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Gösta Toft will Europas Minderheiten anführen

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Gösta Toft
Gösta Toft ist seit neun Jahren im Präsidium der FUEN (Archivfoto).

Gerechtigkeitssinn: Der Apenrader will nach Posten und Ehrenämtern in der deutschen Minderheit auf europäischer Ebene ganz vorn mitmischen. Für ihn geht es ums Prinzip: Minderheiten sollen in der Ukraine genauso fair behandelt werden wie in Dänemark. Ein Gespräch über eine Bewerbung mit 74.

Gösta Toft aus Apenrade will nach neun Jahren als Vize im Herbst zum Präsidenten der europäischen Minderheiten-Organisation FUEN gewählt werden. Der Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat am Montag beschlossen, ihn zu nominieren.

Toft würde den Ungarn aus Rumänien, Loránt Vincze ablösen, der nach neun Jahren an der Spitze turnusgemäß ausscheidet. Einziger bisher bekannter Mitbewerber des 74-jährigen Nordschleswigers Toft ist der 69-jährige Jens Albertsen Christiansen aus Südschleswig. Er hat angekündigt, als Generalsekretär des kulturellen Dachverbandes der südschleswigschen Däninnen und Dänen, SSF, in den Ruhestand zu gehen.

Im telefonischen Interview erklärt Gösta Toft, weshalb er die FUEN mit ihrer Zentrale in Flensburg künftig leiten will.

Gösta, was ist deine Motivation, jetzt für das Amt des FUEN-Präsidenten zu kandidieren?

Das sind vor allem die Erfahrungen, die ich in der europäischen Minderheitenpolitik gesammelt habe. Zunächst im European Bureau for Lesser Used Languages, wo ich viel mit der EU zu tun hatte. Seit 2016 bin ich im Präsidium der FUEN aktiv und habe dort an vielen Anliegen auf europäischer Ebene gearbeitet. Besonders wichtig war für mich die Arbeit an der Minority SafePack Initiative. Jetzt geht es darum, einen Standard für Minderheitenrechte zu schaffen und diese langfristig weiterzuentwickeln. Das ist ein zentrales Anliegen für mich.“

Der bisherige Präsident, Loránt Vincze, hatte durch seine Position im EU-Parlament einen direkten Draht zur europäischen Politik. Wie willst du die Zusammenarbeit zwischen der FUEN und Institutionen wie der EU oder dem Europarat aufrechterhalten oder sogar stärken?

Ich glaube, eine Möglichkeit, das zu stärken, ist es, die Kräfte auf europäischer Ebene zu bündeln. Es gibt viele verschiedene Initiativen und Organisationen – hier brauchen wir ein Gesamtkonzept, das mehr Durchschlagskraft hat. Natürlich wird es nicht leichter mit der jetzigen EU-Kommission und den politischen Gegebenheiten im Europäischen Parlament. Aber wir müssen auch die nationalen Regierungen stärker in die Pflicht nehmen, sich für Minderheitenrechte einzusetzen.“

Du hast selbst gesagt, dass du nicht mehr der Jüngste bist. Warum bist du dennoch der richtige Kandidat für dieses Amt?

Ich fühle mich bereit und habe klare Vorstellungen davon, wie ich die FUEN weiterentwickeln kann. Meine langjährige Erfahrung innerhalb der Organisation gibt mir eine solide Grundlage – sowohl für die interne Arbeit als auch für den Auftritt nach außen. Ich sehe die FUEN als eine Einheit mit starken Mitgliedsorganisationen, deren Potenzial wir noch besser nutzen können.“

Du bist vernetzt sowohl mit Minderheiten aus Westeuropa als auch aus Osteuropa. In der FUEN, wie auch in der übrigen Politik, gibt es eine spürbare politische Kluft zwischen Ost und West. Wie willst du Brücken zwischen diesen Regionen schlagen?

„Ich vertrete weiterhin das deutsch-dänische Grenzland und die deutsche Minderheit in Nordschleswig – das bleibt auch in Zukunft so. Gleichzeitig setze ich mich dafür ein, eine Balance zwischen Ost- und Westeuropa zu schaffen. Das bedeutet nicht, dass ich weniger für die Interessen osteuropäischer Minderheiten eintrete. Der Integrationsprozess ist entscheidend. Wir müssen Länder wie Serbien oder die Ukraine unterstützen – beide streben eine engere Verbindung zu Europa an. Gleichzeitig sollten wir uns darauf konzentrieren, mehr Mitgliedsorganisationen aus Westeuropa zu gewinnen.“

Kannst du Beispiele nennen? Wo gibt es in Westeuropa Potenzial für neue Mitglieder?

„Die Sami im Norden Europas und die Basken im Süden sind zwei Beispiele von Minderheiten, die noch nicht Teil der FUEN sind. Wir müssen zeigen, dass wir ihre Interessenvertretung sein können – besonders für Gruppen wie die Sami, die als einzige Urbevölkerung Europas gelten.“

Gösta Toft

Gösta Toft

Wenn du einmal auf deine mögliche Präsidentschaft zurückblickst – was möchtest du erreicht haben?

„Ich möchte auf eine FUEN blicken, die noch sichtbarer und stärker im Bewusstsein auf europäischer Ebene verankert ist. Es geht darum, nicht nur Probleme hervorzuheben, sondern auch den Mehrwert von Minderheitenrechten zu betonen – wie etwa den wirtschaftlichen Nutzen durch regionale Zusammenarbeit.“

Ist die FUEN in deiner Heimatregion Nordschleswig ausreichend sichtbar?

„Ganz und gar nicht. Hier gibt es viel Luft nach oben. Ich würde mir wünschen, dass die FUEN stärker wahrgenommen wird – sowohl vom Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger als auch von den einzelnen Ortsvereinen.“

Bald wird es einen neuen Vorsitzenden des BDN geben. Welche Rolle sollte diese Person, einziger Kandidat bisher ist Stephan Kleinschmidt, auf europäischer Ebene spielen?

„Der oder die neue Vorsitzende sollte sich aktiv in die europäische Minderheitenpolitik einbringen. Ein Beispiel ist die geplante Zentralisierung von EU-Strukturmitteln – das betrifft uns alle direkt. Hier müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Bisher sind wir Minderheiten im Grenzland mit dabei, wenn es um die Verteilung von Interreg-Fördermitteln geht. Das soll sich ändern und kann viele Minderheiten in Europa negativ betreffen.“

Apropos Zusammenarbeit – Jens A. Christiansen tritt ebenfalls für das Amt des FUEN-Präsidenten an. Warum gibt es zwei Kandidaten aus dem deutsch-dänischen Grenzland?

Das liegt daran, dass wir beide Ambitionen haben, uns für europäische Minderheitenpolitik starkzumachen. Konkurrenz belebt das Interesse an der Organisation und stärkt letztlich auch die Legitimität des gewählten Präsidenten. Wir haben das nicht abgesprochen, ich freue mich aber über andere Kandidatinnen und Kandidaten und würde mich freuen, wenn noch mehr kandidieren würden.“

Wie viel Zeit wirst du noch in Nordschleswig verbringen können, wenn du gewählt wirst?

Ich bin jetzt schon häufig unterwegs und glaube nicht, dass sich das stark ändern wird. Das Büro der FUEN liegt ja in Flensburg – also ganz in der Nähe.“

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