Heimatmuseum

Kommen, Gähnen, Greifen – und ein bisschen Popp

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Nach zweijähriger Scherzpause hat das Heimatmuseum guten Grund zum Feiern. Dieter, Henriette (Mitte) und Helmuth in feuchtfröhlicher Runde

Samstagabend in Sankelmark. Jeder Platz ist besetzt – die Spannung zum Greifen nah. Hoch über der Bühne kreist der satirische Greif: Das Heimatmuseum, oberste Instanz beim satirischen Sturzflug auf die Minderheit, hat zur Abrechnung geladen. Es weiß, wo es wehtut. Warum ein gnadenloser Blick in den Spiegel trotzdem guttut.

Shooting-Star der Show ist ein schräger Vogel: der „DeEsEs Pfau Geier“. Das Heimatmuseum hat ihn aufgespürt in den Niederungen der Minderheit. Er nistet dort, wo die „Pflanze Finanze“ mit satten Zuschüssen sprießt. Wo nicht, da hebt er ab, der Geier, und hinterlässt einen Vogelschiss. Pardon! – Einen weißen Fleck. 
Der Saal lacht, doch beim Blick auf den Hintergrund vergeht das Lachen. Schulschließungen. Kleine Standorte, die zur Kostenfrage werden. 

Einer der größten Lacher gehört Hasso Galmand als Nicht-mit-der-Presse-Sprecher. Dieter Søndergaard verkörpert den Kommunikationschef der Minderheit nonchalant. Als Galmand bringt er dessen Öffentlichkeitsarbeit ins Heimatmuseum. Kommunikation mit der Basis? Ja, aber bitte nur in eine Richtung. Gehorsam, keine Kritik, am besten die Klappe halten, „wenn man keine Ahnung hat“. 

Der DeEsEs Pfau Geier: Forschungsleiter, gespielt von Helmuth Petersen, erklärt die Aufzucht und Hege.

Suppe mit Gender-Dynamik

Hasso Galmand, aka Dieter Søndergaard, im Austausch mit der Basis.

Claudia, Büchereidirektorin mit Hauptvorsitz-Ambition, kocht ihr eigenes Süppchen, gewürzt mit Strukturdebatte und Gleichstellungsappell. Gemeinsam mit Co-Koch Harro Hallmann brütet sie am Herd über einen Führungswechsel in der Volksgruppe. Harro kippt Salz in die Suppe: „Weiße alte Männer gegen weiße alte Frauen?“ – „Hauptsache Gleichberechtigung!“, gibt Claudia ihren Senf dazu.
Viele Köche verderben den Brei – die Suppe schmeckt nicht. Macht nichts, tröstet Harro mit einem Seitenblick auf den schönen Stephan, Claudias Konkurrent um den BDN-Vorsitz: „Zum Glück haben wir ja noch Popp.“

Zum Sieg mit Synnejysk

Kochshow mit Claudia (Henriette) und Harro (Dieter). Jeder gibt seinen Senf dazu.

Der Bürgermeister mit dem Popp-Appeal hat bei der Kommunalwahl in Tondern ordentlich abgeräumt – trotz medialer Hetzkampagnen. Seine Waffe? Die Geheimsprache Synnejysk, wie er im TVSyd-Interview mit einer Journalistin verrät. Der Rest bleibt ihr ein Rätsel. 
„Mit Synnejysk ist man immer auf der sicheren Seite“, grinst „Æ Bürgermeister“. „Wenn's keiner versteht, kann man später immer sagen, es war ganz anders gemeint.“

Es bleibt ja in der Familie

Nicht alle haben Popp-Appeal: Midde möchte das ändern. Die nächste Bürgermeisterwahl ist ihre!

In der Minderheit bleibt alles in der Familie: Posten, Ämter – und im Heimatmuseum der Platz am Keyboard. Den besetzt heuer Søndergaard-Junior Lucas. Der Sohn von Dieter Søndergaard, Musiker und Reimlieferant des Ensembles, verstärkt das heimatmuseale Orchester. 

Residenzpflicht: Ja, nein, vielleicht – Lehrer

Aus dem Kabarett-Orchester ist ein Søndergaard-Familienorchester geworden.

Im Quiz nimmt die Truppe die Institutionen der Minderheit in Nordschleswig aufs Korn. Vor zwei Jahren hieß es noch, die einst so bissige Truppe sei zahnlos geworden. Jetzt, nach zwei Jahren Scherzpause, schlägt das Heimatmuseum zurück. 

Der Geier kreist – und geht im Sturzflug auf die Steilvorlagen nieder, die ihm die Volkstruppe serviert: Neben dem DeEsEs-Pfau (DSSV) erwischt es Doppelspitzen und Residenzpflicht. Denn wer für die Minderheit arbeitet, soll auch bei ihr wohnen. „Nur nicht die Pädagogen“, stellt Helmuth Petersen trocken fest.

Familienbetrieb

Tagung in der Gerüchteküche, moderiert von Marion Petersen (rechts)

Wer mit wem verbandelt ist, wer auf wessen Stuhl ruht, wer welchen Posten mal hatte – oder bald wieder haben wird: Henriette, Helmuth, Dieter und Marion Petersen analysieren die Minderheit als Familienbetrieb mit Drehtürlogik. Hauptsache Minderheit – Hauptsache Nordschleswig! Man kennt das: ein Kommen und Gähnen. Das ist auch das Motto vom Heimatmuseum 2026.

Sturzflug & Spitzenköche

Die Minderheitenfamilie in Sankelmark

Das Heimatmuseum serviert zum neuen Jahr eine satirische Suppe aus Insiderwitz, Sprachspiel und Systemanalyse – und mit Biss. Mancher Scherz mag – vielleicht aus „dialektischen“ Gründen – verpuffen. Der Funke springt dennoch über. 
Am Ende kreist der Geier, bleibt oben, zieht weiter seine Runden. So mancher fragt sich, wohin der Greif als Nächstes kommt. 
Es ist eben ein Kommen und Gehen. Alles wie gehabt. Nur gähnte diesmal keiner.

 

Kommen, Gähnen, Weiterziehen

Übrigens: Der Geier landet nicht nur in Sankelmark. Das Heimatmuseum tourt mit seinem Programm „Neujahrstagung Sankelmark - ein Kommen und Gähnen“ durch Nordschleswig – mit Zwischenstopps in Tondern (Tønder) am 14. Januar, in Apenrade (Aabenraa) am 21. – und zum großen Finale geht es am 30. Januar nach Sonderburg (Sønderborg).
Auf der Bühne: Dieter Søndergaard, Helmuth Petersen, Henriette Tvede Andersen und Marion Petersen – hinter den Kulissen führt Hannah Dobiaschowski Regie, am Keyboard spielt Lucas Søndergaard.

 

Hannah Dobiaschowski (rechts) ist die Regisseurin des Heimatmuseums.