Deutsche Minderheit

„Kühe, Kühlketten und Kompost“ – Vortrag in Jündewatt über Entwicklungsprojekte und Klimaschutz

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Marianne Jacobsen Toftgaard (3. v. l.) zwischen ihrer Mutter Heike Jacobsen (2. v. l.) und Hella Hartung (3. v. r.) vom Verein Deutsches Haus Jündewatt. Nach dem Vortrag nutzten die Anwesenden noch die Zeit für einen kleinen Plausch. Auf dem Foto sind Ulli Struve (l.), Frauke Petersen (2. v. r.) und Gudrun Struve (r.) zu sehen.

Im Deutschen Haus hat die Geografin Marianne Jacobsen Toftgaard über ihre Arbeit in internationalen Projekten zu Entwicklungshilfe und Klimaschutz berichtet. Die gebürtige Nordschleswigerin arbeitet für den dänischen Staat an Programmen zur Armutsbekämpfung und nachhaltigen Landwirtschaft. Anhand von Beispielen zeigte sie, wie gezielte Hilfe Lebensbedingungen verbessert und ökologische Verantwortung stärkt.

Wie lässt sich Armut bekämpfen und zugleich der Klimaschutz voranbringen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Vortrags, den die Geografin Marianne Jacobsen Toftgaard in dieser Woche im Deutschen Haus Jündewatt hielt. Die gebürtige Nordschleswigerin arbeitet im Auftrag des dänischen Staates an internationalen Entwicklungsprojekten – und vermittelte ihrem Publikum eindrucksvoll, wie Theorie und Praxis in Ländern wie Bangladesch, Kenia oder Brasilien zusammenwirken.

Eingeladen hatten der Trägerverein des Deutschen Hauses und der BDN-Ortsverein Renz-Jündewatt. Zwar blieb die Zahl der Gäste überschaubar, doch das Interesse war groß: „Die, die da waren, haben viele Fragen gestellt und waren sehr beeindruckt“, berichtete Teilnehmer Peter Blume.

Frauen im Mittelpunkt der Projekte

Im Zentrum der Entwicklungsarbeit stehe die Armutsbekämpfung, erklärte Jacobsen Toftgaard. Besonders Frauen sollen von den Programmen profitieren, denn sie investierten ihr Einkommen „meist intelligenter“ als Männer – vor allem in die Ausbildung der Kinder.

Ein Beispiel dafür ist ein Projekt in Bangladesch, bei dem Kleinbäuerinnen unterstützt werden, ihre Milchproduktion zu steigern. Viele der Frauen besitzen nur eine einzige Kuh, doch dank gezielter Förderung konnte die tägliche Milchmenge von 4,5 auf 12 Liter gesteigert werden. Das bedeutet ein spürbar besseres Einkommen – und eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Eine dänische Durchschnittskuh bringt es auf 27 Liter pro Tag. Hochleistungsmilchkühe produzieren täglich gar 35 bis 40 Liter.

Nachhaltige Technik in Kenia

Marianne Jacobsen Toftgaard in Kenia

In Kenia begleitet die Geografin ein Projekt, das Gemüsebauern hilft, eine funktionierende Kühlkette aufzubauen. So sollen Lebensmittel länger haltbar bleiben und Verluste reduziert werden. Dabei spiele auch die Herkunft der eingesetzten Technik eine Rolle: „Viele kaufen Pumpen aus China, weil sie billiger sind“, berichtete Jacobsen. „Doch die robusteren Modelle des nordschleswigschen Herstellers Danfoss halten länger – und sind auf Dauer die bessere Wahl.“ Hier gelte es aber noch, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Schutz der Savannen in Brasilien

Ein drittes Beispiel führte die Referentin nach Brasilien, wo sie an der Förderung der Baru-Nuss arbeitet – einer nährstoffreichen Hülsenfrucht, die in den bedrohten Feuchtsavannen („Cerrados“) wächst. Durch ihre Vermarktung, auch in Dänemark, könne der Erhalt dieser einzigartigen Ökosysteme unterstützt und den lokalen Gemeinden ein Einkommen gesichert werden.

Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten

Marianne Jacobsen Toftgaard, die heute in Roskilde lebt, hat in den vergangenen 20 Jahren in Genf, Uganda und Kenia gearbeitet. Momentan ist sie freiberuflich für das dänische Außenministerium tätig.
„Ich wollte immer etwas machen, das mit Menschen, Kultur und Natur zu tun hat“, sagte sie. Ihr Vortrag „Kühe, Kühlketten und Kompost“ zeigte, wie vielseitig und praxisnah moderne Entwicklungshilfe sein kann – und dass nachhaltige Lösungen oft ganz klein beginnen.

Nach ihrem Auftritt nutzte die 51-Jährige den Aufenthalt im Norden auch für einen Besuch bei ihren Eltern Heike und Walter Jacobsen, die inzwischen in Tingleff (Tinglev) leben.