Deutsche Minderheit

Beas wehmütiger Abschied von ihrer lieb gewonnenen Schule

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Beatrice Schneider hat sich acht Jahre lang als Vorstandsmitglied für die Deutsche Schule Pattburg engagiert, davon sechs Jahre als Vorsitzende.

Beatrice Schneider hat sich als Zuzüglerin und Mutter für die Mitarbeit im Vorstand der Deutschen Schule Pattburg bereit erklärt und war sechs Jahre Vorsitzende. Ihre Amtszeit ist zu Ende, und das stimmt sie traurig. Ein Rückblick der Neu-Nordschleswigerin auf ihre Zeit im Schulvereinsvorstand.

„Ich war in Hessen im Elternbeirat. Das ist etwas ganz anderes als die Arbeit in einem Vorstand an einer Schule in Nordschleswig. Hier hat man viel mehr Mitbestimmung und die Möglichkeit, mitzugestalten. Man kann Einfluss nehmen, und das war und ist mir wichtig“, sagt Beatrice Schneider. 

Die 44-Jährige mit dem Spitznamen „Bea“ hat ihren Vorsitz im Vorstand der Deutschen Schule Pattburg abgegeben, da sie keine Kinder mehr an der Einrichtung hat.

Kurz nach dem Umzug mit der Familie 2015 vom Wohnort bei Frankfurt nach Pattburg, wo die drei Töchter (heute 13 und 19 Jahre alt) an die Deutsche Schule wechselten, ließ sich Beatrice Schneider in den Vorstand und 2019 zur Vorsitzenden wählen.

Eine Zeit, die sie nicht missen möchte. „Es gab eine gute Zusammenarbeit mit der Schulleitung, anfangs noch mit Susanne Haupt und danach dann mit Birgit Pedersen. Wir haben einen engen Kontakt gehalten und uns fortwährend ausgetauscht“, erwähnt die Vorsitzende a. D., die auch von einer konstruktiven Zusammenarbeit im Vorstand spricht.

Emotionale letzte Vorstandssitzung 

„Die Schule ist mir sehr ans Herz gewachsen. Da ist das Ende der Vorstandstätigkeit schon mit viel Wehmut verbunden“, so Schneider mit einem Anflug von Traurigkeit.

Wehmütig war dann auch die letzte Vorstandssitzung vor der Generalversammlung – dem offiziellen Ende ihrer Amtszeit.

Foto mit Symbolkraft: Beatrice Schneider „trägt“ ihre Schule.

„Die Sitzung fand bei mir zu Hause statt. Ich habe für alle Essen gemacht. Es war schon sehr emotional“, so Beatrice Schneider ergriffen. 

Ergriffen war sie auch bei ihrem letzten Tätigkeitsbericht zur Generalversammlung, wo sie Tränen des Abschieds nicht verkneifen konnte.

Was waren zentrale Maßnahmen ihrer Amtszeit?

Als Erstes fällt Beatrice Schneider das Parkplatzverbot für Eltern ein. „Das war mein erstes großes Anliegen, dass Eltern den Parkplatz an der Schule nicht mehr befahren dürfen, um die Kinder abzugeben. Es war einfach zu unübersichtlich und dadurch gefährlich. Dem Verbot wurde zugestimmt.“

Klasse sieben abgeschafft

Herausforderungen gab es zu ihrem Amtsantritt vor allem baulich. „Die Schülerzahl lag bei über 80, und wir wussten nicht, wohin mit ihnen. Der Platz reichte nicht aus. Ein vor geraumer Zeit eingereichter Bauantrag für einen Anbau verfiel. Wir haben dann gemeinsam umstrukturiert, eine andere Raumaufteilung vorgenommen und unter anderem den Werkraum in den Keller verlegt. Die neue Aufteilung hat Geld gekostet, sie hat in meinen Augen aber viel gebracht“, so Schneider.

Das Platzproblem wurde durch eine weitere wichtige Entscheidung ihrer Amtszeit kleiner. Die siebte Klasse wurde abgeschafft. Die Schülerzahl fiel entsprechend. Aktuell liegt sie bei 67. „Es gab aber 13 Anmeldungen für dieses Schuljahr. Das ist eine erfreuliche Zahl. Bei den Neuanmeldungen sieht es ebenfalls gut aus“, sagt die nun ehemalige Vorsitzende. Sie sieht die Pattburger Einrichtung für die Zukunft gerüstet.

„Die Abschaffung der 7. Klasse löste natürlich Diskussionen aus. Es wurde letztlich aber dafür gestimmt. In meinen Augen sinnvoll, denn diese Altersklasse braucht ein anderes Umfeld und mehr Austausch mit Gleichaltrigen, sowohl im als auch außerhalb des Unterrichts. An den Abnehmerschulen gibt es ein anderes Milieu, von dem die Siebtklässler profitieren.“

„Die Abschaffung des Schulbusses war ebenfalls keine leichte Entscheidung. Sie kam bei den betroffenen Eltern natürlich nicht gut an. Als Vorstand müssen wir aber auch die Finanzen im Blick haben. Der Bus war einfach zu teuer“, so Beatrice Schneider.

Haben sich in den vergangenen Jahren viel ausgetauscht: Pattburgs Schulleiterin Birgit Bennick Pedersen (l.) und Beatrice Schneider.

Noch mehr Teilnahme erwünscht

Kommunikation auf Augenhöhe und Transparenz seien für sie wichtige Schlüsselbegriffe der Vorstandsarbeit gewesen. Der Austausch mit den Eltern verlaufe dabei nicht immer, wie erhofft. Die Zurückhaltung sei ihrer Ansicht nach zu oft zu groß. 

„Das Interesse am Mitbestimmen und daran, Teil der Gemeinschaft zu sein, lässt manchmal zu wünschen übrig. Ich würde es auch begrüßen, wenn Eltern, darunter Zugezogene, sich mehr damit befassen, wie die Zusammenhänge in der Minderheit sind und was es heißt, Kinder an einer Einrichtung des Deutschen Schul- und Sprachvereins zu haben“, sagt die 44-Jährige.

Sie selbst hatte sich vor dem Umzug mit den Einrichtungen und deren Struktur auseinandergesetzt, „und für mich war klar, dass ich mich in die Gemeinschaft der Minderheit und auch in die dänische Ortsgemeinschaft integrieren werde“.

Wechsel in den Tingleffer Vorstand

Den Werdegang der Pattburger Schule wird sie nun von der Seitenlinie mitverfolgen. Mit der Arbeit in einem Schulvorstand ist Beatrice Schneider allerdings noch nicht fertig. Mit dem Wechsel ihrer Zwillingstöchter an die Deutsche Schule Tingleff hat sie sich in den Vorstand des dortigen Schulvereins wählen lassen.

„Eigentlich wollte ich nicht mehr, habe mich aber umentschieden. Ich kann es nicht lassen, mich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen. Als auf der Generalversammlung in Tingleff ein Vorstandsposten zu vergeben war, habe ich mich schließlich doch zur Verfügung gestellt. Es ist mit 157 Schülerinnen und Schülern ja eine andere und größere Schule. Für die möchte ich mich nun in nächster Zeit engagieren.“