzt erst mal Ruhe. Ruhe zum Arbeiten. Ruhe, um Entwicklungen wieder in die richtige Richtung zu lenken. Ruhe zum Entwickeln. Ruhe zum Neudenken.

Das heißt jedoch auch, dass sich alle diese Arbeitsruhe zugestehen müssen. Denn nur wenn unsere Angebote ordentlich und nachhaltig geplant und konstruiert werden, können unsere Nutzer:innen diese auch in Ruhe genießen. Zum Wohle der Minderheit.

Redaktioneller Hinweis

Die in diesem Kommentar vorgebrachten Inhalte sind nicht von der Redaktion auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie spiegeln die Meinung der Autorin oder des Autors wider und repräsentieren nicht die Haltung des „Nordschleswigers“.