Deutsche Schule Rapstedt

Drohende Schließung: Der Spagat zwischen Emotionalität und Sachlichkeit

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Möchte sich für den Erhalt der Rapstedter Schule einsetzen: Schulvereinsvorsitzende Christina Buchmeier.

Der Vorstand der Deutschen Schule Rapstedt ist überzeugt, dass die ins Spiel gebrachte Schließung mit vereinten Kräften und guten Lösungsansätzen abgewendet werden kann. Wie die Schulvereinsvorsitzende die Lage einschätzt.

„Wir wollen zusammenstehen und nicht aufgeben. Eine Schließung ist für uns keine Option“, betont Christina Buchmeier, Vorsitzende der Deutschen Schule Rapstedt. Die Einrichtung feiert in diesem Jahr 75-jähriges Bestehen.

Der Vorstand, Schulleiter Jan Röhrig und eine Personalvertreterin haben sich am Montagabend zusammengesetzt, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Der Hintergrund: Der Schul- und Sprachverein für Nordschleswig hatte die Empfehlung verkündet, die Rapstedter Schule und den angrenzenden Kindergarten aus finanziellen Gründen und mangels Perspektive zu schließen.

Eine identische Empfehlung gibt es für die Einrichtungen in Lunden. Die Einrichtungen erhalten die Möglichkeit, bis zum 17. November Konzepte mit Lösungsansätzen einzureichen.

Fassungslosigkeit und Tränen

„Bevor wir unsere weiteren Schritte am Abend besprachen, galt es erst einmal, die Eltern, die Kinder und das gesamte Umfeld zu informieren, bevor sie es aus der Presse erfahren. Es war nicht leicht, den Kindern die drohende Schließung begreiflich zu machen. Es flossen Tränen“, berichtet die Vorsitzende.

„Auch mein Sohn hat bitterlich geweint. Er fühlt sich an der Schule so wohl“, so die Vorsitzende und Mutter, die mit Sohn Majan (11) und ihrem Partner vor drei Jahren von Hamburg nach Nordschleswig gezogen ist.

Auf der Suche nach einer Schule seien sie auf die Rapstedter Einrichtung gestoßen. Ein Glücksfall, wie Christina Buchmeier betont. Die überschaubare Größe, das Miteinander und die Zugewandtheit stachen sofort heraus. „Mein Sohn hat sich gleich zu Hause gefühlt. Es ist eine besondere Schule mit einem besonderen Raum für Kinder. Es wäre ein Jammer, wenn das wegfällt“, so Buchmeier.

Gemeinsam wolle man daher alles daransetzen, es nicht so weit kommen zu lassen.

Mittel und Wege fürs Überleben suchen

Bei der Lösungssuche werde nach Einsparpotenzial im Schulbetrieb und bei der Gebäudeunterhaltung gesucht, in der Hoffnung, die Entscheidungsträger umstimmen zu können.

„Wir werden an so vielen Stellschrauben wie möglich drehen. Wir müssen aber noch herausfinden, wie genau es der DSSV innerhalb der Frist vorgelegt haben möchte. Das klärt sich hoffentlich bei der anberaumten Sitzung am Mittwochabend auf dem Knivsberg“, so Buchmeier.

Auch sie hätte sich einen anderen Prozess mit direktem Austausch gewünscht, um nach Lösungen zu suchen. Die gesetzte Frist komme einem Ultimatum gleich.

„Man hat das Gefühl, gegeneinander und nicht miteinander zu agieren. Ich habe die Gemeinschaft und die Solidarität in der Minderheit anders wahrgenommen als ich herkam und mich dem Schulvorstand in Rapstedt anschloss“, sagt Buchmeier, die nach der jüngsten Generalversammlung mit dem Vorsitz betraut wurde.

Grenzenlos Schrumpfen?

Es habe den Anschein, dass die Minderheit sich auf Kosten kleiner Einrichtungen wie Rapstedt gesundschrumpfen soll. „Wie klein müssen wir aber werden, um gesund zu sein?“, fragt sich die Neu-Nordschleswigerin.

Dass die Finanzen in der Minderheit zusammengehalten werden müssen, stehe außer Frage. Nichtsdestotrotz dürfe man die Gemeinschaft vor Ort und allen voran die Kinder nicht vergessen, die bei einer Schulschließung die Leidtragenden sind.

Wie klein müssen wir aber werden, um gesund zu sein?

Christina Buchmeier

Ein besonderer Ort

„Eine Schule wie Rapstedt ist in der wirren Zeit, in der wir leben, ein besonderer Zufluchtsort und ein Schutzraum, in dem sich die Kinder ungezwungener entfalten können. Das sollte man nicht außer Acht lassen“, betont die Vorsitzende.

Selbst wenn der Kindergarten den Betrieb einstellen sollte, sieht sie eine Daseinsberechtigung und eine Chance für die Schule, wenn es gelingt, die Schülerzahlen zu halten.

„Die Schließung des Kindergartens wäre der Worst Case, doch auch dann glaube ich an das Fortbestehen unserer Schule. Sie hat ein ganz spezielles Umfeld zu bieten.“

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