Deutsche Minderheit

Enttäuscht: Aber so geht Christel Leiendecker ins neue Jahr

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Christel Leiendecker (Schleswigsche Partei)

Acht Jahre lang hat sich Christel Leiendecker als engagiertes Stadtratsmitglied der Schleswigschen Partei für Kultur, Zusammenarbeit und nachhaltige Ergebnisse eingesetzt. Ihr Motto lautet: „Zusammen sind wir stark. Zusammen schaffen wir das.“ Das neue Jahr wird für sie ein Wendepunkt. Was bedeutet das vorläufige Adieu zur Stadtratspolitik? Das verrät sie dem „Nordschleswiger“ in ihren Antworten auf fünf Fragen.

Du wurdest im November bei der Kommunalwahl nicht wiedergewählt. Wie hast du das Ergebnis empfunden?

„Das Wahlergebnis war für mich sehr enttäuschend. Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, so wenige Stimmen zu bekommen. Natürlich weiß man, dass Politik nie selbstverständlich ist, aber es hat mich getroffen. Für die Schleswigsche Partei war diese Wahl insgesamt schwierig. Wir sind weder klar blau noch rot, und das wird uns manchmal auch zum Nachteil ausgelegt. Trotzdem stehe ich zu diesem Weg.“

Acht Jahre Kommunalpolitik, vier Jahre Ausschussvorsitz. Was war dein größter Erfolg, und wird dir die Arbeit fehlen?

„Ich finde, wir haben in diesen Jahren viel erreicht. Mir war immer wichtig, einen soliden Grundstock zu legen, auf dem andere weiter aufbauen können. Besonders für das DGI-Landestreffen 2029 habe ich sehr gekämpft, das war ein Prozess über vier Jahre, und es hätte auch scheitern können. Aber der Bürgermeister stand hinter mir und hinter der SP, und schließlich haben sich 29 Stadtratsmitglieder dafür entschieden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Frauenfußball. Wir haben jetzt die finanziellen Mittel bereitgestellt, um langfristig höhere Ziele verfolgen zu können. Auch die Rettung von Dybbøl Banke war mir ein großes Anliegen. In enger Zusammenarbeit mit der Regierung haben wir gezielt daran gearbeitet, diese historische Stätte zu sichern, mit dem Fonds allein hätte es nicht gereicht. Jetzt ist das Geld da.

Das sind für mich die markantesten Ergebnisse der letzten eineinhalb Jahre. Und ja: Die politische Arbeit wird mir fehlen.“

Wie geht es politisch weiter? Kandidatur 2029?

Das Historiecenter Dybbøl Banke lockt jedes Jahr viele Touristinnen und Touristen nach Sonderburg.

„Ich werde weiterhin für die Stadtentwicklung arbeiten. Man wird mich im Rathaus weiterhin spüren. Themen wie ein Gesundheitshaus für Broacker lasse ich nicht einfach liegen, dafür werde ich sorgen.

Ob ich 2029 noch einmal als Kandidatin antrete, weiß ich im Moment ehrlich gesagt nicht. Die Enttäuschung sitzt noch tief. Ich frage mich: Will ich wieder ganz vorne stehen oder eher unterstützen? Diese Entscheidung brauche ich mir jetzt noch nicht abzuverlangen. Ich muss mein Leben nach der Wahl neu ordnen und erst einmal sehen, wo ich stehe.“

Wie viel Zeit hat dich die Ratsarbeit gekostet – und wofür nutzt du sie jetzt?

Christel Leiendecker und ihre Tochter Sarah gingen im November bei der Kommunalwahl gemeinsam an den Start.

„Für mich war die Ratsarbeit ein Fulltime-Job. Präsenz war mir wichtig: bei Sportveranstaltungen, im Theater, bei Konzerten. Ich wollte zeigen, dass die Menschen und ihr Engagement gesehen werden. Das war im Grunde eine Sieben-Tage-Woche, neben Beruf und Familie.

Jetzt stehen erst einmal meine Enkelkinder an erster Stelle. Ich möchte wieder mehr auf meine Gesundheit achten, ins Fitnesscenter gehen und mir Zeit für mich selbst nehmen. Ich habe gemerkt: Ich muss mich wieder um mich kümmern. Ein Leben leben.“

Neujahrswunsch oder -vorsatz?

„Mein Wunsch ist ganz klar: an mich denken und eine gute Balance finden. Gesundheit spielt dabei eine große Rolle. Wenn ich in den Vorstand des DGI käme, wäre das für mich etwas ganz Besonderes, das liegt mir sehr am Herzen. Dass ich beim DGI-Landesturnier in Sonderburg nicht an der Spitze stehen kann, macht mich schon traurig. Beruflich schaue ich, wie ich mich weiterentwickeln möchte. Seit drei Jahren arbeite ich mit 32 Stunden als administrative Koordinatorin beim Deutschen Schul- und Sprachverein.

Im Moment genieße ich es aber auch, dass mein Kalender leerer ist. Ich kann meiner Tochter am Wochenende im Haus helfen – das war früher oft nicht möglich. Darauf freue ich mich.“

Christel Leiendecker wurde an Heiligabend 61 Jahre alt.