Deutsche Minderheit

Wie und warum Marion Petersen den BDN-Kulturausschuss weiterführen will

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Marion Petersen eröffnete in ihrer Rolle als Ausschussvorsitzende in den vergangegen Jahren viele Konzerte und andere Kulturveranstaltungen. Eine Aufgabe, die sie auch in Zukunft gerne wahrnehmen würde.

Seit 2011 leitet Marion Petersen den Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger. Ihre Aufgabe: Kulturangebote im Team entwickeln und neue Ideen aus den Bezirken umsetzen. In einer weiteren Amtszeit möchte sie Einsätze gegen Einsamkeit vertiefen und die Rolle des Kulturausschusses als sichtbare Stimme der Minderheit nach außen stärken.

Marion Petersen möchte als Vorsitzende des Kulturausschusses des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) noch einmal für vier Jahre kandidieren. Ihr Wunsch: die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem  Ausschuss fortsetzen und gleichzeitig neue kulturpolitische Schwerpunkte weiterentwickeln. Sie legt besonderen Wert auf die Jugendarbeit, vielfältige Kulturangebote für alle Generationen und wünscht sich, die deutsche Minderheit noch mehr nach außen zu vertreten.

Was qualifiziert sie als Ausschussvorsitzende? Marion Petersen bringt es auf den Punkt: „Ich bin selbst Kulturschaffende.“ Sie arbeitet seit vielen Jahren im Kulturbereich der deutschen Minderheit und hat ein breites Fundament an Erfahrungen. Sie sagt: „Ich habe als Sängerin in der Musikvereinigung gesungen und hatte auch ein paar Jahre den Vorsitz.“ Außerdem ist sie Mitglied bei „TheaterDrang“ und liebt die Kombination aus Musik und Schauspiel als Mitwirkende im „Heimatmuseum“.

„Ich habe immer ein offenes Ohr für die Basis”

Zudem bringe sie eine regionale Vernetzung mit: „Ich sitze im Kulturausschuss der Region Sønderjylland-Schleswig. Das bringt der Posten mit sich.” Viele Jahre war sie zudem im Vorstand der Sonderburger Musikschule, und als Leiterin der Deutschen Schule Lunden kennt sie Führungsverantwortung.

Wichtig ist ihr außerdem die Nähe zur Basis: „Ich glaube, ich habe immer ein offenes Ohr für die Basis. Ich bin ja auch für das Theaterabo zuständig und bin Theaterobfrau in Sonderburg.“

Am Ende fasst sie ihr Profil zusammen: „Ich glaube einfach, dass ich ein Mensch mit großem Interesse an Kultur bin. Und ich habe immer auch ein offenes Ohr für Ideen und eine gute Zusammenarbeit mit dem Haus Nordschleswig. Besonders mit dem Generalsekretariat und Uffe.“ BDN-Kulturkonsulent Ulf-Mikael Iwersen (Uffe) ist als Hauptamtlicher die ausführende Hand des Kulturausschusses. 

Marion Petersen beschreibt die aktuelle Zusammensetzung des Kulturausschusses als „sehr gut“. Das Gremium habe sich verjüngt, und dadurch kämen neue Ideen und andere Perspektiven in die Kulturarbeit hinein. Der Anreiz, erneut zu kandidieren, kam von außen. „Ich wurde gefragt, ich war vorgeschlagen und habe gesagt, das mache ich doch gerne noch mal“, sagt sie und verweist auf die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen und dem BDN-Kulturkonsulenten.

Als Ausschussvorsitzende übernimmt Marion Petersen immer wieder die Begrüßung bei kulturellen Veranstaltungen, wie hier im Sonderburger Schloss (Archivbild).

Marion Petersen beschreibt die Rollenverteilung klar: „Der Kulturausschuss entwickelt Ideen, während Uffe Projekte vorbereitet, Fördermittel beantragt und praktische Umsetzungsschritte wie Plakate und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt.“

Ehrenamt und Hauptamt – ein eingespieltes Team

Die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und Angestellten des BDN laufe sehr gut. Marion Petersen spricht von einer „sehr vertrauensvollen Basis“ in der Zusammenarbeit mit Kulturkonsulent Uffe Iwersen und der stellvertretenden Kulturausschussvorsitzenden Marie Medow. 

