Deutsche Minderheit

Hohenwarte: Vom Flüchtlingslager zum Ferienhof

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Heute werden auf Hohenwarte Ferien auf dem Bauernhof angeboten (Archivbild).

Der Hof Hohenwarte bei Hoyerschleuse blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Volker Heesch erzählt bei einer Veranstaltung des Sozialdienstes von den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, als dort mehr als 100 unbegleitete deutsche Flüchtlingskinder lebten – abgeschirmt von der Außenwelt und geprägt vom kältesten Winter der Zeit.

Die besondere Geschichte des fast 150 Jahre alten Hofs Hohenwarte bei Hoyerschleuse im 1859 bis 1861 eingedeichten Neuen Friedrichenkoog ist am Montag, 2. Februar, 15 Uhr, im alten Bürgermeisterkontor in Hoyer bei einer Veranstaltung des örtlichen Sozialdienstes Hoyer präsent. 

Volker Heesch widmet sich dem Anwesen, das Landwirt Hans Angel 1878 erbaut hat. Der pensionierte Redakteur des „Nordschleswigers“ erzählt über die Zeit, als dort, abgeschirmt von der Außenwelt, über 100 deutsche Flüchtlingskinder lebten. 

Die unbegleiteten Kinder waren dort nach dem Zweiten Weltkrieg von April 1945 bis Frühjahr 1947 untergebracht. 

„1946/1947 gab es den kältesten Winter aller Zeiten“, so Volker Heesch. Er weiß von Erzählungen, dass damals in Hoyer Brennholz für Hohenwarte gesammelt wurde.

Mit dem Handwagen kamen einige Flüchtlingskinder täglich zur Meierei, um Milch und Buttermilch zu holen.

Zeitzeugen gewährten einzigartige Einblicke

Hohenwarte in der Zeit, als dort Flüchtlingskinder lebten

Die Unterlagen aus der Zeit seien nicht erhalten, und die Hoyeranerinnen und Hoyeraner hätten seinerzeit nicht viel davon gewusst.

Er habe jedoch das Glück gehabt, mit zwei Zeitzeugen sprechen zu können, durch die ergänzend zu dem Buch von der Ärztin und Historikerin Kirsten Lylloff einige weitere Details bekannt geworden seien.

Die Zeitzeugen – der eine ist inzwischen verstorben – waren vor etwa zehn Jahren im Internet auf Volker Heeschs Artikel über Hohenwarte aufmerksam geworden. Und es kam zu einem Kontakt mit den Flüchtlingskindern aus der damaligen Zeit.

„Obwohl sie ihre Eltern vermissten, denken sie mit Dankbarkeit an ihre Zeit in Hoyer zurück“, erwähnt Heesch.

Jahrzehnte als landwirtschaftliche Versuchsstation

In einem dänischen Film aus der damaligen Zeit gibt es einige Ausschnitte, die das Leben im Kinderflüchtlingslager dokumentieren. 

Hohenwarte diente von 1957 bis 1991 als staatliche landwirtschaftliche Versuchsstation.

Seit 1992 werden dort Ferien auf dem Bauernhof angeboten, und heute finden dort zudem Veranstaltungen und private Feste statt.