Deutsche Minderheit

Advent zwischen Liedern, Geschichten und Erinnerungsschätzen

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Der Adventsnachmittag von Sozialdienst Lügumkloster und Nordschleswigscher Gemeinde fand im Gemeindehaus statt.

„Weißröckchen“, Chelsea-Fans und ein einmaliger Adventsteller: Bernd Jessen führte bei der Adventsfeier in Lügumkloster mit Wissenswertem, Witz und viel Musik durch einen Advent voller Nostalgie. Welche Geschichten besonders zum Schmunzeln – und zum Nachdenken – anregten, zeigt nachfolgender Bericht.

Die Adventsfeier des Sozialdienstes und der Kirchengemeinde Lügumkloster war in diesem Jahr ein Nachmittag voller Musik, Geschichten und liebevoller Erinnerungen. Christa Lorenzen, Vorsitzende des Sozialdienstes Lügumkloster, begrüßte die erschienenen Gäste und dankte Bernd Jessen – ehemaliger Schulleiter der Deutschen Schule Lügumkloster – dafür, dass er sich bereit erklärt hatte, den Nachmittag zu gestalten.

Ein süßer Grund zum Singen

Doch bevor das Programm startete, stand erst einmal das genüssliche Einstimmen auf die Adventszeit an: Bei Kaffee, Christstollen und Othello-Torte füllte sich der Raum mit wohligem Gesprächssummen und der Vorfreude auf das gemeinsame Singen.

Angesichts dieser süßen Grundlage entschied Jessen humorvoll, den musikalischen Teil mit einem modernen Klassiker zu eröffnen: Rolf Zuckowskis „In der Weihnachtsbäckerei“. Passender hätte es an diesem Nachmittag wohl kaum beginnen können.

Weihnachtslieder – bekannt und doch voller Überraschungen

Bernd Jessen (rechts) und Pastor Matthias Alpen gestalteten den Nachmittag.

Auf seinem Liederzettel hatte Jessen all die Weihnachts- und Winterlieder zusammengestellt, die viele der Gäste seit ihrer Kindheit begleiten – und für alle ausgedruckt. Doch er beließ es nicht bei Melodie und Text. Zu jedem Lied hatte er kleine Wissensschätze gesammelt.

So erfuhren die Teilnehmenden etwa, dass die Melodie von „O Tannenbaum“ ursprünglich eine alte schlesische Volksweise ist. Und dass die Fans des englischen Fußballklubs FC Chelsea die Melodie mit Inbrunst als Hymne „The Blue Flag“ singen. Auch der US-Bundesstaat Maryland bedient sich derselben Melodie für seine Staatshymne.

Überhaupt schienen die Menschen in Schlesien eine starke Verbindung zur Musik zu haben: Der Text zu „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ stammt von einer schlesischen Kindergärtnerin. „Weißröckchen“ ist dort ein liebevolles Wort für Schneeflocke.

Die Gäste sangen mit Begeisterung Lieder wie „Macht hoch die Tür“, „Leise rieselt der Schnee“, „Alle Jahre wieder“, „Lasst uns froh und munter sein“ und viele weitere. Zwischen den Strophen wurde gelacht, geschmunzelt und geseufzt – denn die alten Melodien weckten Erinnerungen, die offenbar bei vielen tief verankert sind.

Anekdoten, Gedichte und ein schwarzer Punkt

Bernd Jessen hatte für jedes Lied interessante Informationen zusammengetragen.

Zwischen den Liedern streute Jessen Geschichten und kleine Anekdoten ein. So erinnerte er an die Zeit, in der Pastor Gerhard Schmidt in Lügumkloster wirkte. Dessen kleiner Weihnachtschor sei Petrus wohl so nahegegangen, dass es beim Hinausgehen aus der Kirche plötzlich zu schneien begann – sehr zur Freude der Gottesdienstbesucherinnen und -besucher.

Herzliches Nicken löste auch die Erinnerung an den Adventsteller aus, den viele aus ihrer Kindheit kennen: Äpfel, Nüsse, später Orangen und irgendwann sogar Bananen. „Stellt euch vor, wir würden unseren Enkelkindern heute so einen Teller zusammenstellen: Wie würden die wohl reagieren?“, fragten sich die Gäste mit einem Augenzwinkern.

Zum Nachdenken wiederum regte eine Geschichte aus dem Schulalltag an: ein weißes Blatt Papier mit einem schwarzen Punkt in der Mitte. Alle Schülerinnen und Schüler beschrieben den Punkt – niemand sah auf die große weiße Fläche. Ein schönes Bild dafür, wie leicht sich Menschen auf das Negative konzentrieren, obwohl so viel Gutes drumherum liegt.

Besonders persönlich wurde es, als Jessen von seinem Vater erzählte, der von 1950 bis 1969 in Tingleff (Tinglev) als Pastor der Nordschleswigschen Gemeinde wirkte. Aus dessen altem Vorlesebuch trug er ein Gedicht des Terkelsbüllers H. E. Petersen vor. Und er erinnerte daran, dass sein Vater, ein passionierter Raucher, jedes Jahr am 1. Dezember mit dem Rauchen aufhörte, um sich am 24. Dezember genüsslich die teuerste Zigarre des Jahres anzuzünden.

Gedichte zum Ausklang

Auch für Pastor Alpen gab es von der Sozialdienstvorsitzenden Christa Lorenzen außer einem kräftigen Händedruck ein kleines Geschenk als Dankeschön.

Zum Abschluss las Pastor Matthias Alpen mehrere Gedichte vor, darunter „Adventsaufgaben“ von Birgit Mattausch – ein leiser, poetischer Text über Licht, Gnade, Zuwendung und den Advent als Haltung der Zuversicht.

Christa Lorenzen dankte zum Schluss sowohl Bernd Jessen als auch Pastor Alpen für ihren Beitrag zu diesem stimmungsvollen Nachmittag. Zahlreiche Teilnehmende schlossen sich an und betonten, dass besonders das gemeinsame Singen der traditionellen Lieder viele kostbare Erinnerungen geweckt habe.