Kommunalwahl 2025

Frischer Wind im Stadtrat: Victor Terp startet mit 22 durch

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Victor Puck Terp gab am 4. Dezember sein Debüt als Kommunalpolitiker.

Zittern statt Jubel: Während ganz Dänemark auf die Nationalelf schaute, erwartete ein 22-Jähriger sein politisches Schicksal: Victor Terp steigt als jüngstes Mitglied der SP-Fraktion in den Tonderner Stadtrat ein und bringt Social-Media-Schwung, neue Ideen und viel Demut mit. Gehen Politik, Beziehung und Zukunftspläne überhaupt unter einen Hut?

Victor Puck Terp ist mit 22 Jahren das jüngste Mitglied der Schleswigschen Partei (SP) im Stadtrat von Tondern. Als er sich im August zur Kandidatur entschloss, hätte er nicht im Traum gedacht, dass er tatsächlich gewählt werden würde. Doch der Wahlkampf packte ihn – und ließ ihn seinen Platz in der Lokalpolitik finden.

Die gemeinsame Arbeit mit den anderen SP-Kandidatinnen und -Kandidaten habe ihm „großen Spaß“ gemacht, erzählt er. Besonders die Auftritte mit Spitzenkandidat Jørgen Popp Petersen hätten ihn darin bestätigt, wie wichtig es sei, dass auch junge Menschen im Stadtrat vertreten sind. „Wir müssen unserer Generation eine Stimme geben“, sagt er.

Gegenseitige Befruchtung

Auf den Touren mit dem SP-Käfer produzierte Victor Terp kleine Videos, in denen er Jørgen Popp Petersen interviewte. Den groben Schnitt hat er selbst vorgenommen. Seine Freundin hat dann letzte Hand ans Werk gelegt. „Sie hat absolut mehr Flair für den Feinschliff“, sagt er schmunzelnd. Die Clips liefen in den sozialen Medien ausgesprochen gut. 

Während Victor und seine Altersgruppe mit Bewegtbild und Social Media aufgewachsen sind, hat sich Popp Petersen diese Werkzeuge im Laufe seiner politischen Arbeit angeeignet. „Von ihm stammte übrigens die Idee mit dem Spaziergang durch die Tonderner Altstadt und dem Fragenhagel. Er hatte etwas Ähnliches auf TikTok gesehen“, verrät Victor Terp. Die spontane Form sei nur gelungen, weil Jørgen Popp Petersen die Fragen vorher nicht bekannt gewesen seien. „Für die Fragen habe ich mir übrigens Hilfe von außen geholt“, gesteht er lachend.

Victor will seine Hemdsärmel aufkrempeln

Victor Puck Terp (2. v. l.) sitzt zwischen Jakob Tästensen (der bei der Konstituierungssitzung von Lorena Otto Pedersen, l., vertreten wurde) und Claus Hansen (3. v. l.).

Am 4. Dezember hatte Victor Terp sein Debüt bei der Konstituierung des Stadtrates. Sein Platz im Ratssaal steht künftig zwischen den Parteikollegen Claus Hansen und Jakob Tästensen, die er aus Lügumkloster (Løgumkloster) gut kennt. „Beides Personen, an die man sich getrost anlehnen kann. Claus Hansen ist früheres Kommunalratsmitglied, und Jakob war als Stellvertreter auch schon ein paar Mal dabei“, sagt er. Doch klar ist ihm auch: „Ich muss meine eigenen Erfahrungen machen. Ich weiß noch nicht genau, wie viel Arbeit auf mich zukommt – aber ich bin bereit, die Ärmel hochzukrempeln.“ Mangelnde Erfahrung wolle er mit Engagement und Einsatz wettmachen.

„Es ist vielleicht ein wenig ungewöhnlich, dass ich als Neuling im Alter von 22 Jahren stellvertretender Vorsitzender im Kultur- und Freizeitausschuss geworden bin“, sagt Victor Terp, doch das Amt schreckt ihn nicht. Vorsitzender ist René Andersen von der Tondern-Liste (Tønder Listen), und der hat das Amt schon zwei Legislaturperioden bekleidet. „Wie ich erfuhr, hat er in den acht Jahren nicht eine einzige Sitzung verpasst. Jan Fogh von der Partei Venstre, der aktuell noch den stellvertretenden Vorsitz innehat, sagte mir, dass man als Stellvertreter von René eigentlich nur eine einzige offizielle Aufgabe hat, nämlich beim Julefrokost ,Skål‘ zu rufen, und ich denke, das kriege ich hin“, sagt Terp augenzwinkernd.

Junger Ausschuss

„Ohne es genau ausgerechnet zu haben, aber ich denke, dass der Kultur- und Freizeitausschuss von allen Fachausschüssen in Tondern das jüngste Durchschnittsalter hat“, sagt Victor Terp. Mit seinen 22 Jahren ist er nämlich noch nicht einmal das jüngste Ausschussmitglied. Das ist der 19-jährige Mads-Magnus Dam von der Dänischen Volkspartei. „Auch wenn wir verschiedene Parteien repräsentieren und auf vielen Gebieten politisch äußerst uneinig sein dürften, so denke ich, dass wir in Sachen Kultur und Freizeit ähnlich ticken. Wir wollen beide beste Bedingungen schaffen – für die Jugend, aber auch für alle anderen“, stellt Victor Terp fest.

Sportlich ist Victor breit interessiert: „Eigentlich kann ich mich für jede Sportart begeistern“, sagt er. Victor hat einige Jahre Handball gespielt und ist leidenschaftlicher Fußballer. Dennoch konnte er sich am Abend des 18. November während der Fahrt vom Wahllokal in Reisby (Rejsby) ins Rathaus nicht so recht auf das wichtige WM-Qualifikationsspiel der dänischen Nationalelf gegen Schottland konzentrieren.

Zittern am Wahlabend

Sieht mit Demut und ganz viel Lust seinen neuen Aufgaben als Kommunalpolitiker entgegen: Victor Puck Terp.

„Auf dem Weg habe ich auch die Wahlauszählung verfolgt. Als sich abzeichnete, dass die SP die Mandatszahl von vier auf acht Sitze verdoppeln würde, fing ich an zu zittern: Mir wurde klar, dass ich gewählt sein könnte. Ziemlich sicher sogar. Ich war deshalb nicht wirklich überrascht, als später dann im Rathaus mein Name verlesen wurde, stand aber dennoch ein wenig unter Schock“, gibt er Einblicke in sein Gefühlsleben in der Wahlnacht.

Eigentlich hatte Victor Terp vor, im kommenden Jahr ein Studium zu beginnen. Seine Freundin absolviert derzeit ein Praktikum als Schiffsführerin und wird im Frühjahr an der Marineakademie in Svendborg ihre Ausbildung starten. Seine Wahl in den Kommunalrat von Tondern habe ihre gemeinsamen Pläne durcheinandergewirbelt – aber nicht ins Wanken gebracht. „Wenn einem so eine einzigartige Chance geboten wird, will ich sie auch nutzen“, sagt der 22-Jährige. „Ich werde meine politischen Aufgaben mit Dankbarkeit und Demut angehen.“ Er ist überzeugt, dass das Paar auch die Logistik seiner Beziehung in den Griff bekommen wird.