Deutsche Minderheit

Deutsche Schulen und Kindergärten in Lunden und Rapstedt sollen schließen

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Der Verein der Minderheitenschulen will die Deutsche Schule Rapstedt sowie den angrenzenden Kindergarten zum Schuljahresende schließen – genauso wie seine Einrichtungen in Lunden.

Haushaltskrise: Der Dachverein aller deutschen Schulen und Kindergärten in Nordschleswig zieht Konsequenzen. Er empfiehlt, in Rapstedt und Lunden sowohl die Kindergärten als auch die Schulen zu schließen. Formell können nur die Vorstände vor Ort die Einrichtungen schließen – ihnen bleibt daher noch eine Hintertür.

Der Deutsche Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) spricht sich für die Schließung der deutschen Einrichtungen in Lunden auf Alsen (Als) und in Rapstedt (Ravsted) zum Schuljahresende aus. Das ist eine Folge der Haushaltskrise des Verbandes, der die deutschen Schulen und Kindergärten der Minderheit organisiert.

Zwar ist der DSSV formal die übergeordnete Dachorganisation der Einrichtungen, doch die Entscheidung über die Zukunft eines Kindergartens oder einer Schule liegt letztlich bei den jeweiligen Vorständen vor Ort.

Die Empfehlung sei dem Verein nicht leichtgefallen, betont die seit Sonnabend kommissarische Hauptvorsitzende Kerstin Jürgensen: „Aber sie ist notwendig – alles andere wäre eine Flucht aus der finanziellen Verantwortung.“

Hauptvorsitzender Welm Friedrichsen tritt zurück

Der bisherige Hauptvorsitzende, Welm Friedrichsen, ist emotional eng mit dem Standort Lunden verbunden. Er hat am Sonnabend mitgeteilt, dass er sein Amt niederlegt. Als seine Stellvertreterin übernimmt Jürgensen den Hauptvorsitz bis auf Weiteres.

Wie geht es jetzt weiter?

Zuerst einmal sind die betroffenen Vorstände der Einrichtungen eingeladen, ihre Fragen und Kommentare am Mittwoch, 1. Oktober, mit zu einem gemeinsamen Informationstreffen auf dem Knivsberg zu bringen. Dann beginnt eine Anhörungsphase. Die Vorstände der betroffenen Einrichtungen bekommen bis Mitte November Zeit, auf die Empfehlung des DSSV zu reagieren.

„Sie können jederzeit der Schließung zustimmen“, erklärt DSSV-Geschäftsführer Uwe Jessen. Alternativ könnten sie bis zum 17. November ein Konzept einreichen, das die Hauptvorstände des DSSV und des BDN als Dachorganisationen, davon überzeugt, die Einrichtungen weiterzuführen und Mittel bereitzustellen.

Gelingt dies nicht, werden der DSSV und der übergeordnete Dachverband der deutschen Minderheit, der Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN), keine weiteren Gelder für die beiden Kindergärten und Schulen zur Verfügung stellen. Die entscheidende Anhörung und anschließende Beratung findet am 24. November statt.

Wie kam es zu der Empfehlung?

Ausgangspunkt für die Empfehlung ist eine umfassende Analyse der finanziellen Lage und Strukturen des DSSV, die im Frühjahr gestartet wurde, nachdem ein Millionenloch den Verein in eine tiefe Haushaltskrise gestürzt hatte. Schon früh zeichnete sich ab, dass nicht alle Einrichtungen bestehen bleiben würden: Zum 1. Juni musste bereits der deutsche Kindergarten in Wilsbek (Vilsbæk) schließen.

Damals hatte Uwe Jessen angekündigt, dass weitere Konsequenzen folgen könnten, man aber zunächst die Analyse abwarten wolle. Diese ist nun abgeschlossen – und die Empfehlung zur Schließung der Einrichtungen in Lunden und Rapstedt ist ein zentrales Ergebnis. Dabei unterscheiden sich die Ausgangslagen der beiden Standorte jedoch deutlich.

Eine Frage der Zeit in Rapstedt

In Rapstedt sieht der DSSV eine Entwicklung, die er bereits aus anderen Orten kennt: Sinkende Kinderzahlen im Kindergarten ziehen langfristig auch die Schule in Mitleidenschaft, weil immer weniger Schülerinnen und Schüler nachrücken.

Nach Angaben des DSSV lernen derzeit noch 27 Kinder an der deutschen Schule in Rapstedt. Der Kindergarten zählt aktuell lediglich sechs Kinder.

Ein marodes Gebäude in Lunden

Auch in Lunden gehören Kindergarten und Schule zu den kleinsten Einrichtungen der Minderheit. Derzeit besuchen 33 Kinder die Schule und 17 den Kindergarten – Zahlen, die nach Einschätzung von Uwe Jessen und Kerstin Jürgensen zunächst nicht besorgniserregend wirken, wobei die meisten Kinder aus Lunden nicht im Schulsystem der Minderheit weitermachen, sondern in dänischen Einrichtungen.

Entscheidend ist hier auch der bauliche Zustand: Rund acht Millionen Kronen wären nötig, um das Schulgebäude zu sanieren und den Betrieb zu sichern. Angesichts der ohnehin geringen Kinderzahlen – von denen ein erheblicher Teil nicht aus Minderheitenfamilien stammt – hält der DSSV diese Investition derzeit für nicht vertretbar.

„Wir wissen, dass gerade kleine Schulen und Kindergärten weit mehr sind als Lernorte – sie sind Bindeglieder der Dorfgemeinschaften“, betont Kerstin Jürgensen. Dennoch stehe sie hinter der Empfehlung des DSSV-Hauptvorstandes, „so schwer sie auch sein mag“.

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