Deutsche Minderheit

Zwischen Küste und Klassenzimmer: Uwe Westergaard wird 70

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Uwe Westergaard in seinem Zuhause am Ekensunder Fjordvej

Nach sieben Jahrzehnten in der deutschen Minderheit in Nordschleswig kann Uwe Westergaard am 30. April seinen 70. Geburtstag feiern. Ein Leben zwischen Gjenner, Hof Waldemarstoft und Ekensund.

Er kam bei Gjenner (Genner) in Sichtweite des Knivsbergs zur Welt und hat fast sein ganzes Leben in deutschen Schulen in Nordschleswig verbracht: Uwe Westergaard wird am 30. April 70 Jahre alt.

Seit 2018 lebt er in Ekensund. Wenn er nicht an der Förde-Schule Dänisch unterrichtet oder in der Flensburger Förde badet, kümmert er sich um seine „Briefmarke“, wie er seinen Rasen nennt. Oder er packt seine Koffer, um mit seiner Frau Heiderose in die Berliner Wohnung der Westergaards oder in ein europäisches Land zu reisen.

Auf zum Studium nach Flensburg

Mit 70 Jahren ist Uwe Westergaard noch immer das, was er seit 1977 ist: Lehrer. Weil die Förde-Schule vor ein paar Jahren großen Bedarf an einem Dänisch-Lehrer hatte, und Sohn und Schulleiter Niels Westergaard seinen Vater um Hilfe bat, kehrte der 2019 pensionierte Lehrer auf Stundenbasis ins Berufsleben zurück.

Das Haus von Heiderose und Uwe Westergaard liegt wenige Meter von der Flensburger Förde entfernt, hier haben sie 2018 neu gebaut.

„Ich bin also über 60 Jahre lang zur deutschen Schule gegangen“, sagt Uwe Westergaard und lacht. Seine erste Schule war die Deutsche Schule Rothenkrug (Rødekro), die damals Brunde hieß. Sein Abitur machte er 1973 am Deutschen Gymnasium für Nordschleswig, und anschließend zog er nach Flensburg (Flensborg), um an der Pädagogischen Hochschule Lehramt zu studieren.

Mit seiner Frau Heiderose – das Paar heiratete 1974 – zog er zurück nach Nordschleswig. Der junge Lehrer arbeitete erst in der Deutschen Schule Rapstedt (Ravsted) und ab 1977 an der Deutschen Schule Pattburg (Padborg), von wo aus er auch nach Uk (Uge) und Tingleff (Tinglev) fuhr, um zu unterrichten. In Pattburg blieb er bis zu seiner Pensionierung 2019.

Das Paar lebte zunächst bei Rapstedt und baute danach ein Haus in Bau (Bov). In der Ehe kamen die Kinder Niels, Astrid, Merete, Jesper, Jonas und Lennart zur Welt. 1994 kauften sich die Westergaards den Hof Waldemarstoft (Oldemorstoft) bei Pattburg. In diesen Jahren war Uwe Westergaard Vollzeitlehrer und Teilzeit-Landwirt, auf dem Hof lebten Ammenkühe und Schafe.

Im Grund wünsche ich mir, dass es noch eine Weile so weitergeht, so wie es ist.

Uwe Westergaard

Rückkehr ins Klassenzimmer

2018 folgte ein weiterer Umzug – die Eheleute zogen nach Ekensund, wo sie auf dem Grundstück eines alten Hauses am Fjordvej ihr neues Haus bauten.

Uwe Westergaard ist mit seinen Brüdern Günther und Christian bei Gjenner aufgewachsen.

Nach der Pensionierung 2019 war eigentlich Reisen angesagt – „doch dann kam Corona, und es wurde mit dem Reisen nicht so viel in dieser Zeit“, erinnert sich Uwe Westergaard.

Während und nach der Pandemie zogen viele Deutsche nach Nordschleswig – und Dänischlehrer Uwe Westergaard kehrte in Teilzeit aus dem Ruhestand zurück.

„Wie lange ich noch unterrichte, hängt davon ab, wie lange ich noch gebraucht werde. Ich kann mir vorstellen, dass ich im Sommer zum zweiten Mal in den Ruhestand gehen werde“, sagt Uwe Westergaard.

An seinem 70. Geburtstag wird er mit Teilen der Familie feiern, am Freitag ist eine größere Familienfeier geplant.

Was ist sein Wunsch fürs neue Lebensjahr? „Im Grund wünsche ich mir, dass es noch eine Weile so weitergeht, so wie es ist. Da ist die Hoffnung, dass ich über etliche Jahre noch all das tun kann, was ich gerne mache“, sagt der 15-fache Großvater. Beispielsweise vom Badesteg der Nachbarn ganzjährig die Förde steigen, um zu schwimmen. Oder die bevorstehende Sommerreise nach England planen.

Uwe Westergaard im Klassenzimmer der Deutschen Schule Pattburg rund um seine Pensionierung 2019

Nach 70 Jahren in Nordschleswig genießt er in Ekensund sein Leben zwischen Küste und Klassenzimmer.

Uwe und Heiderose haben beide jahrzehntelang unterrichtet und gingen im Januar 2019 nach einem letzten gemeinsamen Arbeitstag an der Deutschen Schule Pattburg in Rente.