Das Gremium nehme konsequent Angebote aus der Basis auf und überführe sie mit den Hauptamtlichen in Projekte: „Ideen entstehen in der Gruppe, werden im Gremium beraten und anschließend gemeinsam umgesetzt.“ Die Möglichkeit, temporäre Projektgruppen zu bilden, bleibt ausdrücklich bestehen, auch wenn derzeit nur die AG Literatur kontinuierlich aktiv ist und in enger Kooperation mit der Bücherei Vorträge, Filme und den Lyrikpfad auf dem Knivsberg gestaltet. 

Blick nach vorn: Visionen und Kulturverständnis

Marion Petersen arbeitet als Schulleiterin der Deutschen Schule Lunden.

Was sind die Visionen der Vorsitzenden für eine mögliche weitere Amtszeit? Marion Petersen will ihr Bildnis von Kultur als Haus fortführen: „Im Fundament liegen elementare Angebote wie Musik und Theater im Kindergarten sowie Kulturarbeit in den Ortsvereinen. Darüber bauen Ebenen mit Laienspiel, Kabarett und die Musikvereinigung und andere anspruchsvolle Konzertformate.“ Sie möchte Kulturangebote schaffen, die sowohl die sogenannte ernste Musik als auch Rock-Pop-Formate einschließen und in denen alle mitsingen oder mitmachen können. 

Sie wünscht sich, dass Kultur vor Ort in Bezirken und Ortsvereinen noch vielfältiger wird. „Kultur vor Ort ist mehr als die jährliche Fahrt in einen Freizeitpark oder ins Musical. Es werden gute Veranstaltungen in den Bezirken angeboten, bei denen der Kulturausschuss gerne unterstützend helfen könnte. Wir haben immer ein offenes Ohr für Ideen.“

Anforderungen an die Vorsitzendenrolle

Kulturausschuss: Wichtige Projekte und Schwerpunkte

Marion Petersen nennt mehrere Projekte, die sie als Kulturausschussvorsitzende mit angestoßen oder begleitet hat – und die die Bandbreite der Kulturarbeit zeigen.

BDN-Generalsekretär Uwe Jessen (l.), Hauptgeschäftsführer Bernd Søndergaard und BDN-Kulturvorsitzende Marion Petersen haben hier den Überblick über die Finanzen.

Marion Petersen nennt als zentrale Voraussetzungen für das Amt die Lust an Kulturarbeit, Offenheit für Ideen, die Bereitschaft, die deutsche Minderheit nach außen zu vertreten, und Interesse an kulturpolitischen Fragen. Sie sieht sich gut beschrieben in der veröffentlichten Stellenbeschreibung und verweist auf ihre langjährige Tätigkeit in der Musikvereinigung, ihre Erfahrungen als Kulturschaffende, ihre Leitungserfahrung als Schulleiterin und ihre Vernetzung in der Region, etwa im Kulturausschuss der Region Sønderjylland-Schleswig und im Regionsausschuss der Schleswigschen Partei. 

Umgang mit Fehlern

Im Rückblick nennt Marion Petersen das „Blaue Liederbuch“ als Beispiel dafür, dass Projekte unter hohem Zeitdruck an Grenzen stoßen. Kurzfristig bewilligte Mittel ermöglichten damals ein deutsches Liederbuch mit Noten, doch der enge Rahmen, die Rechteklärung und die Korrekturen führten dazu, dass bei dem Lied „Klein sind deine Berge“ Text und Notenbild nicht zusammenpassten und per Aufkleber in jedem Exemplar korrigiert werden mussten. 

Sie zieht daraus den Schluss: „Kulturprojekte benötigen ausreichend Zeit, und mehrere Personen müssen Korrekturen vornehmen, um blinde Winkel zu vermeiden. Wir haben es alle nicht gesehen“, sagt sie und betont, dass intensive Arbeit und wenige Hände in diesem Fall nicht optimal zusammenpassten. „Meine Erkenntnis: Man sollte nichts übers Knie brechen. Kulturarbeit benötigt Zeit.“

Repräsentation der Minderheit: Gerne noch mehr

Marion Petersens Hobby und Leidenschaft ist die Kultur. Bei Dreharbeiten der deutschen Fernsehserie „Dr. Nice“ stellte sie sich als Statistin am Strand von Kollund zur Verfügung.

