Kommentar

„Der Burgfrieden ist gefährdet: Es rumort hinter den Tonderner Rathaus-Kulissen“

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Nicht alle Politikerinnen und Politiker hatten in der Wahlnacht Grund zum Lachen (Archivfoto).

In der Wahlnacht wurde eine breite Einigung an den Tag gelegt, als die Vergleichsparteien mit einem Marschplan für die kommenden vier Jahre mit Jørgen Popp Petersen als neuem und altem Bürgermeister vor die Medien traten. Doch vor der Konstituierung am 4. Dezember gibt es geheime Verhandlungen, die Popps Wiederwahl zum Stadtoberhaupt gefährden könnten.

Im Tonderner Rathaus scheint der in der Wahlnacht geschlossene Burgfrieden und damit auch die Zusage der anderen Parteien gefährdet, dass Jørgen Popp Petersen von der Schleswigschen Partei trotz eines überwältigenden Wahlsiegs weitere vier Jahre Bürgermeister bleiben kann. Nur die drei Mitglieder der Dänischen Volkspartei lehnten das Verhandlungsergebnis ab.

Nun gibt es aber Parteien/Personen, die dem SP-Politiker den Posten streitig machen wollen. Hinter den Kulissen finden geheime Treffen in der Hoffnung statt, die Wahlabsprache zunichte machen zu können, beispielsweise wenn ein Keil zwischen die bürgerlichen Parteien getrieben wird. 

Neue Mehrheit in Sicht?

So könnte eine neue Mehrheit gebildet werden, um einen anderen Bürgermeisterkandidierenden zu finden. Für das Amt hatten sich Martin Iversen von Venstre, Torben Struck von den Sozialdemokraten, Anita Uggerholt Eriksen von der Tønder Liste und Jens Laurids Sørensen von der Liberalen Allianz beworben. Die einzige Frau im Bunde hatte vor Ende der Wahl die größten Chancen, Jørgen Popp Petersen zu schlagen. Doch da hatte Anita Uggerholt Eriksen die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der SP-Spitzenmann holte 3.850 persönliche Stimmen. Ihm ist unter anderem die Verdopplung von vier auf acht Mandate zu verdanken.

Wie zu erfahren war, steckte in den Konstituierungsverhandlungen Sprengstoff, obwohl fast alle bei Veröffentlichung des Ergebnisses mit großem Lächeln vor die wartende Presse traten. Es hatte den Anschein von Freude, Friede, Eierkuchen.

Putschversuch wie in Middelfart oder Aarhus

Doch nicht nur in Middelfart oder Aarhus sind „Putschversuche“ möglich, um einen sichergelaubten Wahlsieger zu stürzen.

Popp Petersen bestätigte gegenüber „TVSyd“, Kenntnis von den Verhandlungen ohne die SP zu haben. Auf die Frage, ob es Angebote nach der Wahlnacht gegeben habe, antworteten die Bürgermeisterkandidaten von Venstre und den Sozialdemokraten, dass man an der Absprache der Wahlnacht festhalte. Anita Uggerholt Eriksen wollte zu dieser Frage keine Stellung beziehen.

Will man eine neue Mehrheit, bedarf es einer Zusammenarbeit zwischen mindestens zwei größeren Parteien (Venstre, und/oder Tønder Liste mit jeweils sechs Mandaten und/oder den Sozialdemokraten mit vier Mandaten), unterstützt von den kleineren bürgerlichen Parteien. Die Stimmen von der Liberalen Allianz, der konservativen Anette Abildgaard Larsen und der wiedererstarkten Fraktion der Dänischen Volkspartei mit Allan Svendsen an der Spitze müssten gewonnen werden. 

Svendsen hat schon bekundet, dass Jørgen Popp Petersen als Bürgermeister aufgrund der Verstöße gegen das Tierwohl in den Schweineställen des Stadtoberhaupts für ihn nicht mehr tragbar sei. Nicht ganz so deutlich hatten sich die anderen Fraktionsspitzen geäußert.

Am 4. Dezember Konstituierung

Vielleicht beziehen sich die geheimen Gespräche nicht nur auf die Bürgermeisterfrage. Bislang war eigentlich nur bestimmt, dass Bjarne Lund Henneberg von der Sozialistischen Volkspartei, der vor der Wahl auch vier weitere Jahre für Popp abgelehnt hatte, neuer Vorsitzender des Sozialausschusses werden soll. Anette Abildgaard Larsen sollte als Vorsitzende des Gesundheitsausschusses weitermachen.

Wie die Karten bei einem Kommunestreich verteilt werden, ist interessant. Sehr viel Zeit bleibt nicht mehr. Am Donnerstag, 4. Dezember, beginnt um 16.30 Uhr die konstituierende Stadtratssitzung im Rathaus. 

Wer geglaubt hat, mit Trumpfen zu sitzen, geht plötzlich leer aus. Die anderen, die wie Verlierer aussahen, stürmen an die Regierungsmacht. Aber so ist Politik nun mal. Da macht Tondern auch keine Ausnahme. Man befindet sich ja in guter Gesellschaft.