Deutsche Minderheit

Ehrenamtliches Engagement hält den Ruderverein Hoyer seit 100 Jahren über Wasser

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Der 100. Geburtstag wurde in einem Zelt gefeiert.

Rund 70 Gäste stießen am Rande der Wiedau auf ein Jahrhundert voller Gemeinschaft, Sport und Minderheitenkultur an – und auf viele weitere Jahre auf dem Vereinswasser.

Ein für den Anlass maßgeschneidertes Banner und das Vierer-Boot bildeten bei der Ankunft der Teilnehmenden zur Jubiläumsfeier des Rudervereins Hoyer den Blickfang.

Und in unmittelbarer Nähe des Vereinswassers stießen die Gäste mit einem perlenden Inhalt in den Gläsern auf den 100. Geburtstag und viele weitere Jahre an.

Während die Teilnehmenden an den maritim geschmückten Tischen mit Sand, Muscheln und gebastelten Zeitungspapier-Schiffen Platz genommen hatten, führte „Sprechstallmeister“ Niels Christian Nielsen ihnen vor Augen, dass 100 Jahre in der Ahnenforschung drei Generationen umfassen.

Eine Anlaufstelle für alte und neue Mitglieder

Mit Sekt stießen die Gäste auf den Verein an.

Aus der jüngeren Generation freute sich Rasmus Bjørn Jessen, stellvertretender Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), beim Geburtstag des ältesten deutschen Rudervereins in Nordschleswig mit von der Partie zu sein. Der ehemalige aktive Ruderer war vor 20 Jahren das erste Mal in Hoyer in ein Boot gestiegen.

Er widmete sich den vielen Freiwilligen, die es benötige, um die Arbeit über Jahre aufrechtzuerhalten. „Ich glaube zu wissen, dass der Ruderverein in Hoyer für viele alte und neue Mitglieder eine Anlaufstelle ist und das Minderheitenleben an der Westküste bereichert“, so Jessen. Die jüngsten Gäste an diesem Tag waren seine Söhne Wilhelm und Lauritz.

Ein Geschenk mit Zukunft

Fleißige Kräfte hatten die Tische maritim dekoriert, und gebastelte Möwen zierten die Zeltwände.

Die Tonderner Bezirksvorsitzende Marie Medow sagte, sie hoffe, dass die Vereinsmitglieder mindestens noch weitere 100 Jahre die Wiedau hoch- und runterrudern werden. Als Mitbringsel gab es eine Grafik, die der Verein zukunftsorientiert zum Beispiel auch für T-Shirts einsetzen kann.

„Ich kenne den Verein seit 20 Jahren. Ich habe ihn immer als sehr gesellig, freundlich und hilfsbereit empfunden. Und gerudert wird auch“, sagte Chris Eisenkrämer in Vertretung des Vorsitzenden des Nordschleswigschen Ruder-Verbands, Jan Georg Hoff.

Als er ein 100-faches Hip-Hip-Hurra ankündigte, befürchteten einige schon, dass der Zeitplan aus den Fugen geraten würde. Doch mit seiner Entwarnung: „Dreimal reicht“ sorgte Eisenkrämer für lächelnde Erleichterung.

Ein Grußwort aus dem Exil

Die BDN-Bezirksvorsitzende Marie Medow zeigte die Grafik, die der Verein auf verschiedene Weise einsetzen kann.

Mit Andreas Cornett überbrachte ein gebürtiger Hoyeraner, der seit vielen Jahren an der Ostküste im Exil lebt, die Grüße und Glückwünsche des Rudervereins aus Apenrade (Aabenraa). „Das Wanderrudern ist für mich der Höhepunkt des Jahres. Wir haben sogar schon mal einen Achter mit nach Hoyer gebracht“, so Cornett.

Er rief frühere Zeiten in Erinnerung und veranschaulichte, wie die damalige Handballtruppe zum Rudern gekommen war. Kennet Drexel, Vertreter des Rudervereins in Hadersleben (Haderslev) gab Erlebnisse preis, bei denen es einen nassen Hosenboden gab.

Ein ganz besonderer Bus fuhr vor

Der Bus transportierte keine Fahrgäste, sondern das Essen.

Mittlerweile hatte ein gelber Bus sich neben dem Festzelt positioniert. Das Gefährt kam nicht etwa mit weiteren Gästen, sondern mit dem Essen. Das ließen sich die etwa 70 Gäste bei anregenden Gesprächen schmecken.

Nach dem leckeren Menü mit Fleisch vom Spanferkel, Salatmix nach freier Wahl und verschiedenen Ausgaben von Erdäpfeln nahm Vorstandsmitglied Volker Heesch die Gäste auf einen interessanten Streifzug durch die Vereinsgeschichte mit.

Wilhelm (l.) und Lauritz verfolgten mit ihrer Oma Veronika Bjørn die Ankunft des Busses.

Dazu hatte er sich eine schwarze Schirmmütze aufgesetzt, wie sie die Ruderer in der Gründungszeit trugen. Die weißen Uniformen, die anno dazumal zum Auftritt der Sportausübenden gehörte, mussten sich die Gäste jedoch visuell vorstellen.

Den „Ruder-Club Hoyer von 1925“ hatten fünf junge Männer am 22. Mai vor 100 Jahren ins Leben gerufen. Es wurde an drei Tagen während der Woche und auch sonntags gerudert.

Vorstandsmitglied Volker Heesch ließ die Vereinsgeschichte lebendig werden.

Das Quintett baute eigenhändig auf der gegenüberliegenden Seite der Wiedau bei Hohenwarte das erste Bootshaus. „Damals gab es ein wildes Treiben auf dem Wasser, da bis 1927 hier auch Raddampfer fuhren“, so Heesch.

Regatten auf dem Ruttebüller See

Die ersten Großtouren wurden nach Munkmarsch auf Sylt gerudert. 1935 wurde der Verein als Ruderabteilung dem Turnverein angegliedert. Damals traten die Mitglieder zu Regatten in Hadersleben und auf dem See in Ruttebüll (Rudbøl) an.

Heesch erwähnte auch das tragische Ereignis im Juni 1952, als bei einer Trainingsfahrt fünf Ruderer ums Leben kamen. Später wurde beschlossen, dass nicht mehr im Wattenmeer gerudert wird.

„Wir können vom Vorstand allen den danken, die durch die Jahre so viel Einsatz geleistet haben. Auch nach 100 Jahren steht die Bude noch, und der Laden läuft weiter. Wir sind zwar alle etwas älter, wir sind aber immer offen für Neue“, so Heesch.

„Ein Verein, der den ganzen Ort bereichert“

100 Jahre RVH mit der Nähmaschine kreiert.
Bürgermeister Jørgen Popp Petersen und Karin Thimsen bei der Ausstellung mit alten Bildern in der Bootshalle.

Nach Kaffee und Kuchen lobte Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (Schleswigsche Partei) den Verein, der den ganzen Ort bereichern würde. Popp war früher bei seinem Großonkel Wolf Lützen zu Besuch gewesen, der das Vereinshaus 1953 gezeichnet hatte. Er war zu der Zeit auch Vorsitzender des Turnvereins Hoyer – und SP-Stadtratsmitglied.

Das ehrenamtliche Engagement, das soziale Miteinander und die Geselligkeit, die neben dem Rudern den Verein 100 Jahre über Wasser gehalten haben, spielten auch bei der gelungenen Jubiläumsfeier eine tragende Rolle.