Deutsche Minderheit

Eltern geben dem Kindergarten Tingleff noch einen Vertrauensvorschuss

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Deutsche Kindergärten in der Kommune Apenrade, darunter die Einrichtung in Tingleff, stehen in der Kritik (Archivfoto).

Die Verantwortlichen des Kindergartens Tingleff und des übergeordneten Distrikts DKA skizzierten bei einem Elternabend Lösungsansätze, um zu einem geregelten und Vertrauen schaffenden Betrieb zurückzufinden. Frustrierte Eltern, darunter Anna und Stig Kindberg, wollen den Ansätzen eine (letzte) Chance geben.

Es rumort seit geraumer Zeit im Kindergarten Tingleff und in anderen Einrichtungen des Verbundes DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade). Eltern bemängeln Personalwechsel, fehlende Struktur und ein schlechtes Betriebsklima. Der Frust gipfelte in Abmeldungen. Auf einem weiteren Elternabend am Montagabend haben Vertreterinnen und Vertreter des Tingleffer Kindergartens, des übergeordneten Distrikts DKA und des Deutschen Schul- und Sprachvereins zu verdeutlichen versucht, wie man die Situation in den Griff bekommen will.

Die Probleme und der Handlungsbedarf seien erkannt worden, und die Lösungsansätze, die beim Elternabend vorgebracht wurden, klangen vielversprechend und nachvollziehbar. Nun bleibe zu hoffen, dass die Ansätze möglichst schnell umgesetzt und auch fruchten werden. „Wir wollen den Bemühungen noch einmal Zeit bis zum Sommer geben und dann schauen, ob es besser geworden ist. Wir würden es bedauern, unsere Tochter herauszunehmen, weil keine Veränderung erkennbar ist. Wir wollen den Ansätzen aber noch einmal einen Vertrauensvorschuss geben“, so die Worte von Anna Kindberg.

Sie und ihr Mann Stig haben öffentlich auf die ungeordneten Verhältnisse im Tingleffer Kindergarten und auf die einhergehende Frustration in der Elternschaft und im Mitarbeiterstab hingewiesen, die in jüngster Zeit zu Abmeldungen geführt haben. Kritikpunkte waren und sind eine unklare Personalsituation, fehlende Struktur und angespanntes Arbeitsklima in der Einrichtung.

Anna Kindberg (Foto) und auch ihr Mann Stig wollen den Lösungsansätzen für die Rückkehr zu einem angenehmen Kindergartenalltag in Tingleff eine Chance geben (Archivfoto).

Zufriedenheit und Wohlbefinden schaffen

Beim Elternabend in Tingleff wurden die Kritikpunkte aufgegriffen und dazu Lösungsansätze präsentiert. Am Treffen nahmen Tingleffs Leiterin Mette Muurholm, die kommissarische DKA-Distriktleiterin Heidi Ullrich, der Geschäftsführer des Kindergartenbereichs im Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV), Stefan Sass, sowie DSSV-Kindergartenausschussvorsitzende Maria Harbo teil.

„Beim Elternabend berichtete Konsulentin Nete Kaasen darüber, wie in der Belegschaft ein konstruktives Miteinander gefördert und dabei Zufriedenheit und Wohlbefinden geschaffen werden soll. Sie verwies auf das Projekt in den deutschen Kindergärten in Sonderburg, das nun auch in der DKA durchgeführt wird. Für mich war das die wichtigste Botschaft des Abends. Kontinuität und gutes Arbeitsklima beim Personal sind ein wichtiger Schlüssel, um die Situation in den Griff zu bekommen“, so Anna Kindberg.

Den Blick nach vorn richten

Sie und ihr Mann Stig stimmen darüber ein, dass man nicht mehr auf die eingeräumten Fehler der vergangenen Monate fokussieren, sondern den Blick mit klaren Zielsetzungen nach vorn richten sollte. Diese müssen für eine Kehrtwende allerdings schnell greifen, „denn die Zeit drängt“, gibt Anna Kindberg bei allem Vertrauensvorschuss zu Bedenken.

