Nachruf

„Immo Doege in memoriam“

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Immo Doege war über viele Jahre maßgeblich an dem Aufbau des Deutschen Schulmuseums für Nordschleswig beteiligt. Ein Exponat avancierte sogar zum Filmstar. Bei der Verfilmung des Bestsellerromans „Der Geschmack von Apfelkernen“ von Katharina Hagena im Jahr 2012 war die alte Schultafel ein wichtiges Requisit bei den Rückblenden (Archivfoto).

Immo Doege, Historiker und leidenschaftlicher Sammler, ist verstorben. Als langjähriger Lehrer und Leiter der Historischen Forschungsstelle prägte er die historische Forschung der deutsch-dänischen Minderheit und hinterließ ein wertvolles Erbe durch zahlreiche Publikationen, schreibt seine ehemalige Kollegin am deutschen Gymnasium in Apenrade, Inge Marie Tietje, in einem Nachruf. Sie hatte ihn bereits als Schülerin kennengelernt.

Immo Doege ist am Mittwoch, dem 19. März, im Alter von 88 Jahren ruhig eingeschlafen. Seine Tochter Nina, die sich sehr um ihn sorgte, war im Hause, als er die Ruhe fand. Er hat bis zuletzt im Haus am Surkær 18 in Apenrade gewohnt, obwohl er in der letzten Zeit sichtlich schwächer wurde. Es gab ja noch so viel, was sortiert werden musste, da er ein Leben lang mit großer Leidenschaft viele kleine Kostbarkeiten aus dem historischen Bereich zusammengetragen hatte, die eine Bleibe brauchten: Dokumente, Tagebücher, historische Karten usw. Vieles ist bereits im Deutschen Archiv Nordschleswig in Sonderburg abgegeben worden, wofür man sehr dankbar ist.

Flucht aus Pommern

Immo Doege wurde am 8. September 1936 in Falkenburg/Pommern geboren und musste – wie so viele andere auch – mit seiner Familie die Flucht im Jahre 1945 antreten, als die russischen Truppen sich nach Westen vorkämpften. Er war 9 Jahre alt und erinnerte sich an erschreckende Ereignisse, jedoch sei die Fluchtgeschichte seiner eigenen Familie weniger dramatisch im Vergleich zu der von vielen anderen. Sein Vater habe geschäftliche Beziehungen zur Junkerschule in Falkenburg, weshalb die Familie noch mit dem letzten Zug aus Pommern herauskam. Beim Umsteigen in den nächsten Zug nach Hamburg sei seine achtzigjährige Oma auf den Zug gesprungen – „mit ihrem kaputten Rücken“ – und habe so die Familie für den weiteren Transport gerettet. Die Flucht endete in Eckernförde, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte.

Lieblingsfach: Geschichte

Am 23. November 1965 kam Immo ans Deutsche Gymnasium für Nordschleswig mit den Fächern Geschichte und Englisch, später auch Altertumskunde. 1968 bekam er zusätzlich die Stelle als Inspektor, die er bis 1991 innehatte. Beide Tätigkeiten hat er mit einer für ihn typischen Gewissenhaftigkeit und Ordentlichkeit betrieben. Sein Lieblingsfach und Hobby zugleich war jedoch Geschichte. So hat er historisch-politische Wochenendseminare auf dem Knivsberg für die Schüler durchgeführt. Es ging vorwiegend um die für die Minderheit so schicksalhafte Zeit von 1920 bis 1945, wo Zeitzeugen eingeladen wurden, um mit authentischen Aussagen den Schülern die Zeit nahezubringen. Immo hatte als Geschichtslehrer keine Berührungsängste, es ging ihm um die Wahrhaftigkeit. Für viele Schüler, die zu Hause nur Schweigen erfuhren, war das ein Erlebnis, das ihr Leben geprägt hat.

Das „Gedächtnis der Minderheit“

Ort und Zeitpunkt der Trauerfeier

Der Trauergottesdienst findet am Sonnabend, 29. März, ab 11 Uhr in der Apenrader Nicolaikirche statt.

Die Historische Forschungsstelle/Deutsches Archiv wurde Immos Projekt. Mit Eifer und Engagement hat er Aufbau und Zielsetzung dieser Einrichtung in den zuständigen Gremien diskutiert. Die Forschungsstelle sollte einerseits das Gedächtnis der Minderheit darstellen, andererseits Minderheitenforschung betreiben. Am 1. 8. 1983 wurde Immo als Leiter dieser Einrichtung eingestellt und reduzierte entsprechend seine Arbeit am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig. Die nächsten Jahre in dieser Funktion hat Immo genutzt, um Dokumente zu archivieren und Ergebnisse seiner Forschung zu publizieren, angefangen mit zwei Bänden über die Geschichte des alten und des neuen deutschen Gymnasiums in Apenrade. Seine Publikationstätigkeit von historischen Büchern und Aufsätzen für diverse Zeitschriften sowie seine Zusammenarbeit mit Historikern südlich und nördlich der Grenze machten die Forschungsstelle zu einer bedeutenden grenzüberschreitenden Einrichtung der Minderheit.

Verfasser mehrerer Publikationen

In Zusammenarbeit mit dem Leiter des Flensburger Stadtarchivs, Broder Schwensen (r.) verfasste Immo Doege das Buch „1920 Flensburg in der Volksabstimmung“. Es erschien 2020. Es war seine letzte Publikation.

Umso seltsamer und bedauerlicher schien Immos Weggang als Forschungsstellenleiter am 31. Januar 1991. Gleichzeitig wechselte er an das Fördegymnasium nach Flensburg. Er setzte jedoch seine Forschungstätigkeit fort – in eigener Regie in einem Büro in dem ehemaligen Theaterhotel in der Westerstraße, und es erschienen danach mehrere Publikationen, u. a. „Hundert Jahre Knivsbergfeste“, Herausgeber war die Knivsberggesellschaft. Es folgten zwei weitere Werke über die Abstimmungszeit 1919 bis 1920, an denen der Deutsche Grenzverein und Historisk Samfund for Sønderjylland beteiligt waren und Inge Adriansen für die dänische und Immo für die deutsche Redaktion zuständig war. Seine letzte Publikation „1920 Flensburg in der Volksabstimmung“ erschien 2020 und war eine Zusammenarbeit mit dem Archivleiter des Flensburger Stadtarchivs, Broder Schwensen.

Diese umfangreiche Publikationstätigkeit zeigt, dass Immo sowohl zu deutschen Historikern Schleswig-Holstein als auch zu dänischen Historikern in Nordschleswig wertvolle Verbindungen geknüpft hatte und somit die eigentliche Aufgabe der Forschungsstelle als grenzüberschreitende Einrichtung weiterführte und der Minderheit in historischen Forschungskreisen ein Gesicht gab.

Immo hinterlässt seine Frau Heide und die drei Kinder Babette, Nina und Tim mit ihren Familien, die ihn vermissen werden.

Im Namen des Deutschen Gymnasiums für Nordschleswig
Inge Marie Tietje

Hinweis

Dies ist ein Leserinnen- oder Leserbeitrag. Er gibt nicht notwendigerweise die Ansicht der Redaktion wieder. „Der Nordschleswiger“ übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit.