Leserbrief

„Leserbrief zur empfohlenen Schließung des Standortes Rapstedt“

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Gemeinsamer Leserbrief der Elternvertretung des Deutschen Kindergartens sowie des Vorstandes der Deutschen Schule Rapstedt zu der empfohlenen Schließung beider Einrichtungen.

Liebe Minderheit in Nordschleswig!
Betrachtet man nur die Schule in Rapstedt, will die Minderheit eine Einrichtung schließen, die

  • mit 27 mehr Kindern Geborgenheit bietet als in fünf der letzten sieben Jahre zuvor (es kann keine Rede von fallenden Schülerzahlen sein).
  • fünf angemeldete Kinder für die nächste Vorklasse vorweisen kann – die höchste Zahl seit Jahrzehnten (insgesamt liegen bereits jetzt acht Neuanmeldungen für den Sommer 2026 vor).
    in vier der letzten fünf Buchhaltungsjahre ein positives Resultat erzielt hat und auch das Jahr 2025 mit einem satten Plus abschließen wird.
  • damit nur eine von zwei Schulen des DSSV ist, die das vorgegebene Sparziel erreicht hat.
  • pädagogisch – das wird von allen Fachleuten immer wieder bestätigt – ein enorm hohes Niveau aufweist und damit ein wichtiges Lernmilieu sowohl für schwächere als auch für starke Schüler bietet – wovon dann die aufnehmenden Schulen und das Deutsche Gymnasium profitieren.
  • eine der letzten institutionellen „Bastionen“ von Sønderjysk ist.
  • eine vollständige und durchgehende Unterstützung sowohl von der Elternschaft als auch von dem Ort Rapstedt hat – inklusive der dänischen Schule vor Ort.

Kurzum, man macht sich über etwas her, das sich jeder für seine Kinder wünschen würde. Eine Institution, die „rund“ läuft oder zumindest ohne viel Aufwand das Potenzial hat, dies zu tun. Denn es muss noch einem Irrglauben widersprochen werden: dem Glauben, dass die Minderheit viel Geld spart durch die Schließung der Schule. Diese Annahme basiert darauf, dass die Kinder sämtlich weiterhin auf deutsche Schulen gehen werden. Dies wird nicht der Fall sein, ein Großteil wird ins dänische System wechseln und ist damit samt eigenen Kindern und Kindeskindern für immer für die Minderheit verloren. Nimmt man vorsichtig an, dass rund die Hälfte unserer Schüler das System verlässt, bedeutet dies Mindereinnahmen für den DSSV pro Jahr von rund 700.000 DKK (wenn man von einem staatlichen Zuschuss von 50.000 DKK pro Kind und Jahr ausgeht). Dies wäre schon annähernd der Betrag, den die Schule in Zukunft die Minderheit kosten würde. Und dies auch nur, wenn man unser ja viel gelobtes (z. B. Gwyn Nissen in seinem Artikel), aber abgelehntes Konzept außen vor lässt. Dies sieht nämlich ab dem dritten Jahr vor, kaum noch Zuschuss zu benötigen oder sich sogar komplett selbst zu tragen. 
In Bezug auf den Kindergarten sind wir in Rapstedt keineswegs realitätsfern. Wir können sehr wohl sehen, dass die Zahl von momentan 7 Kindern ein Schwachpunkt des Standortes ist. Nur muss man auch dazu zwei Dinge wissen: 

  • Der Kindergarten hatte vor drei Jahren noch über 20 Kinder. Der Absturz auf zeitweise 6 liegt in dem Vertrauensverlust dem DKA gegenüber begründet, wie es auch mehrere andere Institutionen erlebt haben. Er hat nichts mit der Situation vor Ort zu tun. Selbst wenn man den demografischen Wandel einbezieht, hat der Kindergarten in Rapstedt sicher ein Potenzial für 18–20 Kinder und würde sich damit selbst tragen.
  • Es liegen auch hier bereits vier Anmeldungen vor. Spätestens im April wird die Kinderzahl auf 11 Kinder gestiegen sein. 

Insgesamt sind wir auch überrascht, dass ein Projekt wie der Industriepark Kassø, das in Zukunft viele Familien (auch aus Deutschland) in das direkte Umland Rapstedts ziehen wird, offenbar ebenfalls bei der Beurteilung des Standortes keine Rolle gespielt hat. Hannah Dobiaschowski hat völlig recht, wenn sie schreibt, dass grundsätzlich diejenigen, die die Minderheit nutzen, auch Mitglied im BDN sein sollten. Allerdings ist diese Verbindung keine Einbahnstraße. Denn wenn die Verantwortlichen in der Organisation nicht mehr im Blick haben, was „das Volk da draußen“ wünscht, ist es das gute Recht eines jeden, sich von dieser Organisation abzuwenden. Der Vorstand sowie viele weitere Eltern und Unterstützer des Standortes Rapstedt sind nun aus dem BDN ausgetreten, weil sie sich durch diesen eben nicht mehr vertreten fühlen. Hier gilt das Gleiche, was für die Kindergärten der DKA gilt: Vertrauen verspielt man schnell und bekommt es nur sehr langsam wieder zurück.

Mit freundlichen Grüßen
Die Elternvertretung des Deutschen Kindergartens Rapstedt und der Vorstand der Deutschen
Schule Rapstedt

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