Dass den Lösungsansätzen Vertrauen geschenkt wird, freut DSSV-Ressortleiter Stefan Sass. Er sei mit einem positiven Gefühl aus dem Elternabend gegangen. „Es sind wesentliche Dinge angesprochen worden, und mein Eindruck ist, dass die Eltern vieles mitnehmen konnten. Wie Konsulentin Nete Kaasen es treffend sagte, wollen wir alle das Gleiche: einen funktionierenden Kindergarten, der alle zufriedenstellt. Daran wollen wir arbeiten“, so Sass.

Schritt für Schritt

Er macht keinen Hehl daraus, dass die angestrebten Optimierungen nicht von heute auf morgen umgesetzt sind. Das Vertrauen sowohl bei den Eltern als auch im Mitarbeiterstab müsse Stück für Stück wieder aufgebaut werden. „Wir sind aber auf einem guten Weg“, meint Sass, der wie Distrikleiterin Heidi Ullrich einem festen Personalstamm eine Schlüsselrolle beimisst.

„Wir sind bemüht, in den Einrichtungen etwas neu aufzubauen, und unser Ziel ist es, die Mitarbeitenden zu halten. Eine Garantie, dass Mitarbeitende doch wieder einen anderen Weg einschlagen, hat man aber nie“, so der Abteilungsleiter zur Herausforderung, geeignete Mitarbeitende für die deutschen Kindergärten zu finden und sie an sich zu binden, was ein gutes Arbeitsklima voraussetzt.

DSSV-Kindergartenabteilungsleiter Stefan Sass hofft auf bessere Zeiten in der Tingleffer Einrichtung und in anderen krisengeschüttelten deutschen Kindergärten.

Daran haperte es. Mitarbeitende, teilweise alteingesessene Erzieherinnen und Erzieher mit Minderheitenverwurzelung, haben DKA-Einrichtungen in Tingleff und an anderen Standorten aus eigenen Stücken verlassen oder mussten gehen.

Fester Personalstamm und Kommunikation

In einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ vor einer Woche hoben Repräsentanten der DKA und des DSSV, darunter Stefan Sass und Heidi Ullrich, bereits einen festen Personalstamm als einen zentralen Punkt der Maßnahmen hervor. Mit diesem Ansatz sollen Ruhe und Kontinuität in den Einrichtungen sichergestellt werden.

Eine intensivere und effektivere Kommunikation innerhalb der Belegschaft und mit den Eltern sind weitere Schwerpunkte des Verbesserungsprozesses. Man setze dabei auf einen konstruktiven Austausch und darauf, dass Probleme frühzeitig angesprochen werden, um sie schnell zu lösen und gar nicht erst Unruhe aufkommen zu lassen, so der Tenor der Verantwortlichen.

Bei einem Gespräch mit dem „Nordschleswiger“ skizzierten DSSV-Kindergartenausschussvorsitzende Maria Harbo, Distriktleiterin Heidi Ullrich, DSSV-Kindergartenabteilungsleiter Stefan Sass und Aljoscha Heitsch, Leiter des Kindergartens Margrethenweg, Lösungsansätze für den Weg aus der Krise in der DKA. Die Ansätze sind auch den Eltern im Tingleffer Kindergarten präsentiert worden, wo der Haussegen besonders schief hängt.

Konstruktiven Austausch führen

Dass die Zeit drängt, sagt auch Kira Hansen Heesch, Vorsitzende der Elternvertretung in Tingleff. Sie sei auch mit einem guten Gefühl aus der Versammlung gegangen. „Es gab einen konstruktiven Austausch. Von den Eltern kam viel Input, und sie bekamen Antworten. Es muss sich jetzt aber zeigen, ob der Handlungsplan den erhofften Effekt hat. Ich bin da aber zuversichtlich“, so Hansen Heesch.

Zum Handlungsplan gehöre jene Verbesserung der Kommunikation intern und nach außen. „Und zwar in beide Richtungen. Es muss eine Zwei-Wege-Kommunikation geben – Kindergarten-Eltern, Eltern-Kindergarten. Wir kommen nur gemeinsam aus den Schwierigkeiten heraus“, betont die Elternvertreterin. Es werde allerdings ein Kraftakt, denn viele Faktoren spielen eine Rolle. Die Ansätze seien aber da.

Kira Hansen Heesch setzt ebenfalls große Hoffnung in den Optimierungsprozess (Archivfoto).

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