Deutsche Minderheit

Erfalasorput weht am Haus Nordschleswig und auf dem Knivsberg

Veröffentlicht Geändert
Die grönländische Flagge weht auf dem Knivsberg.
Die grönländische Flagge weht auf dem Knivsberg (Symbolbild).

Die deutsche Minderheit setzt ein Zeichen der Solidarität und des Respekts und hisst die Flagge Grönlands. Das grönländische Volk stehe nicht allein, sagt Mitinitiatorin der Aktion auf dem Knivsberg und am Haus Nordschleswig, Büchereidirektorin Claudia Knauer.

„Wir zeigen Flagge. Wir stehen an Grönlands Seite“, sagt Büchereidirektorin und Kandidatin für den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Claudia Knauer, zu dem symbolischen Akt. Der Deutsche Jugendverband für Nordschleswig und die Zentralbücherei in Apenrade (Aabenraa) haben die grönländische Flagge als Symbol für Solidarität und Respekt gehisst. Auf dem Knivsberg (Knivsbjerg) und vor dem Haus Nordschleswig weht seit Freitag die Erfalasorput („Unsere Flagge“). 

Eine kleine Geste des Zusammenhalts

Die Flagge Grönlands

Die Flagge zeigt zwei gleich breite waagerechte Bänder, von denen das obere weiß und das untere rot ist. Darüber liegt, leicht zum Mast verschoben, eine große Scheibe, deren obere Hälfte rot und untere Hälfte weiß ist. 

Der weiße Streifen repräsentiert die Gletscher des Landes, der rote Streifen den Ozean. Der rote Halbkreis symbolisiert die Fjorde, der weiße Halbkreis die Eisberge und das Packeis. Alternativ zeigt die Flagge die untergehende Sonne, wenn sie halb hinter dem Horizont versunken ist und sich im Meer spiegelt. Die Farbwahl weist auf die jahrhundertelange Verbundenheit mit Dänemark hin, während das Fehlen des skandinavischen Kreuzes die Eigenständigkeit gegenüber Dänemark repräsentiert.

Die Flagge wurde 1985 eingeführt, nach dem Grönland offiziell größere Autonomierechte innerhalb des Königreichs Dänemark erhalten hatte. Das Design stammt von dem grönländischen Lehrer, Künstler und Politiker Thue Christiansen (1940-2022). Christiansen besuchte das Lehrerseminar in Hadersleben (Haderslev), das er 1964 abschloss. Von 1964 bis 1967 arbeitete er als Lehrer in Woyens (Vojens), bis er nach Grönland zurückkehrte.

Es ist eine ganz kleine Geste, die aber in der Gesamtheit aller Gesten zeigt: Dänemark und Grönland stehen nicht allein.

Claudia Knauer

Man versuche, gerade auch durch Walter Turnowskys Vorträge, zu verstehen, wie man auf Grönland lebe und fühle. „Wir sind nicht Grönländer, die allermeisten von uns werden dort nicht gelebt haben. Aber als Minderheit, wobei Grönländer keine Minderheit sind, haben wir natürlich auch eine Idee davon, wie es sein kann, unter Druck zu geraten oder zu sein.“ 

Es sei einfach notwendig, Flagge zu zeigen. „Es ist eine ganz kleine Geste, die aber in der Gesamtheit aller Gesten zeigt: Dänemark und Grönland stehen nicht allein. Deshalb bin ich Thore (Naujeck, Anm. d. Red.) sehr dankbar, dass er diese Flaggen besorgt hat.“ Der Leiter der Bildungsstätte Knivsberg hatte die Idee zu der symbolischen Aktion. 

Schleswigsche Partei unterstützt Aktion

Die Flagge Grönlands auf dem Knivsberg.
Die Flagge Grönlands weht auf dem Knivsberg.

„Grönland ist ein unabhängiges Volk mit dem Recht, selbst über seine Zukunft zu entscheiden“, heißt es von der Schleswigschen Partei (SP) in einem Facebook-Beitrag. Das Selbstverwaltungsgesetz in der Reichsgemeinschaft biete seit 2009 einen Rahmen für den Weg, den die Grönländer Schritt für Schritt gehen. Und diesem Weg müsse mit Respekt begegnet werden – nicht mit Druck oder Überredungsversuchen.

„Als deutsche Minderheit in Nordschleswig wissen wir, wie wichtig es ist, für das, was man ist, anerkannt und respektiert zu werden – und seine Kultur und Sprache in Freiheit leben zu können. Grönland ist keine Minderheit und möchte auch nicht als solche angesehen werden. Es ist ein Volk mit einem eigenen Land. Wir unterstützen die Botschaft: Respekt für Grönland. Respekt für Selbstbestimmung. Respekt in der Gemeinschaft.“

Wie lange die Flagge wehen soll, muss noch besprochen werden, so Knauer. „Aber im Grundsatz tendiere ich dazu, sie länger hängen zu lassen. Die Krise ist nicht vorbei, wie Mette Frederiksen so richtig sagte.“