Porträt

Mehr als nur Leidenschaft: „Ich denke in Bildern – ich kann nicht anders“

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Ihrem Garten hat Karin Riggelsen – in Gedanken – bereits mehr Aufmerksamkeit versprochen.

Ausgeknipst: Einst hat Karin Riggelsen ihr Hobby zum Beruf gemacht – ab September fotografiert Karin Riggelsen wieder primär für sich selbst. Doch wofür brennt die Frau, die jahrelang den „Nordschleswiger“ bildlich aufgewertet hat? Ob die deutsche Minderheit in Zukunft gänzlich auf das Können der Apenraderin verzichten muss und wie sie die neugewonnene Freizeit füllen möchte, erzählt dieses Porträt.

Karin Riggelsen lässt ihre Besucherinnen und Besucher nie mit leeren Händen nach Hause gehen. Selbst gebackene Brötchen oder Pfennigbäume, die sie regelrecht züchtet – sie genießt es, anderen eine Freude zu bereiten.

Am Garteneingang lehnt ein bemaltes Schild an einer Birke. „Vild med vilje“ steht in bunten Farben darauf, umflattert von gemalten Schmetterlingen. Ein Willkommensgruß für alles, was blüht, krabbelt und summt – hier darf sich die Natur nach Herzenslust entfalten.

Der Garten als Erlebnis- und Ruheort

Jetzt, im Spätsommer, dominiert ein sattes Grün den Lieblingsort der Apenraderin. Mit jedem Schritt liegt ein neuer Duft in der Luft. In ihrem Gewächshaus hängen kleine, orangefarbene Tomaten an den Reben. Sie sind leicht süßlich im Geschmack – beißt man hinein, erzeugt das ein leises Plopp, so gespannt ist ihre Haut.

Die 71-Jährige liebt es, morgens nach dem Aufstehen mit einer Tasse Kaffee durch den Garten zu schlendern – bevor der Alltag beginnt, lauscht sie dem Zwitschern der Vögel.

„Das war oft der Moment, in dem es mir schwerfiel, mich loszureißen und zu einem Termin zu fahren. Ich bin gespannt, ob die Magie bleibt – jetzt, wo ich die Momente endlos ausreizen kann“, sagt sie.

Riggelsen liebt das Orchester der Natur – auch das Rauschen der Bäume gehört dazu. Kein Wunder, dass sie sich seit über 20 Jahren in Hostrupholz (Hostrupskov) wohlfühlt.

Von ihrem Wohnzimmer aus hat Karin Riggelsen einen Panoramaausblick in den Garten.

Dirigentin für bildliche Ästhetik

Ihre eigenen Kompositionen finden in Bildern statt. Riggelsen, die seit 1992 beim „Nordschleswiger“ arbeitet, besitzt eine Eigenschaft, die sie auch in den unscheinbaren Momenten zur Kamera greifen lässt: Begeisterungsfähigkeit. Sie kann von einem Baum schwärmen – und im nächsten Moment mit der gleichen Hingabe Grundschulkinder mit ihren Schultüten in Szene setzen.

Arbeit, die sie nach all den Jahren der Berufstätigkeit wieder in ihr Hobby verwandeln möchte. Denn ihre Leidenschaft für die Fotografie ist immer geblieben.

„Ich denke in Bildern – ich kann nicht anders“, sagt Riggelsen und erzählt von zwei Urlauben in der Toskana, bei denen sie ganz bewusst ihre Kamera zu Hause ließ. „Da habe ich mich selbst ausgetrickst – aber ich hatte ja mein Handy dabei, mit einer sehr guten Kamera“, sagt sie und lacht.

Doch nicht jeder Termin war leicht zu verkraften. „Ich musste einmal in einer Schweineschlachterei fotografieren. Das war so entsetzlich – ich habe den ganzen Heimweg über geweint.“

Bei Karin Riggelsen grünt es im Spätsommer, wohin man auch sieht.

An diesem Tag wurde Riggelsen Vegetarierin. Und begann, sich noch intensiver mit Umwelt- und Tierschutz auseinanderzusetzen. „Ich hasse Ungerechtigkeit und Verschwendung.“

Stille Stärken

Sie ist eine stille Aktivistin – keine, die an die große Glocke hängt, wofür sie sich einsetzt. Sie selbst beschreibt sich als introvertiert.

„Mit den Jahren habe ich das aber immer besser annehmen können. Heute sage ich mir: So bin ich – und das ist vollkommen in Ordnung.“

Ihre anderen Hobbys – Stricken, Zeichnen, Lesen – sind, genau wie die Fotografie, eher stiller Natur. Das bedeutet allerdings nicht – und das sollte an dieser Stelle betont werden –, dass es ihr an aktiven Hobbys fehlt. Ganz im Gegenteil: Sie geht ins Fitnessstudio und spielt regelmäßig Tischtennis.

Schon vor drei Jahren hätte sie in Pension gehen können. „Aber da war ich noch nicht bereit für den Ruhestand“, sagt sie. Jetzt sei sie es. „Jetzt bin ich satt.“

Job erledigt – Karin Riggelsen verstaut ihr Arbeitsequipment im Auto.

Nur noch Rosinen für Karin

Ganz verabschieden wird sie sich vom „Nordschleswiger“ jedoch nicht. Wenn sie Lust hat, möchte sie auch weiterhin gelegentlich aushelfen. „Ich picke mir jetzt die Rosinen raus – und gehe nur noch zu den Terminen, die mir wirklich Freude bereiten.“

Eine dieser Rosinen: die Einschulungen. Kinder zu fotografieren, das liebt sie besonders. „Gerade die Kleinsten habe ich sehr gern vor der Linse. Sie sind noch so echt, so wenig kontrolliert – da entstehen die schönsten Bilder.“

Solche Bilder erhofft sie sich auch von den Städtereisen, die sie jetzt häufiger unternehmen möchte. „Gerade in Deutschland gibt es viele alte Städte, die ich noch sehen will. Erfurt ist eines meiner ersten Ziele.“ Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Aber diesmal mit Kamera.“

Bei der Arbeit: Schnappschüsse aus Karin Riggelsens Alltag

Im Laufe ihrer Karriere hat Karin Riggelsen etliche Sportlerinnen und Sportler vor der Linse gehabt – ob in Aktion oder wie hier für ein Foto positioniert (Archivbild).
Karin komponiert ein Bild, wie ihr Lieblingskomponist Beethoven seine Sinfonien (Archivbild).
Es kann stürmen und regnen – Hauptsache, das Bild stimmt (Archivbild).
Eine private Person, die es genießt, anderen eine Freude zu machen – auch mit Fotografien (Archivbild).
Sie hätte schon vor einiger Zeit in Pension gehen können – entschied sich aber vor drei Jahren für eine Festanstellung beim „Nordschleswiger“ (Archivbild).