Deutsche Minderheit

Erwin Andresen will die Schleswigsche Partei mitgestalten

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Erwin Andresen
Erwin Andresen bewirbt sich um den Posten des Vorsitzenden der Schleswigschen Partei.

Erwin Andresen kandidiert gemeinsam mit Dorthe Andresen und Randi Damstedt für den Vorsitz der Schleswigschen Partei. Im Gespräch erklärt er, warum er Verantwortung übernehmen will, wie eine Dreierspitze arbeiten soll – und warum Dialog und Struktur für ihn künftig im Mittelpunkt stehen.

Seit Jahren diskutiert die Schleswigsche Partei (SP) über ihre künftige Führung. Nun liegt ein konkreter Vorschlag vor: Erwin Andresen stellt sich gemeinsam mit Dorthe Andresen und Randi Damstedt als Dreierteam zur Wahl. Für Andresen ist genau diese Konstruktion der entscheidende Anstoß gewesen, noch einmal Verantwortung zu übernehmen, nachdem er im vergangenen Jahr schon kurz davor war, seine politische Laufbahn zu beenden.

„Wir diskutieren den Vorsitz in der SP eigentlich schon seit etlichen Jahren – wie das aussehen kann und wie man das machen kann“, sagt er. Allein neben der Kommunalpolitik den Parteivorsitz zu tragen, habe er sich nicht vorstellen können. „Neben der Kommunalpolitik noch den SP‑Vorsitz zu übernehmen, das wäre, glaube ich, ein zu großer Schritt gewesen.“

Erst das Modell mit drei Kandidierenden habe ihn überzeugt. „Der Grund, warum ich jetzt Ja gesagt habe, ist eigentlich die Konstruktion zu dritt.“

Mehr Dialog mit Verbänden und Kommunen

Was ihn an der Aufgabe reizt, beschreibt Andresen klar: „Mich interessiert der Dialog mit unseren Verbänden und mit dem BDN (Bund Deutscher Nordschleswiger, d. Red.) – in Bezug auf den Mehrwert für die Minderheit, aber auch auf den Mehrwert für die Kommunen.“ Gerade in der Kommunalpolitik sehe er sein Feld. Dort wolle er helfen, Strukturen aufzubauen – „aber nur im engen Dialog mit allen Teilen der Minderheit“.

Für ihn geht es dabei weniger um öffentliche Auftritte als um Organisation. „Ich muss nicht immer auf der Treppe stehen und auf allen Bildern sein“, sagt er. Wichtiger sei, dass der Vorsitz dort präsent sei, „wo der Vorsitzende als Vorsitzender agiert“, und dass sich das Dreierteam die Aufgaben gezielt aufteilt.

Erwin Andresen bei einer Wahlkampfveranstaltung im vergangenen Jahr (Archiv)

„Ein Vorsitz in der SP beinhaltet so viele Aufgaben, dass wir uns genau überlegen müssen, wie wir eine Einteilung machen“, sagt Andresen. Ziel sei eine klare Rollenverteilung: Wer vertritt wann die Partei nach außen, wer kümmert sich um Organisation, wer um strategische Fragen.

Lehren aus der Schulpolitik

Ein zentrales Beispiel für die Bedeutung von Kommunikation sieht Andresen in der Schulpolitik. Als über mögliche Schulschließungen diskutiert wurde, hätten sich viele Eltern direkt an die Partei gewandt. „Wo seid ihr denn jetzt, was macht ihr? – diese Frage kam sehr schnell.“ Dabei sei die Entscheidung nicht von der Partei getroffen worden. „Es ist eine Entscheidung des DSSV, da müssen wir nicht gefragt werden. Aber für die gute Zusammenarbeit ist es wichtig, dass der Dialog vorneweg da ist.“ Da müsse die Kommunikation innerhalb der Verbände besser werden.

Gerade im Wahlkampf könnten solche Themen große Unruhe auslösen. „Obwohl die Entscheidung nicht getroffen war, fühlten sich Eltern sofort unter Druck gesetzt. Dieser Spagat darf gern kleiner sein“, sagt er.

Gleichberechtigung als Leitlinie

Inhaltlich hält Andresen an der Gleichberechtigung der Minderheit und ihrer Verbände fest. „Mein Mantra ist schon immer die Gleichberechtigung gewesen. Ich bin nicht der Meinung, dass wir übervorteilt werden sollten – aber wir müssen diese Gleichberechtigung erreichen“, sagt er mit Blick auf die Kommunalpolitik. Politische Entscheidungen ließen sich jedoch nicht immer ohne Kompromisse umsetzen. „Um politische Ziele zu erreichen, muss man Kompromisse eingehen können.“

Wichtig sei deshalb der Dialog nach innen. „Warum trifft die SP Entscheidungen, die für Mitglieder der Minderheit manchmal untragbar sind? – Das muss man erklären.“ Nur so lasse sich Vertrauen sichern.

Warum trifft die SP Entscheidungen, die für Mitglieder der Minderheit manchmal untragbar sind? – Das muss erklärt werden.

Erwin Andresen

Balance zwischen Minderheit und Mehrheit

Auch in der Sprachen- und Minderheitenpolitik plädiert Andresen für Augenmaß. „Wenn der Staat sich zu etwas verpflichtet, dann darf er die Kosten nicht einfach auf die Kommunen abwälzen“, sagt er. Forderungen müssten immer mit finanzieller Unterstützung verbunden sein. „Wenn der Staat Aufgaben verteilt, dann muss er auch Geld mitschicken.“

Zugleich warnt er vor einer Politik ohne Rücksicht auf die Mehrheitsbevölkerung. Wichtig sei Fingerspitzengefühl – und der Blick auf die Akzeptanz vor Ort.

Junge Kandidierende als Zukunft der Partei

Besonders positiv blickt Andresen auf den Nachwuchs. Der jüngste Wahlkampf habe gezeigt, wie stark junge Kandidatinnen und Kandidaten auftreten. „Sie zeigen Haltung, sie wissen, wovon sie reden, und sie tragen die Themen der Minderheit mit.“ Für ihn steht fest: „Das ist die Zukunft.“ Er wolle die Zusammenarbeit mit den Jungen Spitzen, um so eine neue SP-Generation zu fördern.

Verantwortung gemeinsam tragen

Noch legt Andresen keine fertigen Konzepte vor. Er will zunächst Gespräche mit dem bestehenden Vorstand und den Mitgliedern führen. „Wir kommen nicht mit fertigen Ideen. Wir wollen sie zusammen entwickeln.“

Klar ist für ihn aber schon jetzt das Ziel: Die Schleswigschen Partei soll ihren Mehrwert deutlicher zeigen – nach innen und nach außen. „Warum ist die SP da? Was kann sie in der Kommunalpolitik leisten? Und was kann die Minderheit für die Kommunen beitragen?“

Die kommenden Monate will er nutzen, um diese Fragen gemeinsam in Gesprächen mit dem bisherigen und dem neuen Vorstand zu klären. „Die Aufgaben sind so vielfältig, dass man sie besser im Team löst“, sagt Andresen – und setzt dabei bewusst auf die Dreierspitze.