Kulturprojekte benötigen ausreichend Zeit, und mehrere Personen müssen Korrekturen vornehmen, um blinde Winkel zu vermeiden.

Marion Petersen

Die Rolle als Kulturausschussvorsitzende versteht Marion Petersen auch als sichtbare Vertretung der deutschen Minderheit im In- und Ausland. Sie reiste zu Veranstaltungen wie Sitzungen des Kopenhagener Kontaktausschusses oder zu Empfängen in der deutschen Botschaft sowie Kulturtagen der deutschen Minderheit in Breslau, um dort Kulturarbeit aus Nordschleswig zu präsentieren. 

Sie beschreibt diese Aufgaben nicht nur als Arbeit, sondern als bereichernde Erfahrung: Bei Konzerten übernimmt sie gerne die Begrüßung, präsentiert die Minderheit und genießt zugleich die Veranstaltungen, die der Kulturausschuss auf die Beine stellt. 

„Das ist eine Rolle und eine Aufgabe, die ich noch mehr einnehmen möchte. Weil ich es gut kann und es mir Freude bereitet. Hier wünsche ich mir, stärker eingebunden zu werden, falls ich den Vorsitz für eine weitere Amtszeit leiten darf.“

 

Der BDN-Kulturausschuss

Lebenslauf – Marion Petersen

Marion Petersen, 56 Jahre alt, stammt aus Heide in Schleswig-Holstein. Nach ihrem Studium mit den Schwerpunkten Musik und Biologie engagierte sie sich früh in Kinderchorprojekten in Nordschleswig und in der musikalischen Früherziehung – ein erster Kontakt zur kulturellen Welt der deutschen Minderheit in Dänemark.

1997 zog sie mit ihrem Mann Jörn nach Düppel (Dybbøl). Dort kamen 1998 Sohn Jesper und 2002 Tochter Mia zur Welt. 2005 übersiedelte die Familie nach Sonderburg, wo Marion Petersen eine Lehrstelle an der Deutschen Schule Sonderburg antrat. Im April 2020 übernahm sie die Schulleitung des Kindercampus in Lunden.

Neben ihrem pädagogischen Wirken ist Marion Petersen in der Kulturarbeit stark verwurzelt. Sie stand als Schauspielerin bei der LaienspielgruppeTheaterDrang“ auf der Bühne und engagiert sich in der Kabarettgruppe „Heimatmuseum“ Nordschleswig. Zudem leitet sie als Vorsitzende den Kulturausschuss des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und kandidierte für die Schleswigsche Partei (SP) für den Stadtrat.

Marion Petersen steht seit rund 2011 an der Spitze des BDN-Kulturausschusses. Die Wahl zur Kulturausschussvorsitzenden erfolgt für jeweils vier Jahre. Die aktuelle Amtszeit läuft aus, und auf der BDN-Delegiertenversammlung am 2. Juni bestimmt die Versammlung einen Vorsitz.

Der Kulturausschuss setzt sich aus ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die alle BDN-Bezirke repräsentieren. Die Versammlung der Bezirks- und Ortsvorsitzenden wählt die Mitglieder, während die Delegiertenversammlung des BDN den Vorsitz bestimmt. 

Der ehrenamtliche Kulturausschuss trifft sich in der Regel viermal im Jahr im Haus Nordschleswig in Apenrade, bei Bedarf kommen zusätzliche Sitzungen hinzu. Parallel dazu arbeitet ein Kulturkoordinationsausschuss mit den hauptamtlichen Vertreterinnen und Vertretern der Verbände, darunter Jugendverband, Kirche, Bücherei und Deutsches Museum Nordschleswig, der aktuell ebenfalls etwa vier- bis fünfmal jährlich tagt und Termine sowie gemeinsame Themen bündelt, etwa zum Weltfrauentag. 

Der BDN sucht öffentlich nach einer oder einem neuen Vorsitzenden für den Kulturausschuss und nutzt dafür auch soziale Medien. In der aktuellen Ausschreibung stehen Aufgaben wie die Koordination der Kulturarbeit, die Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen und das Repräsentieren der Minderheit im Mittelpunkt.